Kreis Heinsberg: Schüler und Politiker tauschen Argumente aus

Kreis Heinsberg: Schüler und Politiker tauschen Argumente aus

Turboabitur, Bildungspolitik, Frauen-Quote, NPD-Verbot und Mindestlohn sind politische Themen, die für lange Debatten auf Landes- oder Bundesebene sorgen. Vor der Landtagswahl am kommenden Sonntag kam es in der Aula des Hückelhovener Gymnasiums zu Klärungsdebatten mit diesen Themen zwischen Landtagskandidaten aus dem Kreisgebiet und Teilnehmern von „Jugend debattiert”.

Rund 350 Schüler hatten den Weg zu dieser Veranstaltung in der ehemaligen Zechenstadt gefunden, um das politische Kreuzverhör mit jugendlichem Anstrich zwischen den Politikern und den Schülern zu verfolgen.

Schulzeitverkürzung erstes Thema

Gleich die erste Debatte zwischen Jasmin Wall vom Gymnasium ­Hückelhoven und der Landtagsabgeordneten der Bündnisgrünen, Dr. Ruth Seidl aus Wassenberg, beschäftigte sich mit der Schulzeitverkürzung (G8). Dabei führte Jasmin Wall an, dass die Schüler durch diese neue Reform einem höheren Leistungsdruck unterliegen würden und die Freizeitgestaltung aufgrund des langen Schultages auf der Strecke bliebe. Ruth Seidl äußerte Verständnis, verwies aber darauf, dass die Schulen mit der Einführung der Ganztagsbetreuung sowohl im Bereich der Unterstützung bei Hausaufgaben als auch beim Freizeitangebot Zeichen setzen sollten, um die Schüler zu entlasten und gleichzeitig ein effektiveres Lernen zu ermöglichen. Nach der jeweils zehnminütigen Debatte bestand aus dem Plenum heraus die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Auf die Fragestellung einer Schülerin zu der Problematik, dass nun bereits in sehr jungen Jahren über die spätere Studiums- oder Berufswahl nachgedacht werden solle, antwortete Seidl, dass bei dem frühen Eintritt in die Oberstufe der Weitblick fehle, um eine Entscheidung über eine spätere berufliche Zukunft zu treffen. Sie sprach sich für eine Schulzeitverkürzung in der Oberstufe statt in der Mittelstufe aus.

Rhetorisch äußerst routiniert präsentierte sich in der anschließenden Debatte Hannah Redmann von der Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg. Gemeinsam mit Dr. Gerd Hachen, dem Landtagsmitglied der Christdemokraten, debattierte sie über eine mögliche Organisation der Bildungspolitik durch die Bundesebene. Dabei plädierte sie für die zentrale Vergabe von Geldern sowie für einheitliche Lehrpläne. Zielsetzung sei es, eine wirkliche Vergleichbarkeit zwischen den Ländern zu schaffen, damit beispielsweise nicht das Bundesland Bayern die besten Absolventen stelle und andere Länder dahinter deutlich abfallen würden. Hachen erklärte, dass eine Zentralisierung in der Bildungspolitik zu keinem sinnvollen Konsens zwischen den einzelnen Ländern führen würde, denn Streit wäre programmiert.

Vom Wahlrecht Gebrauch machen

Guido Rütten, Regionalkoordinator von „Jugend debattiert”, sprach von einer gelungenen Veranstaltung, die sich etablieren und auch nach der Wahl eine Fortsetzung erfahren solle. Rütten hoffte besonders, dass die anwesenden Schülerinnen und Schüler ein Zeichen setzten, damit die Jungwähler am kommenden Sonntag auch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen würden.

Die Schüler und die Kandidaten auf einen Blick

Diese Schüler debattierten: Jasmin Wall (Gymnasium Hückelhoven), Hannah Redmann (Betty-Reis Gesamtschule Wassenberg), Korcan Yesil (Gymnasium Hückelhoven), Anton Gebhard (Cornelius-Burgh-Gymnasium Erkelenz), Jessica Schütz (Gymnasium Hückelhoven) und Thomas Hintzen (Cornelius-Burgh-Gymnasium).

Diese Landtagskandidaten waren in Hückelhoven zu Gast: Dr. Ruth Seidl (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Gerd Hachen (CDU), Tino Pakusa (FDP), Olaf Renner (Die Linke), Patrick Höhl (Piraten) und Walter Leo Schreinemacher (Freie Wähler) sowie Norbert Spinrath (SPD) in Vertretung der Kandidatinnen Ulla Meurer und Nicole von den Driesch.