Heinsberg-Karken: Renaturierung der Rur eine Absage erteilt

Heinsberg-Karken: Renaturierung der Rur eine Absage erteilt

Das Thema „Rurnaturierung” ist eines, das den Bürgern unter den Nägeln brennt, vor allem denjenigen, die im Heinsberger Stadtteil Karken und in der unmittelbaren Nachbarschaft davon wohnen.

Deutlich wurde dies schon allein durch die mehr als 200 Zuhörer, die der Einladung des CDU-Ortsverbandes zu einer Informationsveranstaltung in die Bürgerhalle gefolgt waren. Denn die Karkener befürchten aufgrund der Muldenlage ihres Ortes, dass bei einer Renaturierung des Flusses, das heißt bei seiner Rückführung in sein ursprüngliches Flussbett, das Grundwasser steigt und damit die Gefahr nasser Keller.

Drei Vertreter des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) konnte Ortsvorsteher Jo Reiners zu der Informationsveranstaltung begrüßen: Gewässerreferent Robert Steegmans, Franz-Josef Hoffmann, Unternehmensbereichsleiter Gewässer, und Jürgen Schieren, Gebietsingenieur im Gewässerbereich. „Ich hoffe, dass wir heute alle mit weniger Sorgen nach Hause gehen können”, betonte er, bevor er das Mikrofon zunächst an Steegmans übergab.

„Wir fühlen uns als Dienstleister. Wir suchen das Gespräch, und wir möchten Transparenz über unsere Projekte schaffen”, schickte dieser seiner Präsentation voraus. „Wir werden nur das machen, was in der Region gewünscht ist”, versprach er schon vorab. „Die Bürger müssen mitgenommen werden bei der Umsetzung aller Maßnahmen.” Unter dem langen Titel „Aktivitäten des WV Eifel-Rur zur Verbesserung des Hochwasserschutzes und zur Zielerreichung der EG-Wasserrahmenrichtlinie an der unteren Rur” stellte er den Zuhörern dann zunächst den Verband vor.

Seien die Flüsse früher begradigt worden, um landwirtschaftlich nutzbare Flächen zu erhalten, habe mittlerweile ein Umdenken stattgefunden, erklärte er. Was den notwendigen Hochwasserschutz angehe, verschiebe eine Erhöhung von Deichen das Problem nur und erhöhe das Risiko bei einem Deichbruch. „Hochwasser ist ein Naturereignis, das zum natürlichen Wasserkreislauf gehört und das man nicht verhindern kann”, so seine Definition. „Ein absoluter Schutz vor Hochwasser ist nicht möglich.” Daher seien derzeit im Konzept für einen nachhaltigen Hochwasserschutz im Land NRW verschiedene Maßnahmen gebündelt: die Renaturierung für einen natürlichen Wasserrückhalt, der Deichbau und die weitergehende Vorsorge durch ein angepasstes Bauen.

Stegmann erläuterte die Aufgaben der Talsperren, der Rückhaltebecken für „Starkregenereignisse” und kam dann auf das Thema Renaturierung zurück. Er beschrieb die erfolgreich durchgeführte Renaturierung der Rur bei Körrenzig und ging dann auf die spezielle Problematik im Umfeld von Karken ein.

„Die Sorge ist nicht wegzudiskutieren, da es sich hier um einen sehr flachen Bereich handelt”, räumte er offen ein. „Aber wir werden hier nichts umsetzen, was Nachteile bringt”, betonte er. Alle Maßnahmen würden vorab „modellmäßig” geprüft und könnten auch nur dann durchgeführt werden, wenn die Grundstücke dafür zur Verfügung stünden. „Wir üben keinen Zwang, keinen Druck aus”, versprach er erneut. „Wenn Sie keine Renaturierung haben wollen, gibt es keine!”, fügte sein Kollege Hoffmann in der anschließenden Diskussion hinzu.

Darin wurde auch deutlich, dass der Wasserverband dringenden Handlungsbedarf sieht, was die Beseitigung der Wehre in der Rur betrifft. Sie wird als notwendig betrachtet, um den Fluss für den Fischbestand durchgängig zu machen. 44 Wehre sollen insgesamt bis zum Jahre 2027 zurückgebaut werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 32 Millionen Euro, wie Steegmans erläuterte.

Das Steilwehr zwischen Karken und Ophoven steht mit der Priorität eins in der Liste. Bei der dabei notwendigen Neutrassierung der Rur würde sich der Flusslauf in diesem Bereich von einer Länge von derzeit 1000 Metern auf 1700 Metern verlängern, so die Planung. Sie sieht für die Rur in diesem Bereich eine Anbindung an die links des Flusslaufs vorhandenen Altarme vor.

Wie viele Bürger sprach sich auch Bürgermeister Wolfgang Dieder deutlich gegen diese Planung aus. „Viel Geld dafür, dass Fische besser schwimmen können”, monierte er und regte an, dieses Geld besser in vorhandene Kindergärten oder Schulen zu investieren. Mit dem Zustand, in dem die Rur sei, seien die Bürger zufrieden. Ohne Not solle man diesen nicht ändern, erklärte er und erntete dafür sehr viel Beifall.