EM-Zeichen: Regenbogen-Beleuchtung für Stadien in großen deutschen Städten

EM-Zeichen : Regenbogen-Beleuchtung für Stadien in großen deutschen Städten

Das Münchner Stadion sollte nach dem Willen der Politik beim deutschen EM-Spiel gegen Ungarn in Regenbogenfarben erstrahlen. Die UEFA lehnt den Antrag jedoch ab. Verschiedene Städte wollen nun ein Zeichen setzen.

Ganz Fußball-NRW zeigt sich bunt und solidarisch. Viele Städte und Vereine setzten ein strahlendes Zeichen für Toleranz und Vielfalt. So sollen die Fußball-Arenen in Frankfurt am Main und Köln am Mittwoch während der EM-Partie der deutschen Mannschaft in München gegen Ungarn bunt erstrahlen. „Wenn München am Mittwoch nicht darf, dann müssen eben die anderen Stadien im Land Farbe bekennen. Auf jetzt, Kollegen in der Liga“, twitterte Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann in der Nacht zum Dienstag. Der Club-Boss kündigte an: „Der Deutsche Bank Park schaltet zum Spiel gegen Ungarn den Regenbogen an. Das Waldstadion bleibt bunt.“

Ähnliches wird in Köln passieren. Dies bestätigten die Kölner Sportstätten und der Bundesligaclub am Dienstag nachdem zuvor der WDR darüber berichtet hatte. „Wir begrüßen das sehr. Köln und der FC stehen für Vielfalt und Toleranz. Die Entwicklungen in Ungarn sind erschreckend – umso wichtiger ist es, ein Zeichen dagegen zu setzen“, sagte FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle.

Die Pylone des Stadions werden von 21 Uhr bis Mitternacht bunt leuchten. Dies haben die Kölner Sportstätten auf Initiative verschiedener Gruppen aus der Kölner Stadtgesellschaft als Zeichen des Protestes gegen die ungarische Gesetzgebung entschieden.

Auch Dortmund, Mönchengladbach und Bochum setzen klare Zeichen. Am Borussia-Park werden Flaggen in Regenbogen-Farben gehisst. In Dortmund sollen markante Gebäude der Stadt wie der Fernsehturm und das Dortmunder U sowie einige Museen den Tag lang bunt erstrahlen. Auch Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch hat entschieden: Wir hängen die Regenbogenflagge auf. „Die Regenbogenfahne ist ein Zeichen der Weltoffenheit und Toleranz und ein sichtbares Signal für unser gemeinsames Werteverständnis“, erklärte der SPD-Politiker.

In der Schalker Arena sind die Regenbogen-Farben auf dem großen Video-Würfel zu sehen. In einem Tweet erklärten die Schalker: „Keine Provokation, sondern eine Selbstverständlichkeit! Der #S04 steht für Vielfalt und Toleranz“.

Ebenfalls in Regenbogenfarben erstrahlen wird das Fußball-Stadtion in Wolfsburg am Mittwochabend während des deutschen EM-Spiels gegen Ungarn. Das kündigte der VfL Wolfsburg am Dienstag via Twitter an.

Auch das Berliner Olympiastadion wird am Mittwoch ein Zeichen setzen „Wir machen da gerne mit, weil wir uns für Toleranz und Menschenrechte einsetzen“, sagte Christoph Meyer, Sprecher der Olympiastadion GmbH, am Dienstag der „Berliner Zeitung“.

Im Olympiastadion wird die farbige Beleuchtung durch eine neue LED-Anlage im Stadiondach sowie das erste vollfarbige Flutlicht Deutschlands möglich. Bereits zum Christopher Street Day waren das Olympiastadion der Hauptstadt und seine Umgebung in Regenbogenfarben erstrahlt. „Die Entscheidung fiel uns leicht“, sagte Meyer. „Wenn es um Toleranz und Menschenrechte geht, sind wir dabei - morgen, ab 21.00 Uhr“, war wenig später auf dem Twitter-Kanal des Olympiastadions zu lesen.

Wie die „Berliner Zeitung“ zudem berichtete, soll der Berliner Senat aktuell darüber nachdenken, ob auch das Brandenburger Tor in den Regenbogenfarben erstrahlen könnte.

Die Arena in Düsseldorf wird ebenfalls in Regenbogenfarben erleuchten. Wie die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens erklärte, wird die Regenbogenflagge auf der Nordseite auf die Außenhülle des Stadions projiziert, das auch Spielort der EM 2024 sein wird. „Düsseldorf steht für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft“, sagte Oberbürgermeister Stephan Keller. Daher werde die Regenbogenflagge auf die Arena projiziert „und somit – ebenso wie unter anderem in unserer Nachbarstadt Köln - vom Rhein aus ein sichtbares Zeichen für Respekt, Toleranz und Frieden gesetzt“.

UEFA lehnte Anfrage ab

Zuvor hatte sich der Münchner Stadtrat in einem fraktionsübergreifenden Antrag dafür ausgesprochen, die EM-Arena in Fröttmaning zum Gruppenspiel Deutschland gegen Ungarn am Mittwoch in Regenbogenfarben zu beleuchten. Die UEFA lehnte das aber ab. Sie sei „aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage - eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt - muss die UEFA diese Anfrage ablehnen“, teilte der Dachverband mit.

Stattdessen solle die Arena wie vorgesehen in den Farben der UEFA und der teilnehmenden Nationen leuchten. Der Dachverband habe der Stadt aber vorgeschlagen, das Stadion entweder am 28. Juni - dem Christopher Street Liberation Day - oder zwischen dem 3. und 9. Juli, der Christopher Street Day Woche in München, mit den Regenbogenfarben zu beleuchten. Das letzte EM-Spiel in München findet allerdings am 2. Juli statt, auch am 28. Juni wird in der Arena nicht gespielt.

Die Regenbogenfahne steht als Symbol für die Akzeptanz und Gleichberechtigung von Menschen, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren.

Kritik aus Politik und Zivilgesellschaft

Aus Politik und Zivilgesellschaft kam am Dienstag teils scharfe Kritik an der Entscheidung. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat die Entscheidung der Europäischen Fußball-Union scharf kritisiert. „Ich finde es beschämend, dass die UEFA uns hier in München verbietet, ein Zeichen für Weltoffenheit, für Toleranz, für Respekt und für Solidarität zu den vielen Menschen der LGBT-Community abzugeben“, sagte Reiter am Dienstag in München.

Er empfinde es zudem als „sehr enttäuschend, dass der Deutsche Fußball-Bund „sich nicht in der Lage sah oder sich nicht in der Lage sehen wollte, hier dieses Ergebnis zu beeinflussen“. Den Gegenvorschlag, die Münchner Arena an einem anderen Tag entsprechend zu beleuchten, bezeichnete Reiter als „aus meiner Sicht lächerlich“. Stattdessen solle am Spieltag das Münchner Rathaus mit Regenbogenflaggen geschmückt werden und das Windrad in unmittelbarer Nähe der Arena in Regenbogenfarben beleuchtet werden.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) drückte sein Bedauern aus. „Das wäre ein sehr gutes Zeichen für Toleranz und Freiheit gewesen“, schrieb er bei Twitter. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil erklärte dort: „Liebe UEFA, es ist nicht so, dass ich von euch viel erwartet habe. Aber ihr seid noch peinlicher als ich dachte. Schämt euch!“ Auch von Linke und FDP gab es kritische Stimmen.

Die Grünen riefen dazu auf, Regenbogenflagge zu zeigen. „Lasst uns ein starkes Zeichen der Vielfalt setzen und den Regenbogen durchs Land tragen“, schrieb Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock in dem Kurznachrichtendienst. Die EU-Kommission hätte die Regenbogenfarben auf der Allianz Arena als klares Zeichen gegen Diskriminierung begrüßt. Es sei wichtig, dass Europäerinnen und Europäer Solidarität mit der LGBTQ-Community zeigten, dies sollte die ganze Welt machen, sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde.

In Ungarn wurde die Entscheidung der UEFA dagegen begrüßt. Die Europäische Fußball-Union habe „die richtige Entscheidung getroffen“, sagte Außenminister Peter Szijjarto am Rande eines EU-Ministertreffens in Luxemburg vor ungarischen Journalisten. „Man hat entschieden, sich nicht für eine politischen Provokation gegenüber Ungarn einspannen zu lassen“, fügte er hinzu.

Der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Volker Jung, hofft trotz des Verbots durch die Europäische Fußball-Union auf ein Regenbogen-Zeichen an der Münchner EM-Arena beim Gruppenfinale der DFB-Auswahl gegen Ungarn. „Vielleicht ist das Stadion ja morgen doch bunt. Das kostet dann wohl eine Strafe. Aber die wäre es in diesem Fall wert“, sagte Jung am Dienstag.

Protestaktion des Leseben- und Schwulenverbandes

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Bayern kündigte Protestaktionen vor der Arena an. Zudem forderte der Verband die Betreiber der Münchner Fußball-Arena und den Besitzer FC Bayern auf, das Stadion der Ablehnung der UEFA in den Regenbogenfarben zu beleuchten. „Hier muss ein Zeichen gesetzt werden“, sagte Markus Apel, der Vorstand des LSVD Bayern, der Deutschen Presse-Agentur.

Das Verhalten der UEFA findet er „befremdlich“. „Die UEFA zeigt sehr klar, auf welcher Seite sie steht“, meinte Apel. „Sie steht nicht auf der Seite jener, die sich für eine vielfältige und faire Gesellschaft einsetzen, sondern auf der Seite derjenigen, die Vielfalt einengen und Menschen ihre Rechte aberkennen wollen.“

Hintergrund des Protestes ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität einschränkt und das erst am Dienstag vom ungarischen Parlament gebilligt wurde. Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen von Ministerpräsident Viktor Orban. Entsprechend laut war die Forderung nach einem klaren Zeichen bei der Fußball-EM in Deutschland geworden.

Verteidigung des Verbotes

DFB-Interimspräsident Rainer Koch hat das UEFA-Verbot derweil verteidigt. „Da die Beleuchtung vom Münchner Stadtrat als eine gezielte Aktion gegen die Entscheidung des ungarischen Parlaments begründet worden ist, handelt es sich nicht mehr um ein bloßes Statement im gemeinsamen Kampf gegen jede Form von Diskriminierung, sondern um eine politische Aktion“, schrieb das deutsche Mitglied der Exekutive der Europäischen Fußball-Union am Dienstag bei Facebook. Da die UEFA eine „politisch und religiös neutrale Organisation“ sei, habe sie die Anfrage aus der Münchner Politik ablehnen müssen.

Seine eigene Haltung und die des Deutschen Fußball-Bundes sei klar, versicherte Koch. DFB-Kapitän Manuel Neuer bringe „das mit seiner persönlichen Haltung, die Regenbogen-Armbinde schon den ganzen Monat zu tragen, klar zum Ausdruck. Und das ist gut so“, schrieb der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes. „Und die UEFA als Organisation hat, wie das Statement sehr deutlich macht, exakt die gleiche Haltung“, fügte er hinzu.

(dpa)