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Seiser Alm: Zum Spitzenkoch in Lederhose: Winterurlaub auf der Seiser Alm

Seiser Alm : Zum Spitzenkoch in Lederhose: Winterurlaub auf der Seiser Alm

Bis in den April hinein liegt Schnee auf den Wegen zur „Gostner Schwaige”. Die Hütte liegt auf 1930 Metern Höhe. Man muss mit den Skiern kommen, auf dem Schlitten oder zu Fuß. Kein Lift stört die Ruhe hoch oben auf der Seiser Alm in Südtirol.

Der Weg lohnt sich: Der Blick auf die umliegenden Dolomiten ist einzigartig, und die Küche in der „Schwaige” ist preisgekrönt.

Schon fast ein Klassiker in vielen Skiregionen: eine winterliche Fahrt mit der Pferdekutsche.
Schon fast ein Klassiker in vielen Skiregionen: eine winterliche Fahrt mit der Pferdekutsche. Foto: dpa

Franz Mulser, Chef und Chefkoch in einer Person, ist allerdings niemand, dem es um den Glamour geht. Im Gegenteil: Er ist ein Bub vom Dorf, genauer gesagt vom Außergostnerhof in Seis am Schlern. Mulser trägt auch keine Kochmütze, sondern einen hellen Hut aus Schafwolle.

Verschneite Bergwelt: Auf der Seiser Alm herrschen meist solide Winterbedingungen bis in den April hinein.
Verschneite Bergwelt: Auf der Seiser Alm herrschen meist solide Winterbedingungen bis in den April hinein. Foto: dpa

„Darunter dampft es manchmal ordentlich”, sagt er - denn die Hütte ist jeden Mittag voll. Draußen sitzen Skifahrer und Wanderer in der Sonne, in das holzvertäfelte Innere passen gut zwei Dutzend Menschen. Mulser bekocht sie alle mit seinen Südtiroler Spezialitäten, in einer Küche, die knapp fünf Quadratmeter misst.

Heusuppe im Brot: das Essen auf der „Gostner Schwaige” ist preisgekrönt.
Heusuppe im Brot: das Essen auf der „Gostner Schwaige” ist preisgekrönt. Foto: dpa

Eine Almhütte sei die „Schwaige”, sagt der Chef. „Nicht mehr und nicht weniger.” Das sehen seine Stammkunden anders und auch der Gourmetführer „Gault Millau”, der Mulser in schöner Regelmäßigkeit 14 Punkte zugesteht. Davon träumt mancher Koch in den großen Hotels.

Mulser trägt Trachtenhemd, Lederhose und grobe Schuhe. Früher mal wollte er Snowboarder werden. Italienmeister war er schon, im Sommer allerdings lernte er bei seinem Onkel Koch. Er arbeitete in der Spitzengastronomie, sogar im Münchner „Tantris” - doch er wollte wieder in die Berge.

Dahin, wo er die Zutaten für seine bekannte Heusuppe im Wald und auf den Wiesen pflücken kann. Wo das Fleisch für seine Gerichte teils vom elterlichen Hof kommt und er als Senner den Käse selbst herstellt. Und wo er bestimmen kann, was er auf die Karte schreibt und was nicht.

Franz Mulser ist ein Original auf der Seiser Alm, der größten Hochalm in Europa. Von seiner Sorte gibt es hier oben noch ein paar. Eine von ihnen ist Helga Rauch. Auch sie bewirtschaftet eine Hütte, die ihren Namen trägt und von den Großeltern aufgebaut wurde. Doch Helga Rauch rennt auch für ihr Leben gern, am liebsten 42,195 Kilometer.

Ihre Marathon-Bestzeit liegt bei 2 Stunden und 53 Minuten. Nicht ganz so schnell ist Hexe Martha. Sie kennt alle Sagen und Mythen, die sich um den Schlern und die Bergwelt der Seiser Alm ranken. Martha Silbernagel erzählt Geschichten von Hexen und Zwergenkönigen, von den Saligen Frauen und anderen, die zur Folklore in Südtirol gehören.

Die Schlern-Hexen kommen noch an derer Stelle zum Zug: in der Kinder-Skischule. Die Hexe Nix ist das Maskottchen auf dem Gelände am Einstieg des Panorama-Lifts. Hier können die Kinder ungestört auf einem Sonnenhang die ersten Kurven drehen. Durch Tunnel geht es da und an verschiedenen Bildern mit den Hexen vorbei. Und selbst ein vergleichsweise steiler Hang ist kein Problem mehr, wenn der Schneepflug sitzt. Die Skilehrer scheinen tiefenentspannt.

Jonas ist mit der vierjährigen Emily unterwegs, die nicht das erste Mal auf den Brettern steht. „Die Sicherheit hat bei uns oberste Priorität”, sagt Jonas. Die Kinder müssten zunächst die Grundlagen lernen, „aber immer kindgerecht”. Dazu gehören auch das Fahren mit dem Teller und die Pistenregeln. Und die erklärt die Hexe Nix in einem kleinen Büchlein, das der Tourismusverband herausgegeben hat.

Genauso wie Jonas arbeitet auch Petra Wörndle seit ihrer Jugend auf den Pisten. „Ich komme von der Seiser Alm, ich habe hier das Skifahren gelernt, und hier bringe ich es unseren Gästen bei”, sagt die junge Frau. Nach verschiedenen Ausflügen in die umliegenden Städte und ins Ausland hat sie sich dazu entschieden, in ihrer Heimat zu bleiben. „Hier will ich nicht weg.”

Zwar ist das Gebiet auf der Seiser Alm kinderfreundlich mit vergleichsweise flachen Pisten, doch es gibt auch schwarze Hänge, den Puflatsch oder die Mezdì-Piste zum Beispiel. Wer sich den ganzen Tag beschäftigen will, geht auf die Sellaronda. Die 26 Kilometer lange Tour umrundet in einem Tag den Sellastock im Herzen der Dolomiten.

Etwa 60 Kilometer Pisten und 23 Seilbahnen hat die Seiser Alm. Wenn im Tal schon der Frühling ausgebrochen ist, lässt es sich auf den Bergen noch gut fahren. „Wir liegen hier in einem Schneeloch”, sagt Skilehrerin Petra. Innerhalb des Verbundes Dolomiti Superski bilden Gröden und die Seiser Alm mit 175 Pistenkilometern die größte Skiregion. Langläufer finden mehr als 80 Kilometer gespurte Loipen, die fast alle als Höhenloipen gelten und doppelt fit halten.

Urlauber, die mit Brettern im Schnee so gar nichts anfangen können, haben noch eine Reihe anderer Möglichkeiten, sich auszutoben: auf mehreren Rodelbahnen, die teils neben den Pisten Richtung Tal führen. Auf dem Pferderücken oder in einer Kutsche im Schnee. Als Paraglider oder Kletterer. Oder einfach still und leise als Schneeschuh- oder Winterwanderer. Zwischen 1700 und 2000 Metern gibt es gute 30 Kilometer Wege. Viele haben ein lohnenswertes Ziel mit kulinarischen Schmankerln aus der Region. So wie die „Gostner Schwaige”.

(dpa)