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Kassel: Zu Fuß auf der Suche nach Erkenntnis

Kassel : Zu Fuß auf der Suche nach Erkenntnis

Pilgern ist in. Spätestens seit Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg” versuchen Jahr für Jahr mehr Menschen, zu Fuß spirituelle Erfahrungen zu machen. Allein der Reiseveranstalter Bayerisches Pilgerbüro verzeichnete im laufenden Jahr 50 Prozent mehr Buchungen.

Das sagt jedenfalls dessen Direktor Bernhard Meyer. Die meisten Pilger sind zwischen 55 und 75 Jahre alt.

500.000 Menschen aus Deutschland seien pro Jahr auf Pilgerwegen unterwegs, schildert Klaus Nagorni, Vorsitzender des Arbeitskreises Freizeit - Erholung - Tourismus der Evangelischen Kirche in Deutschland. „Als Pilger will man etwas Fremdes, Neues erfahren, man will dem Heiligen begegnen”, umschreibt er die Motive des neuen Trends.

Doch sind die Pilger keineswegs nur unter treuen Kirchgängern zu finden. Auch Menschen, die der Kirche eher fern oder neutral gegenüberstehen, schnallen sich die Pilgerschuhe um. „Pilgern ist ein Gegenentwurf zur verplanten Alltagswelt”, beschreibt Nagorni die allgemeine Faszination des Aufbruchs. Ziel sei es, als ein anderer wieder zu kommen als der, der man beim Aufbruch war.

Sogar das Deutsche Museum in München interessiert sich für die Thematik. Schon seit zwei Jahren gebe es die Überlegung, eine Sonderausstellung zum Thema Pilgern zu erstellen, gab jüngst Sylvia Hladky, Direktorin des Verkehrszentrums des Museums, auf einer in München bekannt.

2008 oder 2009 könnte eine solche als Wanderausstellung konzipierte Schau fertig sein - vorausgesetzt, es finden sich Geldgeber für die rund 400.000 Euro, die die Entwicklung kosten werde. Auf 350 Quadratmetern, so der Plan, könnten dann Geschichte und Gegenwart des Pilgerns illustriert werden.

„Pilgerfahrten zählen zu den ersten Formen des Reisens”, begründet Hladky das Interesse des Museums an dem Thema. In fast allen Religionen würden Wanderschaften zu bestimmten Zielen praktiziert. Eine Ausstellung könnte daher auch auf Gemeinsamkeiten des Pilgertums eingehen und einen interreligiösen Dialog fördern.

Dass die derzeitige Pilgerbewegung vorwiegend aus Laienkreisen kommt, zeigt exemplarisch auch eine interessante Entwicklung im noch jungen Nationalpark Kellerwald in Hessen. Hier wird am 3. Dezember in der Nähe des Ortes Frankenau eine neu errichtete Kapelle eingeweiht. Ihr Bau wurde auf Initiative eines eigens dafür gegründeten Vereins betrieben, die Finanzierung erfolgte über EU-Mittel, Landesmittel und Spenden. Die evangelische Kirche war lediglich mit 5000 Euro an den Kosten beteiligt, die sich auf rund 200.000 Euro summieren.

Der auf einer Lichtung inmitten des Parks liegende Ort strahle seit jeher eine besondere Aura aus, sagt Frankenaus Bürgermeister Reinhard Kubat, der den Bau maßgeblich vorangetrieben hat. Bis um das Jahr 1520 habe auf der so genannten Quernsthöhe eine Wallfahrtskirche gestanden, ansatzweise seien noch die Fundamente zu erkennen.

„Die Kapelle ist nichts Künstliches. An dieser Stelle wird eine alte Tradition wiederbelebt, die lange geschlummert hat”, ergänzt der Frankenauer evangelische Pfarrer Harald Wahl. „Die alte Wallfahrtstradition wird nun in evangelischer Form wiederbelebt.”