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Greifswald: Wels und Wildkräuter - Ein kulinarischer Streifzug durch Vorpommern

Greifswald : Wels und Wildkräuter - Ein kulinarischer Streifzug durch Vorpommern

Die vorpommersche Küche gilt als schnörkellos. Doch längst steht nicht mehr nur traditionelle Hausmannskost auf der Speisekarte. Ein Streifzug durch Deutschlands Nordosten ist deshalb auch eine kulinarische Entdeckungsreise.

Vorpommern steht nicht in dem Ruf, ein Topziel für Gourmetreisen zu sein. Doch in den vergangenen Jahren hat sich viel getan. Heute kann der Gast manche kulinarische Überraschung erleben. Speisen werden nach ursprünglichen Rezepten mit regionalen Produkten und vor allem Kräutern zubereitet, Wildkräuter erleben eine Renaissance. Auf den Tellern sind wieder Hirtentäschel, Giersch oder Malve zu finden. Und so wird der Urlaub in Vorpommern zur kulinarischen Entdeckungsreise.

Dies ist auch ein Verdienst von „Essbare Landschaften” in dem abseits gelegenen Dorf Süderholz bei Grimmen. Seit 2000 kultivieren der Schwarzwälder Gastronomensohn Ralf Hiener und der Gartenbauingenieur Olaf Schnelle auf zwei Hektar Anbaufläche ein europaweit einzigartiges Sortiment an Wild- und Gewürzkräutern. Dass Wildkräuter in der modernen Küche einen festen Platz haben, zeigen auch die Speisekarten guter Restaurants in Vorpommern: Bis zu zehn verschiedene Wildkräuter gibt es zum Beispiel in marinierten Salaten. Im Herbst gehören dazu Taubnessel, Malve, Melde, Vogelniere, Leimkraut und Gelbsenf.

Kräuter sind auch die Geschäftsbasis für die gebürtige Hamburgerin Christiane Wilkening im Lassaner Winkel zwischen Peene-Mündung und der Insel Usedom. Als kleinste Stadt Mecklenburg-Vorpommerns mit rund 1400 Einwohnern ist Lassan ein typisches Städtchen für die pommersche Provinz. Seit neun Jahren leitet Wilkening im 70-Seelen-Ortsteil Pulow die Genossenschaft Kräutergarten Pommerland, die auf Teekräuter aus biologischem Anbau spezialisiert ist. „Acht bis neun Tonnen Kräuter verarbeiten wir jährlich zu Tee - vorwiegend großblättrige und sorgfältig getrocknete Blätter, nur so bleibt das volle Aroma erhalten”, erzählt sie. Mit wohlklingenden Namen wie Drachenglut, Venusmond oder Elfentraum hat sich der Kräutergarten deutschlandweit einen Namen gemacht.

Mehr über längst vergessene Kräuter lässt sich im Duft- und Tastgarten im benachbarten Papendorf erfahren. Er beherbergt mehr als 200 heimische Heil- und Duftpflanzen. Frauenbeet und Giftpflanzenbeet erinnern an die grüne Apotheke vor der Haustür. Aber auch eingebürgerte Kräuter wie der Ananassalbei, Bronzefenchel oder Zitronenthymian verbreiten ihre Düfte. Weil die Namen der Pflanzen auch in Brailleschrift auf den Schildern stehen, wird der Garten von Sehbehinderten und Blinden gern besucht.

„Jedes Jahr im Frühjahr starten wir mit den Wildkräuter-Wanderungen am Peenestrom”, erzählt Kräuterexpertin Simone Schaefer vom Verein Mirabell. „Dort spüren wir die Standorte von Kräutern und wilden Pflanzen auf und erfahren, was sie für uns Menschen heilsam macht.” Wie daraus leckere Gerichte gezaubert werden, lernen die Gäste auf Wochenend-Kochkursen in der Ackerbürgerei Lassan.

Viele Urlauber zieht es zum Wasserwandern ins nahe Peenetal. Europas größtes zusammenhängendes Niedermoorgebiet entstand während der letzten Eiszeit. Die 142 Kilometer lange Peene hat ein Gefälle von gerade mal 30 Zentimetern. Typisch sind Überflutungsmoore und Bruchwälder, Rückzugsgebiete für Seeadler, Eisvogel, Fischotter und Biber.

An der Wasserwanderstrecke zwischen Jarmen und Anklam liegt das Gourmet-Restaurant „Gutshaus Stolpe”. Für die Drei- bis Sechs-Gänge-Menüs - mit leckeren Kräutern - hat das Gourmet-Restaurant einen Michelin-Stern erhalten. Zu den Spezialitäten gehört auch Wild aus der Region. Pommerschen Rehrücken gibt es im Brotteig gegart mit Karotten-Ingwer-Mousseline und Wild-Pfeffer-Sauce.

Sieben Kilometer von Stolpe entfernt liegt der Gutshof Liepen. Nach der Wende lag er jahrelang brach. Heute steht das ehemalige Stallgebäude unter Denkmalschutz und beherbergt ein Hotel und Restaurant. „Getreu dem Motto regional mal anders bieten wir ein wechselndes Angebot aus regionalen und saisonalen Produkten”, erklärt Stefan Wollert, Vize-Geschäftsführer des Hotel-Restaurants „Peenetal”. Auf der herbstlichen Speisekarte stehen Schwarzbierragout vom Pommerschen Wild, Steinpilze mit Kartoffelklößen oder Welsfilet. Künftig soll der Wels fangfrisch auf den Tisch kommen.

Fisch ist auch Trumpf im landschaftlich reizvollen Süden von Rügen, im Fischerdorf Puddemin. Auf dem Radfernweg Hamburg-Rügen über Sand- und Schotterwege und eine Plattenstraße aus DDR-Zeiten gelangt man zum beschaulich gelegenen Hafen. Dort schwört der Küchenchef des Restaurants „Luv”, Torsten Plötz, auf regionale Küche. Fast alle Zutaten stammen von der Insel. Neben etlichen Rauchfischen stehen Hering und Ostseedorsch auf der Speisekarte. Dorschbratwürstchen gibt es genauso wie souffliertes Doschfilet auf Sprossencouscous oder Dorschragout mit Bandnudeln und Zucchinistreifen.

Auf dem Ostseeküsten-Radweg geht es über die Ostküste Rügens zur Halbinsel Jasmund im Nordwesten von Rügen. Landschaftlicher Höhepunkt ist das Waldgebiet Stubnitz, das im Osten durch die Kreideküste begrenzt wird. Vom berühmten Königsstuhl führt der vier Kilometer lange Hochuferwanderweg nach Lohme. Direkt an der Abbruchkante der Steilküste steht das „Panorama Hotel”. Das Restaurant mit Wintergarten und Terrasse ermöglich eine traumhafte Aussicht auf die Ostsee und bis zur Halbinsel von Kap Arkona.

Seit der Wende lenkt Hotelier Matthias Ogilvie die Geschicke des Hauses, auch er setzt auf regionale Esskultur. Fangfrisch schmeckt der knusprig gebratene Ostseehering auf Rosmarin. Sei es Lohmer Fischsuppe, Matjesfilet auf Rügener Art oder Lammbratwurst und Kesselgulasch vom Rind - alle Zutaten werden von der Insel bezogen. Ab und zu führt der Hotelier seine Gäste auf einem versteckten Pfad die Steilküste entlang bis zum biologisch bewirtschafteten Hofgut Bisdamitz. Für Wanderer und Radfahrer ist das Hof-Restaurant eine willkommene Gelegenheit zum Ausruhen und Auftanken.

Informationen

Fremdenverkehrsverband Vorpommern, Fischstraße 11 17489 Greifswald (Tel.: 03834/891189, E-Mail info@vorpommern.de).