Schengen: „Tischlein deck dich” im Weinberg: Auf Europas Spuren in Schengen

Schengen: „Tischlein deck dich” im Weinberg: Auf Europas Spuren in Schengen

Oberhalb von Schengen säumen steile Weinberge die Mosel. Hier am „Dreiländerblick” laufen die Grenzen von Deutschland, Frankreich und Luxemburg ineinander. Vor 25 Jahren - ganz genau am 14. Juni 1985 - schrieb das kleine Luxemburger Winzerdorf große europäische Geschichte.

Vetreter von Deutschland, Frankreich und den drei Benelux-Ländern unterzeichneten auf dem Ausflugsdampfer „Princesse Marie-Astrid” das Schengener Abkommen. Der Vertrag stellte die Weichen zum schrittweisen Wegfall der Grenzkontrollen in Europa.

Inzwischen sind 28 Länder dem Abkommen beigetreten. Sie bilden den sogenannten Schengen-Raum, ein Gebiet zwischen dem Nordkap und Südspanien, einschließlich der Kanarischen Inseln, Madeira, den Azoren und Malta. Besonders Touristen schätzen die Reisefreiheit ohne lästige Grenzkontrollen. „Damals war uns die Bedeutung dieser Unterschriften nicht so bewusst”, erinnert sich heute Schengens Bürgermeister Roger Weber.

Zum Schengen-Jubiläum im Juni putzt sich der Weinort mit seinen 540 Einwohnern heraus. Die neue Promenade am Moselufer mit Platanen und alten Weiden lädt ein zum Flanieren und zu Ausblicken über die Mosel ins benachbarte Perl im Saarland. Gestaltet wurde die Grünanlage von dem Architekten François Valentiny, der aus Schengens Nachbarort Remerschen stammt. Das Château de Schengen, unlängst noch Altenheim eines Schwesternordens, verwandelt sich gerade in ein kleines, feines Schlosshotel.

In dem ebenfalls von François Valentiny entworfenen neuen Informationszentrum in Schengen öffnet am 13. Juni das neue Europamuseum seine Tore. Die Sammlung umfasst Dokumente des Schengen-Abkommens sowie Exponate zum Zollwesen und zur Region.

55 Fotografien im Großformat sind noch bis zum 15. September an Häuserwänden und Gartenmauern des Örtchens installiert. Unter dem Motto „Ein europäisches Winzerdorf und seine Einwohner” - auf Luxemburgisch „En europäescht Wënzerduerf a seng Awunner” - dokumentieren die Schwarz-Weiß-Bilder des Hobbyfotografen Marc Schoentgen Alltag, Leben und Arbeiten der Schengener.

Das neue Europamuseum und Schoentgens Freiluftfotoschau sind nur zwei Mosaiksteine der europäisch geprägten Feierlichkeiten, mit denen am 17. und 18. Juli 2010 an das Jubiläum erinnert werden soll. An der Obermosel in Schengen und in den Nachbarorten Remerschen, Perl, Sierck-les-Bains, Kirsch-lès-Sierck, Manderen und Apach im Dreiländereck werden dann zigtausende Besucher erwartet.

An dem Wochenende gibt es beispielsweise eine Volkswanderung über die drei Grenzen, Drachenbootrennen auf der Mosel, Starts von Heißluftballons, Oldtimerfahrten und einen kulinarischen Marktplatz mit Leckereien aus Deutschland, Frankreich und Luxemburg. In Perl entsteht ein römisches Dorf. Es soll an das zweite Jahrhundert erinnern, als die Römer die Region an Mosel und Saar besiedelten.

Lohnenswert ist der Wochenendtrip an die Luxemburger Obermosel auch außerhalb der Festivitäten - besonders für Fahrradtouristen. An elf Stationen entlang der 42 Kilometer langen Weinstraße (Wäistrooss) zwischen Schengen und Wasserbillig können neuerdings Drahtesel ausgeliehen werden. Die allerbesten Aussichten haben Radler aber auf der ausgeschilderten Route entlang des deutschen Moselufers zwischen Perl und Wellen.

Weinproben in den Genossenschaftskellereien oder bei den Privatwinzern des Luxemburger Weinlandes runden den Kurzurlaub ab: Rivaner, Riesling, Pinot Blanc, Pinot Gris, Pinot Noir, Gewürztraminer, Chardonnay, Elbling und der regionaltypische Weißwein Auxerrois funkeln goldgelb oder tiefrot in den Gläsern. Als besondere Schaumwein-Spezialität gilt der fein perlende Crémant de Luxembourg, den 50 Winzer nach traditioneller Flaschengärungsmethode herstellen.

Der Perler Winzer Thomas Schmitt lädt im Sommer zu einer „Kulinarischen Dreiländerwanderung” ein (Termine am 12. Juni und 3. Juli): Von Perl geht es hinüber in das französische Dörflein Belmach und über Contz nach Schengen. Unterwegs werden zum Beispiel Ziegenkäse, Schinkentorte oder Moselfische und die passenden Weine dazu serviert - „Tischlein deck dich” im Weinberg.

Auch kleine Museen der Region wie die Folklore- und Spielzeugsammlung „A Possen” im Dorf Bech-Kleinmacher lohnen einen Besuch. Das nahe Schloss Malbrouck in Lothringen zeigt noch bis zum 29. August 130 Werke der Künstlerin Niki de Saint Phalle.

Anreise: Mit dem Auto über die Autobahn A1/A48 Koblenz-Trier und A602/A64 Trier-Luxemburg (Abfahrten Wasserbillig oder Grevenmacher) sowie über die A8 Saarbrücken-Luxemburg (Abfahrt Schengen). Züge fahren über Trier bis Wasserbillig. Auf deutscher Moselseite führt eine Bahnstrecke über Trier und Konz nach Perl.

Unterkunft: Von Juli bis September ist in den kleinen Weinorten Luxemburgs Hochsaison. Für diese Zeit sollte man sich frühzeitig um eine Unterkunft bemühen.