Thomas-Cook-Insolvenz: Was Reisende jetzt wissen müssen

Thomas-Cook-Insolvenz : Was Reisende jetzt wissen müssen

Möglicherweise müssen nach der Cook-Insolvenz etliche Touristen früher ihre Koffer packen als geplant. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

 Vor vier Wochen erklärte Thomas Cook in Deutschland noch schriftlich, Kunden könnten „ihren Urlaub und Flüge mit Zuversicht buchen“. Am Montag dieser Woche kam die kalte Dusche: Nachdem der britische Mutterkonzern Insolvenz erklärt hatte, sagte auch der deutsche Ableger alle Flüge ab Deutschland inklusive Dienstag ab. Man sähe sich gezwungen, „auf Notgeschäftsführung umzustellen“, eine Insolvenz auch in Deutschland sei möglich. Und als Vorsichtsmaßnahme durfte kein Reisender seinen Flug antreten – rund 21.000 Urlauber konnten nicht starten. Und was machen die jetzt? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wie viele Touristen sind betroffen?

Weltweit sind rund 600.000 Urlauber kurzfristig betroffen, weil sie sich auf Reisen mit Thomas Cook befinden, sehr viel mehr Menschen haben wohl eine Reise für die nächsten Monate gebucht. In Deutschland gehören Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen zu den betroffenen Unternehmen. Sie alle nehmen keine neuen Buchungen an.

Sollten Urlauber selber einen Flug buchen, wenn ihnen die Mitnahme verwehrt wird?

Auf Anfrage hin rät Thomas Cook davon ab, ein Ersatzticket zu buchen, um dann doch im reservierten Hotel zu erscheinen: „Es kann passieren, dass das Haus Sie ablehnt, weil unklar ist, woher es sein Geld bekommt.“ Branchen-Insider sagen, dass Thomas Cook viele Hotels noch nicht bezahlt hat.

Was bedeutet die Situation für Reisende, die zurzeit mit Thomas Cook im Urlaub sind?

Wer mit dem insolventen Reiseveranstalter bereits in den Urlaub gestartet ist, muss jetzt möglicherweise seine Koffer packen – und zwar auch, wenn der Urlaub eigentlich noch einige Tage dauern sollte. „Die Reise ist jetzt eigentlich vorbei“, erklärte Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Der Grund: „In dem Moment, in dem der Hotelier kein Geld mehr von dem Leistungserbringer, also Thomas Cook, bekommt, wird er auch die Leute nicht mehr beherbergen und verpflegen wollen.“ In jedem Fall sollten Betroffene jetzt klären, wie es für sie weitergeht.

An wen sollten sich Betroffene wenden?

Wer im Urlaub ist, sollte sich erst einmal an seine Reiseleitung wenden. „Die gibt es ja immer noch“, sagt Degott. „Da gibt es vielleicht schon Vorgaben, wie man die Reise jetzt zu Ende bringt.“ Nicht ratsam sei es, auf eigene Faust eine Ersatzunterkunft oder einen Rückflug zu buchen. Möglicherweise bekomme man diese Kosten nicht erstattet. Im Falle einer Insolvenz auch der deutschen Töchter, greife zunächst die Insolvenzversicherung. Diese sei dann für die weiteren Schritte der Ansprechpartner. „Jeder, der eine Reise bucht, bekommt eine Reisebestätigung“, erklärte Degott. „Auf der Reisebestätigung ist ein Sicherungsschein, der gesetzlich vorgeschrieben ist und auf dem Sicherungsschein steht die Insolvenzversicherung des jeweiligen Veranstalters.“ Robert Kubach, Rechtsanwalt der Düsseldorfer Kanzlei Schumacher und Partner, sagt, Urlauber können sich etwa die Kosten für den Rückflug von der Versicherung zurückholen.

Welche Kosten übernimmt die Versicherung?

Über den Reisesicherungsschein können Touristen bei der entsprechenden Versicherung die Kosten der Heimkehr zurückbekommen. Anwalt Kubach rät dazu, sämtliche Belege von Taxifahrten, Hotels, aber auch für Verpflegung zu sammeln. Bis zu einem gewissen Grad würden Versicherungen auch Verpflegungskosten ersetzen, so Kubach. Sollte der Rückflug erst später möglich sein als ursprünglich gebucht, sollten sich die Urlauber einen entsprechenden Nachweis bei der Fluggesellschaft oder vom Flughafen geben lassen.

Was ist, wenn mein Urlaub erst in ein paar Tagen startet?

Auch hier gilt: Erstmal auf den Veranstalter zugehen, entweder direkt oder über das Reisebüro, in dem gebucht wurde. Betroffene sollten konkret fragen, ob die Reise wie geplant stattfinden könne oder es eventuell eine Erstattung der Reisekosten gebe. Robert Kubach warnt aber davor, eine Reise übereilt zu stornieren. Möglicher weise werden dann Stornierungskosten fällig.

Gibt es Anspruch auf Schadenersatz?

Das ist unter Experten umstritten. Urlaubern, die ihre Reise am heutigen Montag oder am Dienstag nicht antreten können, steht Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden zu, erklärte Reiserechtlerin Sabine Fischer-Volk aus Berlin. Nach Ansicht von Paul Degott gibt es aber nicht automatisch Schadenersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit. „Ich glaube, das ist an dieser Stelle nicht vorgesehen.“ Entstandene Zusatzkosten könnten allerdings seiner Ansicht nach möglicherweise bei der zuständigen Insolvenzversicherung geltend gemacht werden.

(dpa)
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