Johannesburg: Südafrika-Tourismus im Aufwind, aber nur wenige Fans dabei

Johannesburg: Südafrika-Tourismus im Aufwind, aber nur wenige Fans dabei

Eine knappe halbe Million WM-Fans aus dem Ausland - das waren die einst vollmundig verkündeten Erwartungen der WM-Organisatoren in Südafrika. Doch kurz vor dem Anpfiff von Afrikas erster WM erlebten die hochfliegenden Hoffnungen auf einen Ansturm der Fans aus aller Welt einen jähen Dämpfer.

„Wir sind bei weit mehr als 100.000 Fans, vielleicht bei 200.000”, musste im April WM- Organisationschef Danny Jordaan zugeben. „Ich denke, wir werden auf 300.000 kommen”. Ursprünglich hatte Südafrika auf 450 000 Besucher spekuliert, dann war diese Zahl auf 350.000 reduziert worden.

Der zuvor stets optimistisch gestimmte Jordaan verwies auf die „neuen Realitäten” in der Welt, den Zusammenbruch von Banken und die Wirtschaftskrise, die auch die wichtigsten Länder für den Fußball- Tourismus, Deutschland und Großbritannien, getroffen hätten.

Im Krüger-Nationalpark, nahe dem Austragungsort Nelspruit gelegen, gingen gerade mal 50 statt erhoffter Tausender WM-Buchungen ein. Die vom FIFA-Ableger Match gehaltenen Reservierungen wurden daher im März freigegeben. Katerstimmung angesichts sinkender Buchungszahlen gab es auch bei Ausstellern auf der Afrika-Reisemesse Indaba.

Dennoch liegt Südafrikas Tourismus unbeirrt seit Jahren im Aufwind - auch vergangenes Jahr, als fast überall die Besucherzahlen schrumpften. Das Land erwartet im WM-Jahr mehr als 10 Millionen Besucher - ein Wert, den es mit 9,9 Millionen Urlaubern 2009 nur ganz knapp verfehlte.

„Unsere Tourismusindustrie hat sich 2009 über alle Welttrends hinweggesetzt - wir haben bei den Ankünften ausländischer Besucher ein 3,6 prozentiges Wachstum erlebt”, brüstete sich Tourismusminister Marthinus van Schalkwyk im April im Parlament.

Den direkten und indirekten Beitrag zur Volkswirtschaft taxierte er auf knapp 200 Milliarden Rand - umgerechnet 20 Milliarden Euro: „Das stellt einen Beitrag von 7,4 Prozent zum Brutto-Inlandsprodukt dar.” Auch Nachbarländer wie Mosambik oder gar Simbabwe machten sich Hoffnungen auf Impulse durch die WM, polierten Attraktionen und Hotels oder vereinfachten die Visa-Bestimmungen.

Simbabwes Tourismusminister Walter Mzembi träumte früher davon, rund 30 Prozent der WM-Fans ins eigene Land locken zu können. Er wusste auch schon, warum die erhofften WM-Fanscharen ausbleiben. „Hätte es eine größere Werbetour in Afrika gegeben, hätten wir die Zahl von 450 000 Besuchern überschritten!”, sagte er.

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