1. Leben
  2. Reisen

Passau: Passau: Die Dreiflüssestadt ist ein Touristenmagnet

Passau : Passau: Die Dreiflüssestadt ist ein Touristenmagnet

Die Schiffe am Kai der Donaupromenade in Passau tragen Namen wie „Bellissima” oder „Primadonna”. Sie fahren nach Wien, Budapest und sogar bis ins Donaudelta am Schwarzen Meer. Einige von ihnen steuern auch Koblenz und Düsseldorf an. Etwa 214.000 Passagiere zählten die Behörden im vergangenen Jahr.

„Passau ist weltweit ein Begriff”, sagt Oberbürgermeister Jürgen Dupper nicht ohne Stolz, „hier checken mehr Passagiere ein als in vielen deutschen Hochseehäfen.”

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde die Donau wieder als große europäische Wasserstraße attraktiv. Passau im Südosten Bayerns an der Grenze zu Österreich hat davon profitiert. „1992 machten Kreuzfahrtschiffe 181 Mal fest, im vergangenen Jahr schon 1751 Mal”, sagt Stadtsprecherin Susanne Gabriel. „Für dieses Jahr sind mehr als 1900 Anlegungen gemeldet.”

Ungeachtet der Touristenströme blieb in der Altstadt die Atmosphäre erhalten. Reisende loben das südländisch anmutende Flair. Man merkt, dass hier italienische Baumeister am Werk waren. Im Zentrum erhebt sich am höchsten Punkt der Stephansdom mit seinen Zwiebeltürmen. Er wurde zwischen 1668 und 1693 erbaut. Zu der Zeit war Passau ein bedeutendes unabhängiges Fürstbistum - bis die Säkularisation 1803 die Geistlichkeit entmachtete und die Stadt zu Bayern kam.

Für Passau braucht der Besucher etwas Zeit. Viele versäumen die Gelegenheit zu einer ausführlicheren Besichtigung. „Es sind Gäste, die nach der Anreise direkt aufs Schiff gehen und anschließend sofort wieder abreisen”, sagt Gabriel. „Im Durchschnitt übernachtet ein Kreuzfahrtgast eine Nacht in Passau.”

Das belgische Ehepaar Louise und Bernard Mercier allerdings will drei Tage bleiben, ehe das Schiff zur gut zweiwöchigen Fahrt ins Donaudelta ablegt. Dem Mann hat es besonders der Dom angetan: „Die Orgel hat 17 774 Pfeifen und 233 Register, sie ist die größte katholische Kirchenorgel überhaupt”, schwärmt er. Die größte Pfeife sei mehr als elf Meter hoch, die kleinste messe gerade sechs Millimeter. Man kann sie vom 2. Mai bis 31. Oktober werktags um 12.00 Uhr und an Donnerstagen um 19.30 Uhr hören. Die Kreuzfahrtschiffe laufen Passau allerdings schon im März an und fahren ihre Touren bis Ende Dezember. „Touristische Hochsaison ist aber von Mai bis September”, erläutert Gabriel.

Wie ein Schiffsbug streckt sich Passau mit seiner Ortsspitze in den Zusammenfluss von Donau, Ilz und Inn. In den engen, zum Teil steilen mittelalterlich anmutenden Gassen trifft man nur wenige Spaziergänger, ebenso am Ufer des Inn. Schönes Wetter lässt die Gefahren vergessen, die der Dreiflüssestadt von den Wassermassen immer wieder drohen. An einer Wand des mittelalterlichen Rathauses ist angezeichnet, welche Maximalhöhen der Flusspegel bisher erreichte. Das letzte schwere Hochwasser im Jahr 2002 überflutete weite Teile der Altstadt.

Passau mit seinen heute etwa 50 000 Einwohnern kann auf eine lange Geschichte verweisen. Keltischer Donauhafen, römisches Kastell bis 476, bajuwarische Herzogsburg, seit 730 Bischofssitz und Ausgangspunkt der Missionierung Österreichs, 1225 mit Stadtrechten versehen - das sind die wichtigsten Stationen. Die Fürstbischöfe ließen sich außer ihrem prächtigen Dom ein Palais und ein Opernhaus im frühklassizistischen Stil errichten, das heute als Stadttheater dient.

Die schönste Aussicht auf Passau bietet die Veste Oberhaus hoch über dem linken Donauufer, der einstige fürstbischöfliche Sitz. Mit etwas Kondition geht es einen Treppenweg hinauf, bequemer ist es mit „Wolfi”, der Stadtrundfahrt mit etlichen Zu- und Aussteigemöglichkeiten. In der Burg ist ein Stadtmuseum eingerichtet. Wer sich für sakrale Kunst interessiert, müsse unbedingt den Domschatz mit seinen kostbaren liturgischen Gewändern und gotischen Tafelbildern besuchen, empfiehlt Bernard Mercier.

Im eher konservativen Passau begann die Karriere einiger bekannter Kabarettisten: Bruno Jonas, Ottfried Fischer und andere traten im „Scharfrichterhaus” auf, einer Kleinkunstbühne in einem einst dem Henker dienenden mittelalterlichen Gebäude. Hape Kerkeling bekam hier 1983 einen Nachwuchspreis. Nicht nur Studenten der Universität schätzen die verbalen Spitzen der Künstler gegen Politik und Gesellschaft.

Als Oase zum Entspannen und Speisen bietet sich unter anderem die „Heilig-Geist-Stift-Schenke” im Zentrum an. Attraktion ist der von Wein überwucherte geräumige Wirtsgarten. „Saures Lüngerl müssen Sie probieren”, rät Bedienung Ludmyla aus der Ukraine, die ihren bayerischen Kolleginnen hilft, im wichtigsten Kreuzfahrthafen an der Donau die Touristenmassen zu bedienen. „Die Gäste sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor”, sagt Susanne Gabriel. Für Nachschub ist gesorgt. Die dicht nebeneinander liegenden Schiffe am Kai beweisen es.

Informationen: Passau Tourismus, Rathausplatz 3, 94032 Passau, Tel.: 0851/95 59 80, E-Mail: tourist-info@passau.de.