Kassel: Nicht mehr als fünf Kilo: Mit kleinem Gepäck auf Wanderschaft

Kassel: Nicht mehr als fünf Kilo: Mit kleinem Gepäck auf Wanderschaft

Wenn der Frühling beginnt, zieht es viele wieder hinaus in die Natur. Doch egal, ob es sich um eine Tages- oder Mehrtageswanderung handelt, ganz ohne Last wird niemand losziehen. Zumindest Verpflegung, Regenjacke und Sonnencreme befinden sich im Wanderrucksack. Ist man länger unterwegs, kommen beispielsweise noch die Zahnbürste oder Kleidung zum Wechseln hinzu.

Aber man sollte darauf achten, dass es nicht zu viel wird, rät Ingo Seifert-Rösing vom Deutschen Wanderverband in Kassel: „Beim Packen lautet die wichtigste Devise weniger ist mehr.” Denn ein zu schwerer Rucksack kann einem die Freude an der Wandertour gründlich verderben. Was man anfangs noch als tragbar empfunden hat, kann schon bald Schulter- und Rückenschmerzen hervorrufen.

Diese Gefahr besteht vor allem bei Mehrtagestouren. Aber auch, wer lediglich einen Tag wandert, sollte nur das Nötigste einpacken: „Bei einer Tagestour ist es ratsam, nicht mehr als fünf Kilogramm, besser jedoch drei oder vier Kilogramm auf dem Rücken zu tragen”, sagt Seifert-Rösing. Und die hat man mit Getränken, Obst und Brot, Regenjacke, Taschenmesser, Kamera und Sonnencreme schnell erreicht. Vor dem Einpacken sollte man sich deshalb bei jedem Teil fragen, ob man es wirklich braucht.

Das bekommt bei Mehrtagestouren noch größere Bedeutung. Denn sofern man nicht das Angebot „Wandern ohne Gepäck” in Anspruch nimmt, muss man den Rucksack über mehrere Tage tragen können, ohne darunter zu leiden. „Ein gutes Vorbild sind Profis wie Wanderführer, denn die haben nur das wirklich Notwendige dabei”, weiß Seifert-Rösing. Und das sei oft erstaunlich wenig.

Die meisten Menschen neigten jedoch dazu, lieber etwas mehr als zu wenig mitzunehmen. Und so wird vorsichtshalber noch ein Extra-T-Shirt oder eine Extra-Hose eingepackt, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Was bei einem Urlaub aus dem Koffer kein Problem ist, wird beim Wandern eines. Denn all die kleinen Extras steigern das Gewicht mehr, als man denkt. Der Experte nennt eine Faustregel: „Bei einer langen Wanderung über mehrere Tage oder einer Trekkingtour sollte das Gewicht des Rucksacks nicht mehr als rund 15 Prozent des Körpergewichts betragen.”

Doch nicht nur das Gewicht, auch der Rucksack selbst trägt dazu bei, dass man die Lust am Wandern nicht verliert. Nur wenn es sich um eine Tagestour handelt, muss man dem nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Dann zählt vor allem die Vorliebe des Trägers. „Besonders ältere Wanderer ziehen noch mit den alten Rucksäcken aus Baumwolle oder Jute los”, sagt Seifert-Rösing. Es muss also nicht zwingend das teure High-Tech-Modell sein.

Grundsätzlich führt der Einsatz von Rucksäcken aber zu einem durchgeschwitzten Rücken. Die gebogenen Tragesysteme vieler aktueller Wanderrucksäcke schaffen hier Abhilfe - allerdings nur begrenzt: Durch die Halbmondform ist die Belüftung des Rückens um bis zu 25 Prozent besser als bei solchen mit geradem Rückenteil. „Hat man Baumwollkleidung an, wird der Rücken jedoch trotzdem ziemlich nass”, schränkt der Wanderexperte ein. Außerdem müsse man bedenken, dass diese Rucksäcke ziemlich sperrig und unflexibel seien.

Für längere Touren oder häufigen Einsatz mit höherem Gewicht sind eingebaute Tragesysteme empfehlenswert, die das Gewicht des Gepäcks auf die Hüfte verlagern. Hierzu muss aber der Rucksack von seiner Länge und seiner Passform her gut zum Träger passen. Deshalb sollte man diese Rucksäcke nicht ohne Beratung kaufen und die Träger gleich im Geschäft auf die individuelle Körpergröße anpassen lassen.

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