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Schleiden: Naturgucken lernen - Nationalpark-Ausstellung öffnet

Schleiden : Naturgucken lernen - Nationalpark-Ausstellung öffnet

Schon mal einem Grünrüssler über den Panzer gestreichelt? Oder einer Laubholz-Säbelschrecke mit der Hand über die langen filigranen Fühler gefahren? In der Natur kann man so kleine Insekten wie diese leicht übersehen, geschweige anfassen. Aber in der Ausstellung des Nationalparks Eifel, die am Sonntag im neuen Ausstellungszentrum Vogelsang eröffnet wird, stehen sie gleich im Eingangsbereich in XXXL-Größe und aus Kunststoff.

Die beiden Insekten, die im Nationalpark in den Kronen des geschützten Buchenwaldes leben, sind nicht gerade die Sympathieträger wie Wildkatze oder Schwarzstorch. Aber diese großen spektakulären Hingucker sind ja auch nur zwei von 8 700 Tier- und Pflanzenarten, die bisher in dem 110 Quadratkilometer großen Gebiet nachgewiesen wurden. „Die Vielfalt besteht aus Kleinlebewesen”, erklärt Kerstin Oerter vom Nationalpark.

Manche kann man sich in der Ausstellung - tot - unter der Lupe ansehen: Die kleine Quellschnecke etwa, die sich als Lebewesen mit einem bildschön geformten Schneckenhäuschen entpuppt. Und wenn die Biologin Oerter sagt: „Diese Tiere sind wirklich schön”, dann meint sie auch die etwas dickere geränderte Jagdspinne.

Die Ausstellung soll einen natürlichen Eindruck entstehen lassen: Beeindruckende Panorama-Aufnahmen von lichtdurchfluteten Buchenblättern, ein Konzert der Vögel, der röhrende Hirsch, den es auch noch als lebensgroßes Präparat gibt. Blickfang ist die kapitale, über eine Tonne schwere echte Wurzel einer uralten Buche. Aber warum das Ganze, wenn man es doch vor der Tür in natura haben kann? Das Ausstellungszentrum liegt schließlich mitten im Nationalpark Eifel.

„Für Viele ist die Natur zur Kulisse geworden - fürs Laufen, Fahrradfahren, Skifahren”, sagt Oerter. Innehalten und die Natur beobachten sei vielen Menschen fremd geworden. Die Ausstellung soll die Besucher motivieren, die Natur mit allen Sinnen zu erfahren: Gucken, riechen, tasten. Auch mal einen präparierten Biber anfassen, dem die Ausstellungsmacher einen Bau gebaut haben, in den man reingucken kann. Der Blick zeigt, warum die Tiere als wahre Baumeister gelten.

Besucher können an Töpfchen beispielsweise mit leichtem Rosenduft riechen und die Biene bewundern, die sogar erfasst, aus welcher Richtung ein Duft kommt und sich auch noch die Position merkt.

In den „Wildnis(t)räumen” geht es um den Kreislauf der Natur, um grundverschiedene Überlebensstrategien am Beispiel von Maus und Bär - der natürlich nicht im Nationalpark lebt - und um den Wandel des Schutzgebietes hin zum wilden, vom Menschen unbeeinflussten Buchenwald.

Das Umweltministerium kündigt weiteres Engagement auf dem Areal der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang an. Der geplante Natur-Erlebnis-Treff für junge Menschen und die Nationalparkverwaltung sollen auf das Areal ziehen. Dazu werde das „Redoute-Gebäude”, das ehemalige „Haus der weiblichen Angestellten”, auf dem Areal der frühen Ordensburg Vogelsang erweitert.

(dpa)