Hannover/Auckland: Mehr TV-Geld: Rugby-Topteams spielen am Wochenende

Hannover/Auckland: Mehr TV-Geld: Rugby-Topteams spielen am Wochenende

Die Knüller-Partien gibt es wegen der besseren TV-Quoten nur am Wochenende, die Top-Teams haben längere Pausen und die Kleinen sind die Lückenbüßer - der Zeitplan der Rugby-WM in Neuseeland ist umstritten.

Am Dienstag waren 31 der 48 WM-Partien absolviert, Halbzeit ist aber erst am Freitag. Das Mammut-Turnier mit dem Finale am 23. Oktober zieht sich hin wie Kaugummi - bisher steht lediglich Neuseeland im Viertelfinale.

„Das Turnier ist nicht künstlich aufgebläht. Der Weltverband IRB ist an einer großen Verbreitung des Rugby-Sports interessiert und hat deshalb 20 Teams zur Endrunde zugelassen. Da sind fast sieben Wochen erforderlich”, sagte der deutsche Nationalspieler Manuel Wilhelm. Der Heidelberger kommentiert die WM-Partien als Experte beim TV-Sender Sport1 und spricht aus eigener Erfahrung.

Ein Rugby-Spiel dauert 2 x 40 Minuten und ist damit kürzer als ein Fußballmatch. Die körperliche Anstrengung dürfte aber wesentlich höher sein. Besonders im Gedränge und in der Gasse geht es knallhart zur Sache, da bleibt es nicht bei kleinen Prellungen. „Die Spieler brauchen mindestens vier Tage Pause, üblich ist eine Woche”, erklärte Wilhelm. In Deutschland gibt es sogar eine Schutzsperre: „Innerhalb von 48 Stunden darf man nicht zwei Spiele bestreiten.”

Die notwendigen Erholungsphasen sind bei der WM allerdings ungleich verteilt. Gastgeber und Top-Favorit Neuseeland spielt konsequent im Sieben-Tage-Rhythmus und ähnlich wie England, Irland oder Australien nur samstags oder sonntags. Dann sitzen in den rugby-verrückten Ländern mehr Zuschauer vor den TV-Geräten und die Sender zahlen mehr Geld an den Weltverband. Dessen Gesamteinnahmen bei dem Mega-Event werden auf rund 154 Millionen Euro geschätzt.

„Die Teams sind in drei Kategorien eingeteilt. Am Wochenende sollen die Mannschaften der Gruppe eins spielen. Mit den TV-Einnahmen unterstützt der Weltverband Rugby-Projekte in den Ländern der zweiten und dritten Gruppe, zum Beispiel in Samoa”, berichtete Wilhelm. Doch gerade auf der Südsee-Insel, wo Rugby Volkssport ist, schlugen die Wellen der Empörung nach der bitteren 10:17-Pleite gegen Wales hoch. Samoa hatte zuvor vier Tage Erholungszeit, die Waliser aber sieben.

„Wie können wir die Ungerechtigkeit der Reichen stoppen. Wir wollen nur Fairness. Wenn die anderen eine Woche frei haben, gebt uns auch eine”, beschwerte sich Samoa-Spieler Eliota Fuimaono-Sapolu auf seiner Twitter-Seite beim IRB.

Eine Änderung des WM-Zeitplans ist aber nicht mehr möglich, die Dienstag-Spiele Kanada - Japan (23:23) und Italien - USA (27:10) sowie die Mittwoch-Partie Georgien - Rumänien sind die Pausenfüller. Die Vorrunde wird von Freitag bis Sonntag mit Partien wie Südafrika - Samoa (Freitag/9.30 Uhr/Sport1) und dem Prestigekampf England - Schottland (Samstag/9.30 Uhr/Sport1) abgeschlossen. Zwischen Viertelfinale (8./9. Oktober), Halbfinale (15./16. Oktober) und dem Endspiel haben die Teams jeweils eine Woche Regenerationszeit.

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