Quito: Kulturerlebnis Quito: Alte Handwerkskunst und prächtige Bauten

Quito: Kulturerlebnis Quito: Alte Handwerkskunst und prächtige Bauten

Koloniale Herrenhäuser, prächtige Kirchen und Paläste prägen die Altstadt von Quito. Rund 1,4 Millionen Menschen leben heute in der einstigen Inka-Metropole und Hauptstadt des Andenlandes, die sich zunehmend vom Zwischenstopp zum Ziel vieler Ecuador-Reisender entwickelt.

Einen ganzen Tag braucht man allein für einen Bummel durch die „Calle La Ronda”, eine Handwerks- und Künstlergasse, in der hinter jeder Tür ein besonderes Kulturerlebnis wartet.

Die Gasse beginnt am Fuße des von einer riesigen Engelsstatue gekrönten Stadtbergs Panecillo. Hier wuschen einst Inka-Frauen Wäsche. Mit den schmalen alten Häusern, Giebeln und Balkonen verbreitet sie eine fast dörfliche Idylle.

Ein Lied für die Frau der Sonne

„Folgen Sie der Musik”, empfiehlt die nach dem Weg gefragte Dame. „Das Haus von José Huberto Santacruz Torres ist dort, wo die Tür immer offen steht. Gehen Sie einfach hinein!” Die Musik - mal fröhlich, mal schwermütig - ist in „La Ronda” ebenso daheim wie der Duft von frischem Kaffee und Kakao, wie die hölzernen Fensterläden, die Blumentöpfe und Katzen, wie die Bilder, Puppen und Masken.

Meister Torres und sein Sohn Juan sitzen an zwei historischen Pianos, spielen und singen. Ohne das Duett zu unterbrechen, nickt der Musiklehrer den Hereinkommenden zu und bedeutet ihnen, Platz zu nehmen. Und ohne gefragt worden zu sein, spricht er über das „Lied für die Frau der Sonne”. „Eine Komposition, die auf eine uralte Inka-Zeremonie zurückgeht”, sagt der 48-Jährige. Der Autodidakt, der keine Noten lesen kann, erteilt Musikunterricht und repariert antike Instrumente, die er gern zeigt. Freitags ab 16.30 Uhr gibt er mit seinen Schülern Konzerte. Jeder ist willkommen.

Hüte, Eimer und die Seele von Quito

Zu den Stammgästen gehört der Hutmacher Luis López Cifuentes von gegenüber. Ein Glöckchen klingelt, wenn jemand seinen niedrigen Laden betritt oder verlässt. Meist sind es Damen, die eine Kopfbedeckung in Auftrag geben: Kappen mit großen Federn und kleinen Schleifen, Hüte mit oder ohne Krempen, aus glattem Stoff oder Filz oder völlig mit künstlichen Blumen bedeckt. Die meisten Modelle in Cifuentes Geschäft sehen jedoch aus wie für Herrenköpfe gemacht. Es sind die berühmten, aus feinstem Toquillastroh geflochtenen Panama-Hüte, die in Ecuador traditionell von Männern und Frauen getragen werden. Cifuentes versteht sich als Künstler. Zugleich beherrscht der 56-Jährige mit der Hutmacherei ein Handwerk, das in der Region des heutigen Ecuador seit Jahrhunderten einen geachteten Platz einnimmt.

„Viele Männer und Frauen gehen bei uns nicht ohne Hut aus dem Haus. Für manche Ereignisse wie etwa Stierkämpfe bestand früher sogar Hutpflicht”, sagt Cifuentes. Dass die in der spanisch-sprachigen Welt Jipijapa genannten Hüte fast überall als Panama-Hüte bekannt sind, sei den US-Amerikanern zu verdanken, die sie wie andere südamerikanische Produkte über Panama importierten. „Hergestellt wurden diese Hüte schon immer in Ecuador”, sagt der Fachmann.

Die Suche nach der nächsten spannenden Adresse in „La Ronda” endet wenige Häuser weiter - in einem Laden, dessen Wände vom Boden bis zur Decke mit Dingen aus Zinkblech gefüllt sind. All die Eimer, Kannen, Wannen und Gaslampen sehen altmodisch aus, sind aber neu und nicht nur in normalen Größen erhältlich, sondern auch im Miniformat für die Puppenküche. Ihr Schöpfer ist Manuel Humberto Silva. Seit er seine „Hojaleteria” (Klempnerei) 1955 eröffnete, scheint sich nichts verändert zu haben.

Mit 81 steht er heute noch immer im Geschäft und verkauft die selbst gemachte Ware. Seine Arbeit liebt er wie die alte Gasse: „La Ronda ist die Seele von Quito”, sagt er. „Wenn ihr dorthin wollt, wo das Herz der Stadt schlägt, müsst ihr zur Plaza San Francisco gehen.” Mit Blick auf den Vulkan Pichincha und den Panecillo, umgeben von der vor Gold fast berstenden Klosterkirche des Heiligen Franziskus mit dem Palmengarten und der Cantuna-Kapelle, eingerahmt von kolonialen Villen und bunten Ladenstraßen, pulsiert der Platz und treibt der Inkastadt das Leben durch die Adern.

Experimente am Äquator

Selbst die von Hochhäusern beherrschte Skyline des modernen Quito, das sich mit Hotels, Restaurants und Geschäften immer mehr den Touristen öffnet, profitiert von der Kulisse der schneebedeckten Vulkangipfel, die die mit 2.850 Meter höchstgelegene Hauptstadt der Welt umgeben.

22 Vulkane - erloschene und aktive - reihen sich im Andenhochland Ecuadors zwischen Tulcán und Riobamba aneinander. Knapp 300 Kilometer lang ist die Panoramaroute, die Alexander von Humboldt einst die „Straße der Vulkane” nannte. Mit ihren gigantischen Kulissen gehört sie heute zu den schönsten Streckenabschnitten der Panamericana, die Alaska und Feuerland verbindet. Bis zum Vulkan Cotopaxi, mit 5.897 Metern der zweithöchste Berg des Landes, sind es zwei Autostunden von Quito.

Ein Ort voller Mythen, vor allem aber voller physikalisch erklärbarer Phänomene ist „Mitad del Mundo”, die „Mitte der Welt”, die es wenige Kilometer nördlich der Hauptstadt des Äquatorlandes gleich zweimal gibt. Die erste, offizielle Variante beeindruckt mit einem 30 Meter hohen Denkmal, das ein ethnologisches Museum beherbergt. Jedoch weicht die monumentale Anlage 240 Meter vom tatsächlichen Äquator ab. Der echte nullte Breitengrad verläuft gleich nebenan durch Standort Nummer zwei, das „Museo Inti Nan”. Dort können sich Besucher von den wirkenden Naturgesetzen beim Balancieren auf dem Äquator oder beim Abfließen des Wassers aus einem transportablen Waschbecken verblüffen lassen. Auf der Nordhalbkugel dreht es sich links, auf der Südhalbkugel rechts herum. Direkt dazwischen fließt es ohne Strudel geradezu nach unten ab.

Calle La Ronda: Quitos berühmteste Handwerks- und Künstlergasse liegt im Nordwesten der Altstadt nahe der Kirche Santo Domingo. Neben der Hutmacherei La Casa de las Artes, der Hojaleterija da Silva, der Musikschule und Instrumenten-Reparaturwerkstatt von José Huberto Santacruz Torres, mit Hauskonzerten jeden Freitag, ab 16.30 Uhr, findet man hier Galerien, Cafés und Restaurants.

Mehr Kunsthandwerk, Kunst und Mode bieten seit Jahresanfang 520 kleine Geschäfte im neu eröffneten, 11.000 Quadratmeter großen Centro Comercial Quitus im nördlichen Stadtzentrum in der Straße Versalles zwischen den Querstraßen San Gregorio und Juan Domingo Murillo.

Übernachten: Einen schönen Blick auf Quitos historische Altstadt genießt man vom neuen Boutique-Hotel „Casa Gangotena” an der Plaza San Francisco.

Ebenfalls ein Boutique-Hotel in privilegierter Altstadt-Lage ist das „Portal de Catuna”, in dem man die Kultur Ecuadors erleben kann.

In der Nähe des Ausgehviertels Reina Victoria liegt das familiäre Hotel Café Cultura mit dem Charme eines alten kolonialen Wohnhauses.

Essen und Trinken: In der Küche des „Mirador de Guápulo” werden ausschließlich natürliche Produkte verwendet. Die überwiegend auf Fisch und Meeresfrüchte ausgerichtete Speisekarte bietet auch traditionelle Geflügel- und Fleischgerichte. In der Cafeteria werden exotische Teesorten, ecuadorianischer Biokaffee und Kuchen serviert.

Ein Ort vielfältigen Geschmacks ist das „Café Mosaico”, das seine Gäste mit einer grandiosen Aussicht, angenehm legerer Atmosphäre sowie jeweils donnerstags und freitags mit Livemusik verwöhnt.

Weitere Informationen zu Quito findet man unter der E-Mail-Adresse quito@xsp-frankfurt.de oder telefonisch unter +49 69 256 2888-68 anfordern.

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