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Zittau: Im Zug ohne jede Eile: Entdeckungen im Zittauer Gebirge

Zittau : Im Zug ohne jede Eile: Entdeckungen im Zittauer Gebirge

Ein Priester im Ritterkostüm? Wo gibt es denn so etwas? Im Kurort Oybin am Fuße des gleichnamigen kegelförmigen Sandsteinberges muss man nicht lange suchen. Als Ritter Johann verkleidet führt Johannes Johne Besucher durch seine Heimat. Hauptberuflich ist er Seelsorger.

„Ich verlasse immer mal meine katholische Pfarrei, um mit den Gästen durch die schöne Bergwelt zu wandern. Und von Mai bis Oktober feiern wir stimmungsvolle Berggottesdienste auf den Gipfeln”, erzählt er.

Der Name ist Programm: Die Zittauer Schmalspurbahn fährt auf Gleisen, die besonders eng zusammenliegen. Sie verbindet Oybin, Jonsdorf und Zittau - und zwar seit 120 Jahren.
Der Name ist Programm: Die Zittauer Schmalspurbahn fährt auf Gleisen, die besonders eng zusammenliegen. Sie verbindet Oybin, Jonsdorf und Zittau - und zwar seit 120 Jahren. Foto: Detlef Berg

Beliebt sind auch seine Ortswanderungen, auf denen er allerlei Geschichten erzählt. Eine Station dabei ist die als Hochzeitskirchlein bekannte Bergkirche am Fuß des Berges Oybin mit ihrer üppigen Barockausstattung. Gleich hinter dem Gotteshaus beginnt der Wanderweg auf das Plateau des Oybin. Sie führt durch die Ritterschlucht bis hinauf zur Vorburg. Wer es bequemer mag, lässt sich mit dem Gebirgsexpress nach oben fahren. Dort beeindrucken die Ruinen der Burg- und Klosteranlage und der Bergfriedhof. Sie inspirierten schon die Maler um Caspar David Friedrich zu ihren romantischen Gemälden.

Kein guter Ort zum Unterstellen, aber offenbar perfekt zum Malen: Die Burgruine Oybin inspirierte die Maler der Romantik.
Kein guter Ort zum Unterstellen, aber offenbar perfekt zum Malen: Die Burgruine Oybin inspirierte die Maler der Romantik. Foto: Detlef Berg

Auf dem 514 Meter hohen Gipfelbereich lohnt eine Wanderung auf dem Bergringweg, von dem sich immer wieder schöne Ausblicke auf das Oberlausitzer Bergland, das Riesen- und Isergebirge sowie die Stadt Zittau ergeben.

Zittau in der Ferne: der Blick vom Plateau des Oybin im Zittauer Gebirge.
Zittau in der Ferne: der Blick vom Plateau des Oybin im Zittauer Gebirge. Foto: Detlef Berg

Nur auf den ersten Blick steht der Naturpark Zittauer Gebirge im Schatten seines großen Nachbarn, der Sächsischen Schweiz. Das kleinste Mittelgebirge Deutschlands, im südöstlichen Zipfel Sachsens und im Dreiländereck zu Tschechien und Polen gelegen, beeindruckt seine Besucher nicht nur mit dichten Wäldern und wilden Schluchten. Auch Sandsteinfelsen, romantische Burgruinen und eine seit 120 Jahren durch die Region dampfende Schmalspurbahn zählen zu den Attraktionen.

Höchster Gipfel im kleinsten Gebirge: Die Lausche ist mit 763 Metern der höchste Gipfel des Zittauer Gebirges - dem kleinsten Mittelgebirge Deutschlands.
Höchster Gipfel im kleinsten Gebirge: Die Lausche ist mit 763 Metern der höchste Gipfel des Zittauer Gebirges - dem kleinsten Mittelgebirge Deutschlands. Foto: Detlef Berg

„Mit Dampf durchs Gebirge” lautet das Motto der Bahn. Los geht es direkt unterhalb des Berges Oybin. Schon seit 1890 dampft die kleine Eisenbahn auf 750 Millimeter schmaler Spur durch die Landschaft und verbindet Oybin, Jonsdorf und Zittau. Der erste Betreiber der Bahn war die Zittau-Oybin-Jonsdorfer-Eisenbahngesellschaft, die sich ZOJE abkürzte. Der Volksmund deutete die Kurzform treffend in „Zug ohne jede Eile” um. Damals wie heute zuckeln die grünen Wagenschlangen gemächlich durchs Gebirge, und am Bahnhof Bertsdorf, wo sich die Züge aus drei Richtungen begegnen, schlagen die Herzen aller Eisenbahnfreunde höher.

Schließlich geht es auf dem Bahnhof zu wie vor 100 Jahren. Da wird rangiert und am Kran Wasser gefasst, und die Schaffner geben bereitwillig Auskunft über die Geschichte der alten Lokomotiven. Dann ertönt ein Pfiff, und die Bimmelbahn setzt sich bedächtig in Bewegung. Nach acht Kilometern erreicht sie Zittau.

Am besten lässt sich die denkmalgeschützte Altstadt mit ihren schönen Bürger- und Handelshäusern auf dem Denkmal- und Kulturpfad erkunden, der 54 Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet. Ausgangspunkt ist das Rathaus, das nach den Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtet wurde und an einen italienischen Renaissancepalast erinnert. Sehenswerte Stationen sind die Johanneskirche, die von ihrem schiefen Turm den besten Aussichtspunkt bietet, und der mächtige, 1511 errichtete Speicherbau des Marstalls, der heute als überdachter Marktplatz zum Bummeln und Einkaufen einlädt.

Viele Besucher kommen nach Zittau, um in der Kirche zum Heiligen Kreuz und im Franziskanerkloster, die heute Museen sind, die berühmten Fastentücher zu bewundern. Mit ihnen wurden in der Fastenzeit die Altäre der Kirchen verhängt. In ganz Europa sind nur wenige Exemplare erhalten. Die Zittauer Fastentücher mit ihren Szenen aus dem biblischen Leben sind deshalb echte Raritäten und zählen zu den Hauptattraktionen der Stadt.

Die Zittauer Schmalspurbahn fährt auch nach Jonsdorf. Der von imposanten Felskulissen und bewaldeten Bergkuppen umrahmte Luftkurort zählt zu den schönsten Orten im Zittauer Gebirge. Mit viel Liebe sind die Häuser prächtig herausgeputzt. Viele davon sind die für die Region typischen Umgebindehäuser.

Von Jonsdorf bietet sich eine Wanderungen zur Lausche an, dem mit 763 Metern höchsten Gipfel des Gebirges oder zu den nahen Nonnenfelsen. Auch Kletterer kommen dort auf ihre Kosten. Mit dem Nonnensteig an der Südostflanke der bizarren Felsen gibt es für sie eine echte Herausforderung.

(dpa)