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St. Wendel: Festival in St. Wendel: Magie der Straßenzauberei

St. Wendel : Festival in St. Wendel: Magie der Straßenzauberei

Über den Domplatz des saarländischen St. Wendel weht ein Hauch Fernost. In rotem, traditionellem Gewand und mit weiß-geschminktem Gesicht schreitet Kamimaro die Treppe vor der Wendalinusbasilika herunter.

Der Straßenmagier aus Japan zaubert mit Seilen und Ringen, die sich auf wundersame Weise verknüpfen und teilen. Als Höhepunkt lässt er eine magische Rose schweben. Die Zuschauer sind fasziniert, staunen, applaudieren.

Anfang August will der Vorjahres-Sieger des Festivals „Zauberhaftes St. Wendel” wieder in die saarländische Stadt reisen, um seinen Titel verteidigen. Zum 16. Mal wird die historische Altstadt von St. Wendel am ersten August-Wochenende zum Treffpunkt für Straßenzauberer aus aller Welt.

„Das Zaubern ist fast zur Nebensache geworden”, erzählt Festivalleiter Georg Lauer. „So viele Kollegen trifft man sonst nirgends”, erzählt ein Italiener, der sich Mago Flip nennt. Er ist seit Jahren bei dem Straßenfest dabei.

Gegenüber der Treppe der Basilika tritt der 31-Jährige vor dem Alten Rathaus auf. Mit südländischem Temperament und flotten Sprüchen in italienisch eingefärbtem Englisch - von Mafia und Amore - bezaubert er so manche Dame. Die Kinder verblüfft er mit Kartentricks und seinem Stofftier Mario. Auch beim Abkassieren ist Mago Flip Profi, am Ende ist seine Mütze reich gefüllt.

Das „Hutgeld” ist der Lohn der Zauberkünstler. Die Straße hat für sie ihren besonderen Reiz. Bei Veranstaltungen im Theater etwa haben die Zuschauer ja bereits bezahlt und können nicht so einfach weitergehen. Anders auf der Straße: „Du musst Menschen erstmal anlocken, die ganz oft ganz anderes im Kopf haben, bei der Stange halten und dann auch noch „abkassieren””, berichtet Mago Flip.

Außerdem sind die Zuschauer viel näher dran und können Tricks viel besser durchschauen. Die international besetzte Jury aus anderen Zauberprofis bewertet vor allem Originalität, Kostüme, den Umgang der Magier mit ihrem Publikum sowie deren Geschick, am Ende „Hutgeld” einzusammeln. „Die Tricks stehen nicht im Mittelpunkt. Es geht immer mehr darum zu unterhalten”, berichtet Tobi van Deisner. Der durch seine Fernsehauftritte bekannte schwäbische Kleinkünstler ist regelmäßig zu Gast in St. Wendel. „Die Rampensau” verblüfft alle Jahre wieder vor allem die Kinder, knotet in Windeseile Luftballons zu Tierfiguren oder verschwindet in einem riesigen Luftballon: „Ich komme immer wieder”, sagt van Deisner.

Jedes Jahr lockt das Zauberfestival nach Schätzungen der Polizei rund 30.000 Besucher an. Im Vergleich zu weit größeren ähnlichen Festivals etwa in Bamberg oder Portugal ist das zwar eher wenig. Aber die Atmosphäre ist nach einhelliger Meinung der Künstler besonders.

„Während des Festivals haben wir auch in den Hotels wohl die meisten Buchungen”, freut sich Bürgermeister Peter Klär. Die Tourismusmanager der Stadt setzten darauf, dass von weither angereiste Besucher länger bleiben, um auch die Umgebung zu erkunden. Die hat vor allem viel Natur zu bieten. Der Naturpark Saar-Hunsrück lädt zu Wanderungen und Radtouren ein. Auch andere Premium-Wanderwege oder Sehenswürdigkeiten im Saarland oder in Luxemburg sind mit dem Auto erreichbar.

Das Live-Zaubern indes hat nach Beobachtung der Vereinigung „Magischer Zirkels” auch in Zeiten von Internet und Joy-Stick nichts an Faszination eingebüßt. „Im Gegenteil: Das Interesse wird eher noch größer”, erzählt Christian Jedinat. Der Zauberschulen-Besitzer aus Aachen war 2015 Jurymitglied in St. Wendel.

Nach Schätzungen zaubern in Deutschland 20.000 bis 30.000 Menschen, davon rund 200 als Profis. Und die Zauberamateure haben in St. Wendel reichlich Gelegenheit, mit ihren Profikollegen zu fachsimpeln oder gar das Geheimnis von Tricks zu entlocken.

Der Höhepunkt des Festivals ist die große Gala am Samstagabend. Viele Menschen strömen auf den Schlossplatz. „Kinder ganz nach vorn!”, regelt Organisator Lauer. Dann geht die rasante Show mit Kleinkünstlern und Zauberern los, und die Preisträger werden verraten. Ob es in diesem Jahr wieder Kamimaro wird?