Berlin: Die Reisetrends 2010: All-inclusive und Deutschland-Urlaub

Berlin: Die Reisetrends 2010: All-inclusive und Deutschland-Urlaub

Ausschreitungen in Athen, bürgerkriegsähnliche Zustände in Bangkok, der Ölteppich im Golf von Mexiko und Vulkanasche über Europa mit Zehntausenden von Flugausfällen: Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen haben die Lust aufs Verreisen nicht gerade erhöht.

Doch die Deutschen lassen sich von den vielen Krisen und Katastrophen offenbar nicht die Urlaubslaune verderben: Auch in diesem Sommer werden sie eifrig die Koffer packen. Reisebüros und Reiseveranstalter verzeichneten bis Ende April ein Umsatzplus von vier Prozent für die Sommersaison. Im Trend bleiben dabei Ziele in Deutschland sowie All-inclusive-Anlagen, bei denen die Reise-Gesamtkosten von Anfang an gut kalkulierbar sind.

„Die Lust am Urlaub ist ungebrochen”, glaubt Hans-Gustav Koch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Berlin. Noch verkaufen die Reisebüros und -veranstalter zwar nicht so gut wie vor Beginn der Finanzkrise im Herbst 2008. Doch das Buchungsplus von vier Prozent für die Sommermonate sei „ein bisschen mehr, als wir erwartet haben”.

Stark nachgefragt seien derzeit Ferien in Ägypten und der Türkei, zwei Länder mit vielen neuen Hotels und einem hohen Anteil an All-inclusive-Anlagen. „All-inclusive bleibt ein Renner”, sagt Koch - denn Preissicherheit sei den Deutschen weiterhin wichtig.

Doch nicht nur am östlichen Mittelmeer und am Roten Meer werden im Sommer viele Deutsche ihre Handtücher auf Liegestühlen ausbreiten. Auch Inlandsreisen - von Sylt bis zu den Alpen - sind weiterhin sehr gefragt. Gleiches gilt laut Koch für Kreuzfahrten, deren Passagierzahlen weiter in die Höhe gehen.

Und auch viele Fernreiseziele werden in diesem Sommer mehr Urlauber aus Deutschland zählen dürfen als sonst, erwartet der Tourismusforscher Prof. Martin Lohmann aus Kiel. Zwar legten die Deutschen heute „insgesamt etwas mehr Aufmerksamkeit auf ihre wirtschaftliche Situation als vor drei, vier Jahren”. Aber es gebe „natürlich auch einige, denen es ganz hervorragend geht” - und das seien diejenigen, die in diesem Jahr verstärkt Fernreisen unternehmen.

Auf fernen Kontinenten sollte die Reisekasse allerdings in der Tat gut gefüllt sein. Denn der Euro ist nicht mehr so viel wert wie noch im Sommer 2009. Seit dem Jahresende hat die Gemeinschaftswährung im Verhältnis zum US-Dollar rund zehn Prozent an Wert verloren, wie die Commerzbank in einer Untersuchung ermittelt hat.

Besonders stark seien die Kaufkraftverluste für Deutsche in Australien und Südafrika, dem Gastgeberland der Fußball-WM (11. Juni bis 11. Juli). Auch die WM wird das Reiseverhalten beeinflussen: Viele Fans werden mit ihrem Urlaub warten, bis das Turnier vorbei ist - oder zumindest so lange nicht die Koffer packen, wie die deutsche Elf mitspielt.

Ob mit oder ohne WM-Effekt: Dass es eine Last-Minute-Buchungswelle geben wird, erwarten die Experten ohnehin. Allerdings bahne sich nur ein „ganz normales Last-Minute-Geschäft” an, meint DRV-Manager Koch. Eine „Preisschlacht” der Veranstalter werde es im Sommer nicht geben.

Auch Tourismusforscher Lohmann rechnet zwar mit vielen Buchungen in letzter Minute. Zugleich lasse sich aber auch feststellen, dass immer weiter im Voraus gebucht wird, weil sich einzelne besonders exklusive Reiseangebote unbedingt sichern wollen - ein Trend, den auch Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bestätigen. Danach entfielen 7,3 Prozent des Reisebüroumsatzes im April bereits auf Buchungen für die Wintersaison 2010/11. Der Anteil der frühen Winterbuchungen habe sich „fast verdoppelt”, so die Marktforscher.

Zu den Verlierern des Reisesommers 2010 könnten Ziele gehören, die traditionell zu den Lieblingen der Deutschen gehören. So lägen zum Beispiel Mallorca und die anderen Balearen sowie die Kanaren bei den Buchungen bisher unter den Vorjahreswerten, sagt Koch - also Ziele mit verhältnismäßig geringem All-inclusive-Anteil unter den Hotels.

Auch nach Griechenland zieht es bisher weniger Veranstaltergäste als vor Jahresfrist. Dass Touristen in Sorge sein könnten, ob ihre Hotels dort in der angespannten Wirtschaftslage noch ordnungsgemäß versorgt werden, glaubt Koch aber nicht: „Wir erwarten einen ganz normalen Sommer für Griechenland.”

Auch Lohmann warnt davor, Griechenland schon jetzt zum Verlierer des Reisejahres zu erklären. Gerade Last-Minute-Reisen könnten dieses Mal verstärkt nach Hellas führen - wenn sich die Krise im Lande nicht noch weiter verschärft.

Die Sommerferien-Termine der 16 Bundesländer

Die deutschen Sommerferien erstrecken sich in diesem Jahr über 82 Tage. Vier Länder machen am 24. Juni den Auftakt, Bayern schließt die Saison traditionell Mitte September ab. Der Kultusministerkonferenz in Bonn zufolge gelten diese Termine: Thüringen, Sachsen-Anhalt, Bremen und Niedersachsen (24. Juni bis 4. August), Sachsen (28. Juni bis 6. August), Rheinland-Pfalz (5. Juli bis 13. August), Hessen und Saarland (5. Juli bis 14. August), Hamburg (8. Juli bis 18. August), Berlin und Brandenburg (8. Juli bis 21. August), Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern (12. Juli bis 21. August), Nordrhein-Westfalen (15. Juli bis 27. August), Baden-Württemberg (29. Juli bis 11. September) und Bayern (2. August bis 13. September).