Rhodos: Die „Düse” von Rhodos: Windseite der Insel begeistert Surfer

Rhodos: Die „Düse” von Rhodos: Windseite der Insel begeistert Surfer

Auf der Suche nach der perfekten Welle muss man nicht gleich nach Tahiti oder Polynesien reisen. Fündig werden kann man auch in Europa. Rhodos punktet gleich mit drei Surf-Revieren, an der Ostküste bei Faliraki, an der Westküste bei Ialysos/Tiánda, und eines der beliebtesten und ungewöhnlichsten Surf-Reviere ist zweifellos Prasonisi an der Südspitze.

Die „grüne Insel” genannte, etwa zwei Kilometer lange und anderthalb Kilometer breite Halbinsel, deren schmalste Stelle gerade mal 200 Meter misst, ist mit der Hauptinsel durch eine Sandbank verbunden. „Im Schnitt gibt es hier eine bis zwei Windstärken mehr als sonst auf der Insel”, schwärmt Christof. Der Meltémi machts möglich.

Juli und August sind die Hauptmonate für den kühlen, frischen, manchmal auch stürmischen Nordwestwind, der mitunter sogar die Kirchenglocken läuten lässt. Und Christof muss es wissen, hat der 41-jährige Österreicher doch dort vor elf Jahren das Pro Center für Wind- und Kite-Surfer eingerichtet.

Dass die Griechen die Windstärke nicht in Zahlen messen, sondern ihr Namen gegeben haben, hat sich schnell herumgesprochen: Der „Karekládos” wirft Stühle um, der „Trapezádos” fegt Tische fort, und der stärkste, der „Kabándos”, bringt die Glocken im Kirchturm in Bewegung. Deshalb warnen die Einheimischen auch vor dem Isthmus als Todesfalle. Wenn die Landenge überflutet ist, solle man nur bei maximal knöcheltiefem Wasser durchwaten.

Auf den ersten Blick sieht sie wie ein Traumstrand aus. Aber zum Baden ist Prasonisi nur bedingt geeignet. Lediglich Wellenreiter, Kite-Surfer und Windsurfer lieben die steife Brise, die im Sommer fast immer weht. Windschatten scheint ein Fremdwort zu sein.

Überdies liegen Flachwasser und Wellenrevier so dicht beieinander, dass sie hier ihr Eldorado finden und bis Oktober auch professionelle Betreuung und die entsprechende Ausrüstung durch die Surfstation. Trotz seriöser Trainingsvorhaben stehe immer der Spaß im Vordergrund, wenn die Surfer spielerisch den Naturgewalten trotzen, sagt Christof.

„Die Menschen aus dem Norden suchen die Sonne, und Sonne haben wir über 300 Tage im Jahr”, beschwört er die Urlaubsatmosphäre. Eigentlich trifft das auf ganz Rhodos zu. Schließlich wird es liebevoll auch „Insel des Sonnengottes Helios” genannt.

Die größte Dodekanes-Insel ist zudem eine der abwechslungsreichsten und geschichtsträchtigsten Griechenlands. Die Kombination aus traumhaften Stränden, urwüchsigen Gebirgslandschaften und malerischen Dörfern sowie ein reiches Kulturerbe ziehen die Feriengäste magisch an. Auch in Zeiten der Krise, versichert Basile Minaidis. Die sei in Rhodos nicht angekommen, denn es gebe keineswegs weniger Touristen als im Vorjahr, eher mehr, weiß der Präsident des Hotelverbandes von Rhodos aus erster Hand.

Der Tourismus hat lange Tradition. Angeblich soll schon Julius Cäsar auf Rhodos Erholung gesucht haben. Zum attraktiven Reiseziel der Neuzeit mauserte es sich mit den Italienern, die 1912 die fast 400-jährige türkische Herrschaft ablösten. Mit den 1950er Jahren setzte der Massentourismus ein.

Besuchermagneten sind zweifellos die Baudenkmäler aus der Antike, der byzantinischen Zeit und der Kreuzritter. Besonders gefragt ist die labyrinthartige Altstadt mit sehenswerten Befestigungsanlagen von Rhodos-Stadt an der Nordspitze der Insel, die längst zum Weltkulturerbe gehört. Interessante Ausstellungen beherbergen der Großmeisterpalast des Johanniterordens und andere Paläste. Auch das einst mächtige Lindos, heute einer der reizvollsten Urlaubsorte der Ostküste, verfügt über eine gewaltige antike Akropolis.

Doch Rhodos ist weit mehr als ein riesiges Freilichtmuseum. Wer die Insel in ihrer Ursprünglichkeit erleben will, macht sich in Richtung Süden auf den Weg. Dort findet sich nicht nur geografisch die andere Seite von Rhodos. Den richtigen Wind gibt es eben nur da, wo das Mittelmeer und die Ägäis aufeinander treffen.

Das Wellenreiten soll in seiner Urform lange vor Cäsar bekannt gewesen und schon annähernd 4000 Jahre alt sein. In Polynesien entwickelte es sich zum festen spirituellen und kulturellen Bestandteil der Gesellschaft. Christliche Missionare verboten 1823 das Surfen als unnütz, heidnisch und unsittlich - Männer und Frauen surften gemeinsam.

Mit der Gründung erster Surfclubs Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf Hawai erlebte die fast nicht mehr existierende Sportart ihre Renaissance und sorgt seitdem nicht nur für mediterrane Lebensfreude.

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