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Amsterdam: Amsterdamer Reichsmuseum: Radeln unter der „Nachtwache”

Amsterdam : Amsterdamer Reichsmuseum: Radeln unter der „Nachtwache”

Was ist das Spektakulärste am Amsterdamer Reichsmuseum? Die „Nachtwache” von Rembrandt? Das „Milchmädchen” von Vermeer? Falsch. Es ist der Fahrradweg mitten durch das Museum - das hat kein anderes Museum der Welt. Diese Passage führte aber zum heftigsten Streit während der zehnjährigen Bauarbeiten und erheblichen Verzögerungen.

Ein niederländisches Wort wird das Architektenduo Cruz y Ortiz nie wieder vergessen: „Fiets” für Fahrrad. Deshalb wurden die Spanier schon 2004 zurück an den Zeichentisch geschickt. Ihren Plan, genau in der Mitte des Museums auch eine repräsentative Eingangshalle zu bauen, lehnte die Stadt ab. Radfahrer sollten wie eh und je unter dem Museum hindurch von der alten Grachtenstadt zu den Vierteln im Süden radeln können.

Museumsdirektor Wim Pijbes war wütend. Er fürchtete auch um die Sicherheit der bis zu zwei Millionen Besucher im Jahr. Schließlich sind Amsterdamer als Kamikaze-Radler berüchtigt. Doch wie seine Vorgänger musste er sich dem eisernen Gesetz beugen: Amsterdamer hassen nichts so sehr, wie einen Umweg zu radeln.

Nach einem Streit von fast zehn Jahren unterlag der Museumsdirektor 2012 der, wie er sagte, „fundamentalistischen Fahrradlobby”. Ein zweispuriger Radweg verläuft weiter direkt unter der „Nachtwache” mitten durch das Museum. Links und rechts davon liegen die Eingänge. Allerdings sehen die Museums-Besucher durch die neuen verglasten Seitenwände den Strom der Radler und wissen sofort, wo sie sind: In der „Fiets” -Metropole der Welt.

(dpa)