Juan-les-Pins: 50 Jahre Jazz an der Côte dAzur: Festival vor Bilderbuch-Kulisse

Juan-les-Pins: 50 Jahre Jazz an der Côte dAzur: Festival vor Bilderbuch-Kulisse

Kaum irgendwo sonst gehen Jazz-Klänge so ins Blut wie in Juan-les-Pins an der Côte dAzur. Das liegt nicht nur daran, dass in dem schicken Badeort viele Jazz-Größen wie Keith Jarrett, Stanley Clarke, Marcus Miller und Jeff Beck auftreten.

Auf dem Festival geht die Stimmung auch deshalb so unter die Haut, weil Joss Stone und Alice Russel dem Publikum vor einer Bilderbuchkulisse einheizen: blaues Meer, weiße Boote und am Horizont die Inselgruppe Lérins. Südstaatenklänge und Postkarten-Panorama - das ist eine Mischung, die seit 50 Jahren Stars und Fans aus aller Welt anzieht. Dieses Jahr findet „Jazz à Juan” vom 14. bis 25. Juli statt.

„Jazz à Juan” war von Anfang an Treffpunkt der Crème de la Crème, denn es ist in Erinnerung an einen der größten Jazzer des 20. Jahrhunderts entstanden: Sidney Bechet, einen begnadeten Musiker des New Orleans Jazz. Der kreolische Sopransaxofonist und Klarinettist war Freund und Rivale von Louis Armstrong, tourte mit der erotisch-lasziven Josephine Baker durch Europa und liebte Antibes und den direkt am Meer liegenden Nobel-Vorort Juan-les-Pins.

Bechet feierte in der ältesten Stadt der Côte dAzur im Jahr 1951 sogar seine Hochzeit, ein Freudenfest, das in die Geschichte der Stadt eingegangen ist. Pablo Picasso, der zu den illustren Hochzeitsgästen zählte, war von der Stimmung, die Antibes auszeichnet, derart begeistert, dass er sich davon zu seinem Werk „La joie de vivre” - „Lebensfreude” - inspirieren ließ.

Auf kaum einem anderen Festival ist die Stimmung so leichtlebig wie in Juan-les-Pins. Viele der Fans kommen zwei Stunden vor dem Konzert und schauen bei einem Glas Rosé dem Aufbau der Drums zu oder gönnen sich vor dem Musikschmaus eine Sinnenfreude, die mehr durch den Magen geht als unter die Haut. Gleich neben der Bühne liegt das Restaurant „Le Provençal Beach”, wo Ray Charles, Louise Armstrong, Edith Piaf, Ella Fitzgerald oder Miles Davis schon dinierten.

Wie Trophäen zieren ihre Bilder den Eingang des Restaurants, von wo aus man auf Bühne und Meer blickt. Und wenn nach einem Hummersalat und einem in Honig glasierten Lachs langsam die Sonne über dem Wasser zu sinken beginnt, steigt die „Happy-Go-Lucky”-Festival-Stimmung noch an. Das Publikum ist bunt gemischt. Von den 6000 Plätzen sind 3000 zum Stehen. Doch wenn Joss Stone auf die Bühne tritt, ihre Schuhe auszieht und mit ihrer sexy Soul-Stimme singt „Put your hands on me” bleibt niemand mehr sitzen, gleich ob Familien, Touristen oder Jazz-Aficionados.

Nadine, die im Takt mit der Musik der 23-jährigen Britin mitschwingt, die sonst nur aus der Kehle schwarzer Sänger kommt, gehört zu den Stammgästen des Festivals. „Ich kann mich noch an das Konzert mit Ella Fitzgerald erinnern. Ich hatte richtig Gänsehaut”, erzählt die Enddreißigerin. Damals war sie 14 Jahre alt.

In Juan-les-Pins sind die Nächte lang. Viele der Stars gehen nach ihrem Konzert in den Jazz Club „Casino” gleich neben der „Pinède Gould” und mischen sich spontan unter die dort auftretenden Musiker. „Ich habe dort schon tolle Abende erlebt. Einmal habe ich sogar zusammen mit den Musikern ein nächtliches Bad im Meer genommen”, erzählt Pierre aus Paris.

Kultur ist in Antibes/Juan-les-Pins allgegenwärtig. Ein Bummel in Antipolis, wie die 400 vor Christus von den Griechen gegründete Stadt einst hieß, lohnt sich. Denn die Altstadt, das „Vieil Antibes” mit seinen kleinen Straßen rechts und links, ist schön anzusehen. Der Markt auf dem Place Masséna bezaubert die Sinne. Dort wird verkauft, was verführerisch aussieht, lecker riecht und noch besser schmeckt. Probieren darf man nach Belieben: Oliven, Tapenaden und einige der rund 1000 Käsesorten, für die Frankreich bekannt ist.

Am Place Mariejol, nur wenige hundert Meter von dem bunten Markttreiben entfernt, wartet ein anderer Kulturgenuss: Das Picasso-Museum, das erst vor zwei Jahren wieder eröffnet wurde. In dem ehemaligen Grimaldi-Schloss hatte der Meister des Kubismus zwischen Juli und Dezember 1946 sein Atelier eingerichtet. Als Dankeschön an diese Zeit vermachte der Ehrenbürger von Antibes der Stadt 23 Gemälde und 44 Zeichnungen.

Ein weiterer Höhepunkt ist das Fort Carré, das auf einem 26 Meter hohen Felsen auf der Halbinsel Saint-Roch errichtet wurde. Den schönsten Blick auf die Festung aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hat man vom Vieux Port aus. Der alte Hafen ist vor mehr als 25 Jahren um den Port Vauban erweitert worden und hat sich zu einem der größten Yachthäfen der Côte dAzur gemausert.

Während des Festivals geben sich im Hafen die beeindruckendsten Luxusschiffe ein Stelldichein. Denn in „Jazz à Juan” herrscht eine Stimmung, die nur schwer zu übertreffen ist: erstklassige Musik, blaues Meer, Sonnenuntergang und dazwischen Grillengezirpe.

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