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Hradec Kralove: 150 Jahre Schlacht bei Königgrätz: „Ein trauriger, erhabener Ort”

Hradec Kralove : 150 Jahre Schlacht bei Königgrätz: „Ein trauriger, erhabener Ort”

„Jedes Mal, wenn ich an dieser Stelle vorbeifahre, spreche ich ein kurzes Gebet”, sagt der Taxifahrer auf dem Weg zum ehemaligen Schlachtfeld bei Königgrätz. Hier, auf diesem Feld, hätten sich die preußischen und österreichischen Soldaten gegenübergestanden, zeigt er - und reißt zur Demonstration beide Hände vom Lenkrad. „Es muss schrecklich gewesen sein”, meint er. Am Rückspiegel baumelt ein kleines Kreuz.

Auf den Feldern, wo Preußen nach der Kriegserklärung vom 19. Juni am 3. Juli 1866 über den Rivalen Österreich siegte, wächst heute Weizen. Die Landschaft in der Nähe der früheren Festung Königgrätz, auf Tschechisch Hradec Kralove, ist hügelig und sanft gewellt. Ein kleines Museum erinnert an die verlustreiche Entscheidungsschlacht um die Vorherrschaft in deutschen Landen vor genau 150 Jahren. Mehr als 400 000 Mann bekämpften sich erbittert, rund 7500 von ihnen kehrten nie wieder aus dem sogenannten Deutschen Krieg zurück.

Im kleinen, aber modern eingerichteten Museum reicht ein tschechischer Familienvater seinem Sohn eine Flintenattrappe. Lange Zeit galt das fortschrittlichere preußische Zündnadelgewehr als entscheidend für den Sieg der „Pickelhauben” - eine Ansicht, die heute relativiert wird. Doch ohne Zweifel war es von Vorteil, das Gewehr auch im Liegen, also in Deckung, nachladen zu können. Bei den bis dahin üblichen Vorderladern ging das nur im Stehen.

Bis heute werden immer wieder menschliche Überreste auf dem ehemaligen Schlachtfeld gefunden. Eine etwas schaurige Vitrine zeigt Knochen und Schädel zwischen Gewehrpatronen und Granatsplittern. Fast drei Wochen dauerte damals die Bestattung der vielen Toten. „Die Situation wurde durch die riesige Menge toter Pferde kompliziert”, heißt es lakonisch auf einer Schautafel.

Gleich neben dem Museum wartet ein 55 Meter hoher Aussichtsturm auf Wagemutige. Der Blick schweift über das einstige Schlachtfeld und die Eisenkreuze, entdeckt den preußischen Friedhof, hält an der Kirche des nahen Dorfes inne. Am Waldrand erhebt sich das Denkmal für die Gefallenen der „Batterie der Toten” - die Artillerieeinheit des K.-u.-k.-Hauptmanns August von der Groeben wurde komplett aufgerieben, als sie den Rückzug der Fußsoldaten deckte.

„Auf mich hat dieser Ort mit seiner Kraft und Atmosphäre eine starke Wirkung”, sagt Radek Balcarek über das ehemalige Schlachtfeld, neben dem er lebt. „Es ist ein trauriger, erhabener Ort”, meint der 50-Jährige aus dem Dorf Chlum. Als Direktor des Projekts „Königgrätz 1866” organisiert Balcarek jedes Jahr eine Nachstellung der Kämpfe in historischen Uniformen. In diesem Jubiläumsjahr erwartet er mehr als 30 000 Zuschauer.

„Rund 850 Teilnehmer treffen in Uniformen aufeinander, darunter sind auch vier Marschkapellen und rund hundert Reiter auf Pferden”, erzählt der Polizist stolz, der das Tourismus-Event seit 1993 in seiner Freizeit organisiert. Einmal hat er selbst Reichskanzler Otto von Bismarck dargestellt, der den „Bruderkrieg” gegen Österreich mit herbeigeführt hatte. Diesmal wird er den preußischen Befehlshaber Helmuth von Moltke (1800-1891) mimen.

Im Ringen um die Vormachtstellung in Mitteleuropa kämpften die Hansestädte und die meisten norddeutschen Kleinstaaten an der Seite der blauen Preußen. Ihre Rivalen, die weißen Österreicher, waren mit Sachsen und vielen süddeutschen Staaten verbündet. Als Teil der Donaumonarchie wurden auch Tschechen, Kroaten und Ungarn in den Krieg verwickelt.

Heute, 150 Jahre später, kommen die Darsteller des historischen „Reenactments” aus der ganzen Welt, aus Ländern wie Dänemark und den USA, ins Vorland des Riesengebirges. Für die Hobby-Soldaten ist es eine ernste Angelegenheit. Balcarek sagt: „Jede Einheit ist selbst für ihren Drill verantwortlich.”

(dpa)