Nürnberg: Rasender Radler muss für Unfallschaden allein aufkommen

Nürnberg: Rasender Radler muss für Unfallschaden allein aufkommen

Rast ein Fahrradfahrer eine abschüssige Straße in einem derartig unvernünftigen Tempo hinunter, dass er sein Gefährt im Notfall nicht mehr zum Stehen bringen kann und stürzt, hat er für den Schaden dabei im überwiegenden Maße allein aufzukommen.

Selbst wenn der Unfall durch den Schreck über einen plötzlich entgegenkommenden Bus verursacht wurde, dem eigentlich schon aufgrund seiner Größe und Fahrleistung in der Regel eine wesentlich stärkere Betriebsgefahr und damit auch höhere Haftung im Verkehr zugeschrieben wird.

Auf ein entsprechendes Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe macht die Deutsche Anwaltshotline in Nürnberg aufmerksam: In dem Fall habe sich der Biker mit seinem Rad faktisch in der Mitte der Straße bewegt, als der Bus vor ihm aufgetaucht sei. Der Busfahrer sei im Gegensatz zu dem Radler ordnungsgemäß rechts auf seiner Fahrbahn gewesen und habe sofort nach Erkennen der Situation den Fuß vom Gas genommen.

Die Gefahr einer Kollision zwischen dem Bus und dem Fahrrad bestand nach Einschätzung des Gerichts zu keinem Zeitpunkt. Trotzdem habe der erschrockene Biker ein Ausweichmanöver versucht, gebremst und sei gestürzt. Der Busfahrer sollte nun für den Schaden aufkommen. Immerhin habe der durch das Auftauchen des Busses verursachte Schreck unstreitig den Unfallablauf ausgelöst.

Dem widersprachen die Karlsruher Richter. Zwar bestehe laut höchstrichterlicher Rechtsprechung ein innerer Zusammenhang des Unfalls mit dem Betrieb des Busses auch dann, wenn - wie hier - die Ausweichreaktion des Radfahrers objektiv nicht erforderlich war. „Doch der betroffene Biker raste ja ungehemmt und noch dazu nahe der Mittellinie auf die abschüssige Linkskurve zu. Sein Fehlverhalten wiegt damit derart schwer, dass auch die aus der Größe des Fahrzeugs zweifellos resultierende höhere Betriebsgefahr des Busses dahinter weit zurücktritt”, erläutert Rechtsanwältin Alexandra Wimmer die juristische Betrachtung des Unfalls. Zumal sei der Sturz des Radlers für den Fahrer des Busses unabwendbar gewesen. (Aktenzeichen: 13 U 46/10)

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