Bonn: Mietverhältnis kann stillschweigend enden

Bonn: Mietverhältnis kann stillschweigend enden

27 Jahre nach dem Auszug des Mieters gilt ein Mietverhältnis als stillschweigend beendet, auch wenn es nie gekündigt wurde. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts Bonn hervor.

Die Vermieterin einer Wohnung verlangte vom lange geschiedenen Ex-Mann einer Mieterin nach deren Tod die Zahlung rückständiger Mieten sowie die Räumung der Wohnung. Der Mann hatte die Wohnung 1982 angemietet und gemeinsam mit seiner Ehefrau bezogen. Ein Jahr später ließen sich die Eheleute scheiden und der Mann zog aus. Dies wurde der Vermieterin mitgeteilt. Eine Kündigung des Mannes erfolgte aber nie.

Danach lebte die Ex-Ehefrau 27 Jahre lang in der Wohnung, zahlte Miete und Betriebskosten bis zu ihrem Tod 2010. Da besann sich die Vermieterin wieder auf den Ex-Mann, kündigte ihm gegenüber das Mietverhältnis und verlangte die Zahlung der Rückstände sowie die Räumung der Wohnung.

Zu Unrecht, wie das Gericht entschied. Der Ex-Mann sei kein Mieter mehr, da ihn die Vermieterin stillschweigend aus dem Mietverhältnis entlassen habe, indem sie ihn in Kenntnis der Umstände in den 27 Jahren nach dem Auszug unbehelligt gelassen habe.

Sie wäre verpflichtet gewesen, dem Ehemann ihr etwaiges Sicherungsinteresse und den damit verbundenen Fortbestand des Mietverhältnisses anzuzeigen. Das Sicherungsinteresse der Vermieterin erlösche nach Ablauf von 10 bis 20 Jahren, wenn in diesem Zeitraum keinerlei Kontakt zum eigentlichen Mieter besteht.

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