Cottbus/Berlin: Keine Kündigung wegen aufgerundeter Spesenabrechnung

Cottbus/Berlin: Keine Kündigung wegen aufgerundeter Spesenabrechnung

Aufgerundete Spesenabrechnungen eines Arbeitnehmers rechtfertigen keine fristlose Kündigung.

Dies gilt zumindest dann, wenn der Arbeitgeber das Aufrunden jahrelang akzeptiert hat und es dann plötzlich beanstandet. Das ergibt sich aus einem Urteil des Arbeitsgerichts Cottbus (Az.: 7 Ca 868/09), auf das die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins in Berlin hinweist.

Im verhandelten Fall hatte ein Bezirksleiter im Außendienst seinem Arbeitgeber jahrelang Spesenabrechnungen vorgelegt, bei denen Zeiten jeweils auf eine halbe und volle Stunde gerundet waren. Immer wurden die Abrechnungen anstandslos bezahlt. Bei einer späteren Kontrolle stellte der Arbeitgeber fest, dass der Mitarbeiter die Abrechnungen stets zu seinen Gunsten aufgerundet hatte, obwohl er dazu nicht berechtigt war. Daraufhin wurde dem Mann fristlos gekündigt.

Die Richter erklärten die Kündigung jedoch für unwirksam. Der Arbeitgeber habe jahrelang die falschen Abrechnungen akzeptiert. Er hätte dem Mitarbeiter daher zunächst Gelegenheit geben müssen, zu den Fehlern Stellung zu nehmen. Ohne einen solchen Vorlauf sei er nicht zu der Annahme berechtigt, dass der Mitarbeiter ihn um den Wert des erhöhten Spesensatzes betrügen wollte.