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Berlin: Der kurze Draht zum Anwalt: Was Rechtsberatung am Telefon bringt

Berlin : Der kurze Draht zum Anwalt: Was Rechtsberatung am Telefon bringt

Eine Rechtsschutzversicherung kann sich schnell bezahlt machen. Denn Anwälte oder gar Gerichtsverfahren können schnell eine Menge Geld kosten. Nicht immer müssen Versicherte für die Beratung aber in eine Kanzlei gehen. Rechtsschutzversicherungen bieten oft auch den Service einer telefonischen Rechtsberatung an. „Das ist ein beliebtes Mittel, um schnell und bequem rechtliche Fragen zu klären”, sagt Hasso Suliak vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Auf den ersten Blick bietet eine telefonische Rechtsberatung für alle Beteiligten nur Vorteile. Für den Mandanten entfallen lange Anfahrtswege, für den Versicherer hohe Beratungskosten, und der Anwalt kann in kürzerer Zeit mehr Klienten beraten. Dennoch ist sie nur in bestimmten Fällen ratsam, findet Michael Sittig von der Zeitschrift „Finanztest”. „An einen Anwalt kann man sich telefonisch wenden, wenn man beispielsweise wissen will, bis wann man Einspruch gegen eine Kündigung erheben kann, bis wann man den Mietvertrag kündigen muss oder ob man gegenüber seiner pflegebedürftigen, mittellosen Mutter grundsätzlich zum Unterhalt verpflichtet ist.” Immer wenn es um einfache Fragen ginge, sei der Griff zum Telefon sinnvoll.

Das Modell der telefonischen Rechtsberatung stößt aber schnell an seine Grenzen, meint Swen Walentowski vom Deutschen Anwaltverein (DAV). Bei Miet-, Kauf- oder Arbeitsverträgen müsse man beispielsweise genau prüfen, ob man in seinen Rechten verletzt wurde oder seine Pflichten nicht ganz erfüllt hat. Bei der Auslegung von Verträgen komme es auf einzelne Formulierungen an.

„Bei wichtigen Dingen und wenn es um regelmäßiges oder viel Geld geht, sollte man sich nicht allein auf eine telefonische Beratung verlassen”, sagt Rechtsanwalt Walentowski. „Gerade hier ist ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Anwalt und Mandant notwendig.”

Auch „Finanztest”-Redakteur Sittig sieht die Gefahr, dass komplizierte Fälle, die eigentlich ausführlich analysiert und besprochen werden müssten, am Telefon zu schnell erledigt werden. Denn eine telefonische Beratung sei für viele Versicherer auch eine Möglichkeit, Geld zu sparen. Hasso Suliak hält dagegen: „Viele Versicherer bieten bei der telefonischen anwaltlichen Rechtsberatung sogar einen umfangreicheren Rechtsschutz an, der auch Leistungsbereiche abdeckt, die vom Versicherungsvertrag eigentlich nicht abgedeckt sind.”

Dennoch ist Sittig davon überzeugt: Bei der Wahl einer Rechtsschutzversicherung sollte das Kriterium, ob eine Hotline angeboten wird, ganz unten stehen. „Wichtiger ist der Schutzumfang, also welche Bereiche abgedeckt sind, und wie teuer der Tarif ist”, sagt der Experte. „Sobald es ins Detail geht und der Anwalt Unterlagen oder mehr Zeit braucht, müssen Verbraucher eine Kanzlei aufsuchen.” Das sei beispielsweise nötig, wenn Mandanten wissen wollen, ob eine Klage gegen die Kündigung im Job Erfolgschancen hat.

„Wer nicht persönlich zum Anwalt gehen kann oder will, hat die Möglichkeit, dem Anwalt die Dokumente postalisch zu schicken”, sagt Sittig. Das sei wesentlich sinnvoller als dem Anwalt längere Passagen am Telefon vorzulesen. Denn das kann zu hohen Kosten und vor allem zu Missverständnissen führen. „Keiner muss sich auf eine telefonische Beratung einlassen oder zu einem Anwalt gehen, den der Rechtsschutzversicherer empfiehlt”, sagt Sittig.

„Versicherte haben grundsätzlich immer auch die Möglichkeit, ihren Anwalt frei zu wählen”, bestätigt Suliak. Mandanten, die einfache rechtliche Fragen haben und die telefonische Beratung nutzen wollen, rät Walentowski: „Anrufer sollten sich auf jeden Fall Datum und Uhrzeit und die wesentlichen Aussagepunkte schriftlich notieren, um gegebenenfalls bei einem späteren Regress dies nachweisen zu können.” Denn auch bei einer telefonischen Rechtsberatung haftet der Anwalt, wenn er falsche Aussagen trifft. Walentowski empfiehlt Mandanten, sich einen unabhängigen Rechtsanwalt zu suchen. „Seriös beraten wird man, wenn man über die Chancen und Risiken gleichermaßen aufgeklärt wird.” Egal, ob das Gespräch am Telefon oder in der Kanzlei stattfindet.

„Wer einen Anwalt sucht, kann sich im Freundeskreis umhören, wer gute Erfahrungen gemacht hat”, rät Sittig. Aber Vorsicht: Jeder Anwalt hat sein Fachgebiet. „Nicht jeder Arbeitsrechtler ist auch ein guter Anwalt für Verkehrsrecht.” Wer einen Anwalt persönlich aussucht und keine Rechtsschutzversicherung hat, sollte auf jeden Fall über die Kosten sprechen. „Dann gibt es kein böses Erwachen. Bei manchen kann man auch erst mal das Problem schildern, und die Honorar-Uhr läuft nicht gleich mit.”

(dpa)