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Hamburg: Weg vom grauen Einheitslook: Im Alter mutig bei Mode sein

Hamburg : Weg vom grauen Einheitslook: Im Alter mutig bei Mode sein

Beim Wort Seniorenmode denkt man an bieder wirkende Kleider in altmodischem Design und gedeckten Grau- und Beigetönen. Und tatsächlich tendieren viele Menschen ab einem gewissen Alter dazu, sich eher konservativ und wenig farbenfroh anzuziehen.

„Ein Stück weit liegt das sicher am Angebot. Leider sieht nach wie vor ein großer Teil von dem, was die Industrie für Senioren in punkto Tragekomfort und Pflegbarkeit produziert, eher altbacken aus”, erklärt Angelika Hansen von der Bundesvereinigung der Senioren-Assistenten Deutschland.

Vor allem sei der grau-beige Einheitslook jedoch eine Kopffrage: „Viele trauen sich outfittechnisch nicht mehr an kräftige Farben oder Muster und Schnitte heran, wenn sie die 60 oder 70 überschritten haben”, sagt die Hamburger Seniorenassistentin. Ein Grund dafür könne sein, dass die Senioren das Gefühl haben, dass sie sich jetzt angemessener und unauffälliger kleiden sollten. Oder dass sie sich aufgrund von ein paar Extrapfunden nicht mehr so attraktiv fühlen und lieber unbemerkt bleiben wollen.

„Einige sind auch einfach unsicher, wenn es darum geht, was zu ihrer neuen reiferen Optik passt”, sagt die Berliner Farb- und Stilberaterin Evelyn Baganz, die regelmäßig Ältere in Sachen Mode berät. Fest steht, das frische Formen, Muster und Farben heute absolut kein No-Go mehr für Ältere sind.

„Ein modisches Outfit mit schönem Design und bunten Farbakzenten macht attraktiver, lässt jünger und fröhlicher wirken und kann zu mehr Selbstbewusstsein und Lebensfreude verhelfen”, sagt Angelika Hansen. Voraussetzung sei, dass es das richtige Outfit ist. Die Kriterien, die darüber entscheiden, sind im Grunde genommen altersunabhängig immer die gleichen.

Wichtig ist zunächst einmal, dass der Kleidungsstil zum Träger passt. „Er sollte authentisch sein. Wenn das Innere und das Äußere nicht harmonieren und etwa ein konservativ-geradliniger Typ im knallbunten Hippieoutfit steckt, wirkt das verkleidet”, erklärt Farb- und Stilberaterin Martina Berg aus München, die sich auf die Generation 50plus spezialisiert hat.

Weitere Faktoren, die es bei der Outfitwahl zu beachten gilt, sind Kleidungsschnitt und -farbe. Ersterer ist deshalb von Belang, weil sich je nach Figur und Körpergröße unterschiedliche Passformen und Längen empfehlen. So sollten Frauen, die klein und etwas fülliger sind, Kleidungsstücke wie Blusen in Wasserfalloptik wählen, die sie optisch strecken und ihre Fettpolster kaschieren. „Durch Kleidung, die günstig geschnitten ist, kann man bestehende Problemzonen verbergen”, erklärt Martina Berg.

Welche Rolle die Farbe spielt, zeigt ein Test: Wenn man sich vor dem Spiegel verschiedenfarbige Tücher ans Gesicht hält, verändern sich Optik und Ausstrahlung. Einige Töne haben einen positiven Effekt, indem sie etwa die Augen zum Strahlen bringen oder die Haut ebenmäßig und glatt wirken lassen. Andere tun genau das Gegenteil und lassen einen zum Beispiel müde und alt aussehen. „Ob eine Farbe etwas für uns tut oder nicht, hängt vom Hautteint, sowie von Haar- und Augenfarbe ab”, erklärt Evelyn Baganz.

Seine Garderobe so zu gestalten, dass man gut aussieht und sich dabei wohlfühlt, fällt nicht jedem leicht. „Gerade Senioren, die in punkto Aussehen und Mode eher unsicher sind, würde ich raten, Freunde oder Verwandte um Rat zu fragen”, erklärt Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen. Am besten kommen sie gleich zum Einkaufen mit.

Wer niemanden in seinem Umfeld kennt, der als Berater geeignet wäre, kann sich von einem Seniorenassistenten begleiten lassen oder eine professionelle Farb- und Stilberatung in Anspruch nehmen. „Mit Hilfe anderer fällt es den Betroffenen oft leichter herauszufinden, was ihnen steht”, sagt Lenz.

Mit Hilfe einer zweiten Meinung lassen sich oft modische Fettnäpfchen vermeiden. Dazu gehören Outfits, die für ein jüngeres Publikum bestimmt sind oder sehr viel Haut zeigen. Das wirke an Älteren schnell fehl am Platz. „Auch nicht unbedingt empfehlen würde ich Senioren grelle Neonfarben, da sie die Haut blass und müde wirken lassen”, fügt Martina Berg hinzu.

Wenn Senioren ihrer Garderobe durch Accessoires eine jugendliche Note geben wollen, ist das hingegen kein Tabu: „Gut machen sich zum Beispiel bunte Tücher und Westen, außergewöhnlicher Schmuck oder schicke Gürtel.”

(dpa)