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Hamburg: Hände aus den Taschen: Lässig tanzen kann jeder

Hamburg : Hände aus den Taschen: Lässig tanzen kann jeder

Wie wirke ich, wenn ich tanze? Sehe ich nicht völlig steif und unbeweglich aus? Was soll ich mit meinen Armen bloß machen? Plötzlich schießen diese Gedanken durch den Kopf, und jede Bewegung wird genauestens durchdacht. Man achtet nur noch auf sich selbst, vergisst die Musik, spürt Blicke im Rücken, und alle Lockerheit verfliegt.

Um sich nicht lächerlich zu machen, schnappen sich viele Discobesucher dann ein Bier und sind den Rest des Abends an der Bar anzutreffen. Das Eintrittsgeld war völlig umsonst, und außerdem steigt der Frust, wenn dann doch alle Freunde auf der Tanzfläche sind.

Um nächstes Mal die Tanzfläche zu rocken, ist zunächst wichtig, dass man sich in seiner Kleidung wohlfühlt. Die hautenge, zwickende Röhrenjeans bleibt dann besser im Schrank und wird stattdessen gegen etwas Bequemeres getauscht. „Wenn ich mich gut aussehend fühle, dann strahle ich das auch aus”, erklärt Svenja Lüthge, Diplom-Psychologin in Kiel. Außerdem sollte die Party den eigenen Musikgeschmack treffen. Wer gerne Hip-Hop hört, muss sich nicht wundern, wenn die einstudierten Rap-Moves auf der Technoparty etwas lächerlich wirken. „Natürlich tanzt man lieber zu der Musik, die man auch zu Hause hört”, sagt Gaby Hesse, Tanzlehrerin im Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV). „Dann fallen die Bewegungen viel leichter.”

Generell gilt: Übung macht den Meister. Zu Hause sollte man sich einfach mal in die Discoklamotten schmeißen und einige Bewegungen vor dem Spiegel üben. „Man selbst ist meist der größte Kritiker”, sagt Hesse. Einfach mit den Fingern im Takt schnipsen und in den Knien locker sein. „Man stellt sich am besten den Schlagzeuger vor, wie er mit den Sticks auf die Trommeln schlägt. Genauso wippt man dann mit den Knien in den Bass rein.”

Wer sich aber doch lieber richtig vorbereiten möchte, kann einen Tanzkurs besuchen. „Es gibt viele Kurse: Gesellschaftstanz, aber auch spezielle Angebote wie Hip-Hop-Kurse oder Videoclip-Dancing”, erklärt Hesse. „Unter Aufsicht und Anleitung kann man dann Körperbeherrschung lernen und wie man sich am besten zur Musik bewegt.” In der Tanzschule treffen junge Leute außerdem viele Gleichgesinnte. „Und die kann man auch fragen: Sehe ich aus wie ein Vollpfosten? Was soll ich besser machen?”

Kolja Bruske ist 15 Jahre alt und war schon ein paar Mal in der Disco. „Es muss einem einfach egal sein, was die anderen denken. Es stört doch keinen, wenn man schlecht tanzt. Es geht doch vor allem um den Spaß.” Er hat noch keine schlechten Erfahrungen gesammelt: „Ich habe das noch nicht erlebt, dass jemand beim Tanzen ausgelacht wird. Beim Tanzen denke ich gar nicht über die anderen nach, da habe ich nur die Musik im Kopf.” Am schwierigsten findet er es, die Hände richtig zu bewegen: „Am besten nicht in die Hosentaschen.” Es gibt dabei aber kein Richtig oder Falsch: „Das muss einfach jeder selbst ausprobieren.”

Seit dreieinhalb Jahren besucht er schon einen Paartanzkurs. Hilft das in der Disco? „Man weiß einfach besser, wie man sich zu bestimmter Musik bewegt.” Sein Tipp: „Einfach in die Disco reingehen, anderen zugucken und nachmachen.” Man lerne ganz viel, wenn man sich bei anderen Bewegungen einfach abschaut. „Wenn sich etwas gut anfühlt, dann passt das meistens.” Kolja guckt sich auch oft Internetvideos an, um neue Tanzschritte zu lernen. Ein Patentrezept für einen guten Abend gibt es aber nicht: „Es kommt einfach auf die Stimmung an. Wenn ich schlecht gelaunt bin, dann tanze ich natürlich auch nicht so gut.”

Grundsätzlich hilft es, sich auf der Tanzfläche genauer umzuschauen. Denn dann stellt man schnell fest, dass die meisten nicht viel besser tanzen als man selbst. „Die sogenannten Eyecatcher verprellen die Leute”, erklärt Hesse. Das sind die Tänzer, die auffällig auf der Box tanzen und mit sensationellen Hüftschwüngen die Blicke auf sich ziehen. Doch diese Gruppe ist in der Minderheit, die meisten Discobesucher sind Normaltänzer. Das Selbstbewusstsein wird ganz einfach aufgebaut, wenn man sich mal nicht nur die Profis anschaut. „Schnell stellt man fest: Ach, der sieht ja aus wie ich. Schlechter tanze ich auch nicht.”

Worauf es ankommt, ist Ausstrahlung. „Wenn ich die Umgebung scanne und den Menschen in die Augen schaue, dann wirke ich einfach selbstbewusster”, sagt Hesse. Es sei kein guter Tipp, die Masse einfach auszublenden. Deshalb helfe es auch nicht, die Tanzangst mit Alkohol zu betäuben. „Um selbstbewusst rüberzukommen, muss man an seiner inneren Einstellung arbeiten”, erläutert Lüthge.

Rhythmusgefühl? Musikalität? Alles nicht so wichtig. „Am meisten zählt die Einstellung: Ich mach einfach mein Ding”, sagt Lüthge. Wichtig sei, das Ganze mit Humor zu nehmen und über Fehler lachen zu können. „Ich bin jetzt vielleicht nicht die absolute Dancing Queen, aber ich möchte einfach einen guten Abend haben”, gibt Lüthge als Motto vor. Und das bedeutet: Auch wenn ich völlig abgedreht tanze - ist doch alles halb so wild, solange ich Spaß habe.

(dpa)