E-Zigaretten werden hierzulande immer beliebter

Im Trend : E-Zigaretten werden hierzulande immer beliebter

Um das Jahr 2010 wurden Raucher noch schief von der Seite angesehen, wenn sie eines dieser „neumodischen Dinger“ nutzten. Damals war die E-Zigarette eine Seltenheit, was zugegebenermaßen auch an der Qualität und den Möglichkeiten der Dampf-Produkte lag.

Seitdem wurde die E-Zigarette immer beliebter und wie Statistiken zeigen, stieg der Umsatz von einst jährlich fünf Millionen Euro auf über 600 Millionen an. Aber was bedeutet das und wie wirkt sich dieser Anstieg auf die Gesellschaft aus?

Umsatz hat sich in sieben Jahren mehr als verhundertfacht

Die Umsatzentwicklung bei den E-Zigaretten ist erstaunlich. Waren es 2010 gerade einmal fünf Millionen, stiegen die Zahlen nicht nur kontinuierlich an, sie überschlugen sich quasi. 2015 waren es schon 275 Millionen, zum Ende des Jahres 2017 über 600 Millionen. Aber woran lag das? Es gibt zahlreiche Gründe:

- Der Beginn - die ersten E-Zigaretten waren praktisch schlichte elektrische Glimmstängel, deren Zigarettenspitze beim Ziehen aufleuchtete. Diese Modelle waren simpel, nicht wiederverwendbar und schreckten viele Raucher eher ab, als sie zum Umsteigen zu bewegen.

- Der Siegeszug - den ersten markanten Durchbruch erreichte die E-Zigarette damals mit den »EGO-Modellen«. Sie boten recht schnell das erste wirkliche Highlight, das sich übrigens bis heute hielt. Nicht nur ließ sich der Akku aufladen und notfalls ersetzen, es gab auch keine Kartusche mit Watte, sondern einen echten Tank. Dieser fungierte gleichzeitig als Mundstück. Der Vorteil: Diese E-Zigaretten waren nicht allein leistungsstärker und wiederverwendbar, sie konnten auch ganz nach Belieben befüllt werden. Denn der Tank wurde vom Nutzer selbst befüllt. Vorgetränkte Kartuschen waren nicht mehr nötig.

- Vielfalt - basierend auf den EGO-Modellen kamen immer neue E-Zigaretten auf den Markt, die dem Nutzer die Wahl ließen. Schnell wurden nicht nur die Tanks selbst befüllt, auch die Verdampfer konnten ausgewechselt werden. Wer handwerklich interessiert und geschickt war, der konnte sich sogenannte Selbstwickler kaufen. Hier wurde auch der Verdampferdraht selbst befestigt.

Mit der Zeit ist die E-Zigarette ungefähr zu einem Produkt geworden, welches Do-it-yourself und Wünsch-dir-was vereint. Jeder findet das Modell, das dem eigenen Geschmack und Verhalten bestens entspricht und dank der Fülle an Liquids ist es fast unmöglich, kein Liquid zu finden. Diese Entwicklungen sind maßgeblich daran beteiligt, dass die E-Zigarette vom Nischenprodukt für einige wenige Außenseiter zum Trend für jedermann geworden ist.

Sind E-Zigaretten harmloser als Tabakwaren?

Immer wieder taucht diese Frage auf und immer wieder wird sie in den Medien behandelt. Wer sich mit ein wenig Hintergrundwissen so manchen Artikel durchliest, der erkennt schnell, dass schlichtweg auf einer falschen Behauptung aufgebaut wird. Denn: Auch die E-Zigarette ist nicht gesund, komplett ungefährlich oder ein für Nichtraucher empfehlenswertes Produkt. Salopp gesagt, hat nur reine Luft etwas in den Lungen zu suchen. Geschmacksstoffe, Dampf oder Nikotin gehört dort aus gesundheitlicher Sicht nicht hinein. Aber:

- Besser im Vergleich - im Vergleich mit typischen Tabakerzeugnissen schneidet die E-Zigarette besser ab. Da es zu keinem Verbrennungsprozess kommt, entfallen schon einmal viele Schadstoffe des verbrannten Tabaks. Das Liquid, welches in der E-Zigarette verdampft wird, besteht regelmäßig aus drei bis vier Komponenten: PG, VG, Aroma und gegebenenfalls Nikotin. Die ersten beiden Stoffe werden auch im medizinischen Bereich genutzt und sorgen nebenbei für den Dampf aus Nebelmaschinen. Das Aroma stammt aus dem Lebensmittelhandwerk. Nikotin bleibt hingegen immer ein Nervengift.

- Kein Passivrauchen - der Großteil des Dampfes einer E-Zigarette wird vom Dampfer selbst eingeatmet. Was schließlich wieder ausgeatmet wird, ist ein wenig Aroma mit Wasserdampf. Die E-Zigarette »raucht« nicht weiter, wenn nicht der Knopf gedrückt wird. Sie belästigt Außenstehende daher wesentlich weniger und minimiert das Risiko des Passivrauchens. Tabakzigaretten hingegen verteilen ihren Rauch ab dem Augenblick, in dem sie angezündet werden - bis sie schließlich ausgedrückt werden.

- Kein Rauchentwöhnungsprodukt - anfangs wurden E-Zigaretten fälschlicherweise als ein Produkt zur Rauchentwöhnung beworben. Das ist falsch. Zwar steigen viele Raucher um und können durch die Dosierung des Nikotins im Liquid durchaus vom Nikotin loskommen, doch wird der Umstieg häufiger genutzt, um für sich selbst eine gesündere - nicht gesunde - Methode des Rauchens zu finden.

Im Großen und Ganzen ist die E-Zigarette harmloser, dennoch muss auch hier Vorsicht gelten. Kinder dürfen niemals an die Liquids herankommen, auch sollte nicht vergessen werden, dass bis heute keine echten Langzeitstudien vorhanden sind. Die Tabakzigarette galt anfangs auch als gesund - erst Studien viele Jahre später brachten die Gefahren hervor.

Was sollten Dampfer beachten?

Wer sich für die E-Zigarette interessiert, ist gut beraten, sich ein wenig Zeit mit der Suche nach dem guten Gerät zu lassen. Viele Modelle sind Geschmackssache. Sind im Bekanntenkreis schon Dampfer unterwegs? In der Regel helfen sie und erklären sich gerne bereit, das eigene Gerät einmal zum Test zur Verfügung zu stellen. Ansonsten gilt:

- Geprüfte Ware - die Geräte sollten aus geprüften Shops erworben werden. Sie müssen die typischen Prüfsiegel für Elektrogeräte aufweisen. Achtung, wer direkt aus Asien bestellt, kann an dieser Stelle ein Problem bekommen, denn nicht mit Label versehene Modelle kommen oft nicht über den Zoll.

- Liquids - dasselbe gilt für die Liquids. Gut ist, wenn die Möglichkeit genutzt wird, sich einmal durchzuprobieren. Ist dies im Freundeskreis nicht möglich, dann kann durchaus einmal ein Geschäft im Ort aufgesucht werden. Welches Liquid schmeckt, hängt zu sehr vom eigenen Geschmacksempfinden ab, als dass Geschmacksrichtungen empfohlen werden können.

- Nikotin - die Aufnahme des Nikotins ist bei E-Zigaretten langsamer. Es genügt also nicht, bei »Schmacht« an der Zigarette zu ziehen. Zudem ist es sinnvoll, direkt mit verschiedenen Stärken zu beginnen. Gut ist es immer, das Liquid mit einer hohen Nikotinstufe zu kaufen, denselben Geschmack aber auch ohne Nikotin. Da man die Liquids selbst mischen kann, lässt sich so die persönliche ideale Stärke finden.

Angenehmer für die Umwelt

Ob das Dampfen nun für den Dampfer an sich auch auf Dauer besser ist, als die Tabakzigarette, ist wahrscheinlich, doch nicht fest belegt. Dafür ist die E-Zigarette jedoch für jeden angenehmer, der mit einem einstigen Raucher Kontakt hat. Es stinkt nicht, die Asche liegt nicht überall herum und niemand sonst muss mitrauchen, wenn der Dampfer seinen Genuss frönt.

(vo)
Mehr von Aachener Nachrichten