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Aachen: Zweites AN-Forum thematisiert die weibliche Brust

Aachen : Zweites AN-Forum thematisiert die weibliche Brust

„Begehrt. Bewundert. Bedroht: die weibliche Brust” lautet das Thema unserer nächsten Veranstaltung von Frau & Gesundheit am Donnerstag, 8. Mai, ab 18 Uhr (Vorträge 19 Uhr), im Forum M der Mayerschen Buchhandlung, einer Kooperation von Aachener Nachrichten, Universitätsklinikum Aachen und Buchhandlung.

Warum beginnt eine Informationssuche zur Brust stets mit Krankheitsrisiken und Fehlbildungen der Brustdrüse? Wie hat sich der Schönheitsbegriff im Laufe der Jahrhunderte gewandelt? Wie kommt es zur erotischen Anziehungskraft? Was bedeutet die Brust für Männer, was für Frauen? Warum ist sie als Nahrungsquelle für den Säugling und für seine Mutter so außergewöhnlich?

Welche Chancen haben Frauen, die an Brustkrebs erkranken, und weshalb sind ihre seelischen Leiden erheblich? Bei Frau & Gesundheit werden Referentinnen und Referenten intensiv auf die verschiedenen Aspekte eingehen. Es wirken diesmal mit: Professor Dr. Alexander Markschies, Inhaber des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der RWTH Aachen, Dr. Uwe Heindrichs, Leiter der Brustchirurgie/Senologie am Universitätsklinikum sowie Leiter des Brustzentrums Aachen, Susanne Peters, Leiterin der Hebammenschule am Luisenhospital Aachen, Dr. Ulrike Brandenburg, Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin, Dr. Peter Keulers, Facharzt für Radiologie in der Röntgengemeinschaftspraxis Kapuzinerkarree Aachen, sowie Professor Dr. Norbert Pallua, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie am Universitätsklinikum.

Im „Rahmenprogramm” zur Veranstaltung gibt es eine Ausstellung der Aachener Fotografin Ute Haupts („Frauenbilder”) sowie die Mitwirkung der Künstlerin Brigitte Courté, die vor Ort malen wird. Frau & Gesundheit bietet zudem Beratung und Anregung rund um die Bereiche Dessous, Sport und viele Gesundheitstipps.

Welche Größe?

So manche Frau weiß zum Beispiel nicht genug über die für sie persönlich vorteilhafteste Passform beim Büstenhalter. Hier bietet Frau & Gesundheit zusammen mit Ruth Radermacher (Bodyline) Ansprechpartnerinnen. Welche sportlichen Übungen stärken den Brustmuskel? Wie kann ich meine Haltung verbessern? Lisa Stepprath (Active Centrum) bringt Bewegungsvorschläge mit.

Die Brüste sind so speziell, wie die Frau, zu der sie gehören. Im Inneren besteht jede Brust aus Drüsengewebe mit Blutgefäßen, Nerven, Lymphgefäßen und Fett. Überschüssige Flüssigkeit fließt über die Lymphbahnen ab, die mit den Lymphknoten zum Immunsystem gehören. Nach der Geburt eines Kindes bilden die Drüsen Milch, die durch die Milchgänge zur Brustwarze fließt.

Brustkrebs kann von den Zellen der „Drüsenläppchen” oder von den Zellen der Milchgänge ausgehen. Im embryonalen Stadium besteht bei beiden Geschlechtern eine Anlage zur Brustdrüse. Durch hormonelle Umstellungen während der Pubertät gibt es dann beim Mädchen eine Brustentwicklung. Schon in dieser Phase wird der Umgang mit dem Körper und nicht zuletzt der Blick der Frau auf die eigene Brust geprägt.

„In der Zeit vom 15. zum 20. Jahrhundert hat sich in der Kunstgeschichte der Umgang mit Nacktheit, also auch mit der Darstellung der Brust, enorm verändert”, so Alexander Markschies. Darstellungen wie etwa die barbusige Gestalt der „Freiheit” im Gemälde „Die Freiheit führt das Volk an” von Eugne Delacroix signalisieren sogar den Busen als Symbol der Macht. Markschies: „Die Brust ist ein spannendes Thema, stets aber auch von Dingen besetzt, die mit Tabus zu tun haben.”

Nicht zuletzt der „öffentliche Blick” etwa auf die Frauen in der Kunst, auf Hollywood-Busen à la Brigitte Bardot bis zur „flachen” Twiggy oder zu Schönheitskriterien bei „Germanys next Topmodel” prägen Ideale. Die Medien spielen daher eine wichtige Rolle - unter anderem bei der Metapher der „ewigen Mutter”, mit der Ulrike Brandenburg immer wieder zu tun hat. Als erotisch empfinden viele Männer nicht selten die Verbindung von schlanker Figur und üppiger Brust.

„Die Vorstellung von Jungfrau und Mama, das sorgt für Sexappeal”, meint die Psychotherapeutin. Nicht die Körbchengrößen der Büstenhalter haben sich verändert, sondern der Umgang mit dem Körper. So manche Frau lässt sich inzwischen sogar an der Brust tätowieren oder piercen. „Es ist ein Phänomen unserer Zeit, dass Menschen ihren Körper derart verändern.” Die psychischen Probleme nach einer Brustoperation, so Brandenburg, sind nicht zu unterschätzen. „Frauen leiden aber mindestens so stark unter dem Verlust der Haare durch eine Chemotherapie oder auch unter dem Bewusstsein, keine Kinder mehr zu bekommen, wenn die Gebärmutter entfernt wird.”

Was ist Prolaktin?

Die Brust als „Mutterbrust” - durchaus keine naturgegebene Selbstverständlichkeit. „Frauen, die Kinder erwarten, sind häufig überhaupt nicht darüber informiert, wie sich ihre Brüste verändern”, erzählt Susanne Peters. So produziert der Körper erst dann das Milch bildende Hormon „Prolaktin”, wenn der „Mutterkuchen” mit der Geburt den Körper verlassen hat. Eine Trugschluss, der zu rasch folgendem Nachwuchs führen kann: „Es stimmt nicht, dass man in der Stillzeit nicht schwanger wird”, betont Susanne Peters.

Das Stillen - gut für das Immunsystem, für Magen und Darm des Kindes - ist, wie Susanne Peters betont, „zunächst harte Arbeit”, dann aber sehr befriedigend für Mutter und Kind. „Der Druck des Umfeldes kann enorm sein, aber auch die Angst, dass die Schönheit der Brust leidet”, weiß sie den Frauen. „Eine Mutter, die stillt, ist an das Kind gebunden - das kann beruflich kompliziert werden.”

Selbst dort, wo weder Fehlbildung noch eine gesundheitliche Einschränkung vorliegt, können Brüste zum Problem werden: „Zu große schwere Brüsten verursachen Fehlhaltung und Rückenschmerzen, es entstehen wunde Stellen und Einschnürungen”, weiß Pallua.

„Das Gewicht, aber auch das Gefühl, als Sexobjekt angestarrt zu werden, macht den Frauen, die ja oft noch sehr jung sind, zu schaffen. Psychische Probleme kommen häufig vor.” Eine Verkleinerung ist in so einem Fall für den Plastischen Chirurgen keine „Schönheitsoperation”, sondern notwendige Hilfe. Körpergröße und Körperbau spielen eine Rolle. Moderne Verfahren minimieren ein Risiko. „Plastisch” gibt es zudem viele Möglichkeiten des Brustaufbaus nach Tumorentfernungen. Und wie findet man den Tumor?

Nach der regelmäßigen Selbstuntersuchung der Brust ist die Mammographie, die Röntgenaufnahme, die bewährteste diagnostische Methode. „Das ist leider noch immer schwer zu vermitteln”, weiß Peter Keulers aus der Praxis.

So hat eine Brust-Screening-Aktion in NRW in der 294.000 Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahre zu einer Früherkennungsuntersuchung in eine der 19 „Screening-Einheiten” eingeladen wurden (eine davon ist die Radiologische Gemeinschaftspraxis im Kapuzinerkarree Aachen) eine Beteiligung von 53 Prozent erbracht. „Damit wollen wir auch Frauen erreichen, die nicht zum Gynäkologen gehen.”

Tritt der Fall einer Erkrankung ein, bietet ein „Brustzentrum” kompetente Hilfe. „Nicht nur Krebs, alles rund um die Brust beschäftigt uns”, spricht Uwe Heindrichs über sein Fachgebiet, die „Senologie”. Hier geht man mit dem Begriff „Krankheit” sehr vorsichtig um. „Auch eine Fehlbildung der Brust kann zur schweren Belastung führen”, betont er. „Wir können in jedem Fall beraten.”

AN-Forum „Frau & Gesundheit” am Donnerstag, 8. Mai, Forum M der Mayerschen Buchhandlung Aachen, Buchkremerstraße. 18 Uhr Empfang und Eröffnung der Fotoausstellung Ute Haupts, Beratungs- und großes Informationsprogramm rund um die Veranstaltung. 19 Uhr Beginn der Veranstaltung mit Referentinnen und Referenten im Vortragsraum. Eintritt frei, Anmeldung unbedingt erforderlich per E-Mail mailto:frau-und-gesundheit@zeitungsverlag-aachen.de oder telefonisch in der Zeit von 9-17 Uhr, 0241/5101-346.