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Hannover/Dortmund: Zur Vorspeise Informationen: Wenn Jugendliche vegetarisch essen

Hannover/Dortmund : Zur Vorspeise Informationen: Wenn Jugendliche vegetarisch essen

„Was einmal Augen hatte, esse ich nicht!” - das sehen immer mehr Menschen so. Besonders Jungs und Mädchen packt die fleischfreie Ernährung. Waren es vor 30 Jahren noch 0,6 Prozent der Deutschen, die sich vegetarisch ernährten, geht der Deutsche Vegetarierbund in Hannover heute von 10 Prozent aus.

Vegetarisch ist schick geworden. Doch wer Fleisch und Fisch ersatzlos streicht, bekommt Probleme: Wichtige Nährstoffe müssen durch passende andere Lebensmittel ersetzt werden.

Mandy Kritz isst seit acht Jahren kein Fleisch und Fisch mehr. „Als ich 14 war, ist mir klar geworden, dass die Kuh auf der Weide auch das Fleisch auf dem Teller ist”, erklärt die 22-Jährige aus Tübingen ihre Beweggründe. Als Kind seien ihr die Zusammenhänge nicht so klar gewesen, erinnert sie sich. Doch als sie dann im Teenageralter anfing, bei den Tierschutzaktionen in der Greenpeace-Jugendgruppe mitzumachen, dämmerte es bei ihr.

Das Fleisch ging, und zu Hause kam der Stress: „Meine Mutter fand es gar nicht gut, dass ich Vegetarierin wurde”, erinnert sich Mandy Kritz. Die Mutter habe sich die Ernährung sehr einseitig vorgestellt und versucht, ihre Tochter von diesem „Modegedanken” abzubringen. Die Neu-Vegetarierin hat nach eigenen Angaben „ihr Ding trotzdem durchgezogen” und für sich selbst gekocht. „Ich habe meiner Familie gezeigt, dass vegetarische Ernährung mehr als nur Kartoffeln mit Gemüse zu bieten hat.”

Da stimmt ihr die Ernährungsexpertin und Buchautorin Dagmar von Cramm zu. Gegen eine vegetarische Ernährung sei nichts einzuwenden, auch nicht bei Jugendlichen. „Das Einzige, was vielleicht mal knapp werden könnte, ist das Eisen, das sonst viel in Fleisch enthalten ist”, sagt die Ernährungswissenschaftlerin aus Freiburg. Gerade Mädchen, die schon ihre Menstruation haben, sollten darauf achten, dass der Eisenwert nicht sinkt, da sie durch den Blutverlust auch schon Eisen verlieren.

Deshalb sollten unbedingt Nüsse, Kerne und Vollkornprodukte auf den Speiseplan kommen. „Die liefern nicht nur Eisen, sondern auch viele andere wichtige Nährstoffe”, erklärt Dagmar von Cramm. Außerdem lassen sie sich kreativ in den Speiseplan integrieren: Ein paar Sonnenblumen- oder Kürbiskerne machten sich in jeder Gemüse- oder Reispfanne gut.

Solange die Eisenquelle ersetzt wird, gibt auch das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund grünes Licht für Jugendliche, die sich ohne Fleisch und Fisch ernähren wollen. „Doch dazu gehören mehr Lebensmittelkenntnisse als zu einer allgemeinen, gemischten Ernährung”, warnt die stellvertretende Instituts-Leiterin, Mathilde Kersting. Man müsse eben wissen, welche Lebensmittel welche Nährstoffe mitbringen.

Ob man vegetarisch mit oder ohne Ei lebt, also ovo-lacto-vegetarisch oder lacto-vegetarisch, ist aus Sicht des Forschungsinstituts für Kinderernährung egal. Auch Dagmar von Cramm macht hier ernährungswissenschaftlich keinen Unterschied: Doch ohne Ei sei der Speiseplan ziemlich eingeschränkt. „Klar gibt es Produkte wie Ei-Ersatz, doch die sind alle hochverarbeitet, künstlich und teuer.” Daher zieht sie die Variante mit Ei vor.

Kritisch betrachten Kersting und von Cramm jedoch die vegane Ernährung. Menschen, die sich vegan ernähren, essen nicht nur kein Fleisch und Fisch, sie schließen auch Milchprodukte, Eier und Honig aus ihrem Speiseplan aus. „Diese Ernährungsform ist zwar möglich, erfordert aber eine unglaublich bewusste Zusammenstellung der täglichen Nahrung”, erläutert Dagmar von Cramm. Aus ihrer Sicht spricht gegen eine vegane Ernährung vor allem, dass Milchprodukte große Mengen an Kalzium liefern. Vor allem junge Menschen brauchen den Mineralstoff, da er wichtig für den Knochenaufbau ist.

Auch beim Forschungsinstitut für Kinderernährung stehen die Experten der veganen Ernährung skeptisch gegenüber: „Dazu braucht man noch viel mehr Ernährungswissen als bei der vegetarischen Ernährung”, sagt Kersting. „Daher habe ich meine großen Zweifel, ob Jugendliche im Stande sind, sich vegan und gleichzeitig ausgewogen zu ernähren.” In jedem Fall sollte professionelle Hilfe und Beratung in Anspruch genommen werden.

Auch Norbert Moch, Ernährungsexperte beim Vegetarierbund Deutschland rät bei veganer Ernährung dazu, alle Nährstoffe im Auge zu behalten. Achten müssen Veganer Moch zufolge zum Beispiel auch auf Vitamin B12. Es kommt natürlicherweise nur in tierischen Produkten vor und ist bei Veganern dadurch irgendwann gar nicht mehr im Körper zu finden. „Hier sollte man zum Beispiel zu Multivitaminsäften oder Sojadrinks greifen, die mit Vitamin B12 angereichert sind.” Moch, der selbst seit elf Jahren Veganer ist, empfiehlt angehenden Veganern, sich intensiv zu informieren.