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München/London: Wissenschaftler enträtseln Bewegungsfreiheit weißer Blutkörperchen

München/London : Wissenschaftler enträtseln Bewegungsfreiheit weißer Blutkörperchen

Weiße Blutkörperchen können sich im Gegensatz zu allen anderen Zellen frei im menschlichen Körper bewegen. Deutsche und britische Forscher haben jetzt in Versuchen mit Labormäusen diese Bewegungsfreiheit enträtselt.

Die sogenannten Leukozyten docken demnach nicht wie andere Zellen am Untergrund an, sondern „fließen” ungehindert vorwärts, wie die Gruppe um Michael Sixt vom Max-Planck-Institut für Biochemie im Fachjournal „Nature” (Bd. 453, S. 51) berichtet. Möglicherweise nutzten auch Krebszellen diesen Mechanismus, um sich im Körper zu auszubreiten.

Die Fortbewegung von Zellen im Organismus ist normalerweise streng reguliert und auf jeweils spezielles Gewebe beschränkt. Grundlage für die kontrollierte Wanderung von Zellen sind bestimmte Eiweißmoleküle, sogenannte Integrine. Diese Proteine sorgen einerseits für die nötige Bodenhaftung der Zellen, beschränken aber andererseits auch deren Aktionsradius. Denn es gibt 24 verschiedene Integrine, die jeweils das passende Gegenstück zum Andocken benötigen. Fehlt das Gegenstück, kommt die Zelle nicht weiter.

Die Mobilität der Leukozyten, die im ganzen Körper Bakterien, Viren, Parasiten und Tumorzellen jagen, erfolgt jedoch nach den Untersuchungen der Wissenschaftler weitgehend unabhängig von den Integrinen. Das Team um Sixt züchtete Labormäuse, deren weiße Blutkörperchen gar keine Integrine besaßen. „Zu unserer Überraschung konnten sich die Zellen trotzdem unvermindert bewegen. Das widerspricht eigentlich der gängigen Lehrbuchmeinung”, berichtete Sixt in einer Mitteilung seines Instituts in Martinsried bei München.

Die genaue Untersuchung der Leukozyten zeigte dann, dass die weißen Blutkörperchen sich schon allein mit einem Teil ihres Zellskeletts fortbewegen können. Dieses sogenannte Aktinnetzwerk bildet lange Fasern aus und streckt so die Zelle jeweils in Bewegungsrichtung, was eine Art Fließen bewirkt. Dadurch ändern die weißen Blutkörperchen ständig ihre äußere Gestalt und ähneln damit den Amöben. Das sei kein Zufall, denn auch die Einzeller bewegten sich auf diese Weise, betonen die Forscher.

(Fachartikelnummer: DOI 10.1038/nature06887)