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Washington: Wiederholte Verdrängung lässt Erinnerungen verblassen

Washington : Wiederholte Verdrängung lässt Erinnerungen verblassen

Wer schlimme Erinnerungen verdrängen will, kann sein Gehirn entsprechend trainieren: Experimente mit psychisch gesunden Personen deuten darauf hin, dass das Frontalhirn das Gedächtnis aktiv über zwei aufeinanderfolgende Mechanismen beeinflussen kann. Diese Erkenntnisse könnten helfen, Zwangsstörungen, Ängste oder die Langzeitfolgen eines Traumas zu behandeln.

Der amerikanische Psychologe Brendan Depue und seine Kollegen von der Universität von Colorado in Boulder präsentieren ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Science” (Bd. 317, S. 215).

Das Forscherteam bat 16 Studienteilnehmer, sich ein zuvor gezeigtes Bild entweder mehrmals hintereinander ins Gedächtnis zu rufen oder es genau so oft bewusst zu verdrängen. Anschließend sollten die Probanden alle Fotos kurz beschreiben.

An die mehrmals unterdrückten Bilder konnten sich die Teilnehmer eindeutig schlechter erinnern als an eine Reihe von Kontrollbildern, die sie lediglich ein einziges Mal ohne weitere Anweisungen gezeigt bekommen hatten, beobachteten die Forscher.

Bislang sind sich Psychologen nicht einig, ob der Mensch überhaupt in der Lage ist, sein Gedächtnis aktiv zu manipulieren. Die nun veröffentlichten Experimente belegen, dass zumindest gesunde Versuchspersonen unangenehme Erinnerungen in einem gewissen Maß kontrollieren können.

Wie die Messung ihrer Gehirnaktivität zeigt, werden dabei nacheinander spezielle Teile des Gehirns ausgeschaltet. Zuerst unterdrückt der Frontallappen Hirnregionen, die Erinnerungen an Sinneseindrücke unterstützen. Versuchen die Teilnehmer weiterhin, ihre Erinnerungen zu verdrängen, blockiert der Frontallappen dann weitere Gedächtnisprozesse.

Noch ist nicht bekannt, auf welche Weise und wie stark sich ein traumatisches Erlebnis, zum Beispiel ein schwerer Autounfall, in das Hirn einbrennt. Die Wissenschaftler hoffen nun jedoch, mithilfe ihrer Erkenntnisse und weiteren Versuchen neue Ansätze zur Behandlung emotionaler Störungen zu finden.

Bisher hatte sich die Suche nach Behandlungsansätzen auf Wirkstoffe konzentriert, mit denen sich gezielt Erinnerungen löschen lassen. Die neuen Erkenntnisse zeigen nun, dass möglicherweise auch Therapien auf der Basis eines Trainings erfolgreich sein könnten. Depue vermutet allerdings, dass Betroffene tausendmal üben müssen, um solche Erinnerungen zu unterdrücken.