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Wie entsteht eigentlich Blasenschwäche?

Beckenbodenmuskulatur : Wie entsteht eigentlich Blasenschwäche?

Die Beckenbodenmuskeln verlaufen beim Menschen in drei Schichten längs und quer im Becken und schließen den Bauchraum nach unten hin ab. Sie übernehmen viele wichtige Aufgaben, meist unbemerkt. Wenn die Beckenbodenmuskulatur geschwächt ist und ihre Funktionen nicht mehr wie vorgesehen erfüllen kann, merken viele dies an Blasenschwäche. Doch wie genau kommt es dazu?

Funktionen des Beckenbodens

Die Beckenbodenmuskeln verrichten ihre Arbeit meist unbemerkt und unsichtbar. Doch die Aufgaben, die sie im Körper erfüllen, sind sehr wichtig. Die Beckenbodenmuskulatur hält alle Organe an ihrem Platz, verschließt Harnröhre und Enddarm und stützt gemeinsam mit den Bauch- und Rückenmuskeln den gesamten Körper. Bei Schwangeren hält der Beckenboden die Gebärmutter und das Ungeborene am rechten Platz, und beim Mann sind die Beckenbodenmuskeln beim Entstehen und Halten der Erektion beteiligt. Sogar beim Sprechen und Singen hilft eine kräftige Beckenbodenmuskulatur, in Zusammenspiel mit dem Zwerchfell.

Ist die Muskulatur geschwächt, kann das entsprechend viele Auswirkungen haben: eine schlechte Haltung, Rückenschmerzen oder ein Absinken von Organen. Zudem können die Beckenbodenmuskeln den Urin nicht mehr zuverlässig in der Blase halten. Wenn es häufiger passiert, dass ungewollt etwas Urin austritt, spricht man von Blasenschwäche.

Schwangerschaft und Übergewicht: Ein Kraftakt für den Muskel

Zwei bekannte Ursachen für Urinverlust sind Übergewicht und eine Schwangerschaft. In beiden Fällen lastet ein hoher Druck auf der Beckenbodenmuskulatur, und sie muss beispielsweise beim Niesen oder beim Sport stärker arbeiten, um einen Gegendruck zu erzeugen. Sind die Beckenbodenmuskeln dafür zu schwach, kann unwillkürlich etwas Urin austreten.

Nach einer Geburt ist die Muskulatur schlicht stark gedehnt. Die Zurückbildung kann etwas dauern und erfordert Training. Eine vorübergehende schwache Blase nach einer Schwangerschaft ist daher nichts Ungewöhnliches.

Blasenentzündungen: Stress für die Blase

Wer bereits eine Blasenentzündung hatte, kennt vermutlich das Gefühl einer gereizten Harnröhre und des vermehrten Dranges, auf die Toilette zu müssen. Wenn Blase und Harnröhre häufig entzündet sind, kann das die Entstehung von Blasenschwäche begünstigen. Durch die Reizung kann die Kommunikation zwischen Gehirn und Blase gestört sein: Eine Dranginkontinenz entsteht. Dabei ist die Beckenbodenmuskulatur eigentlich kräftig genug, allerdings kommt es plötzlich zu einem starken Harndrang und das Halten des Urins bis zur Ankunft auf der Toilette klappt manchmal nicht.

Wechseljahre: Der Hormonhaushalt beeinflusst die Kontinenz

Blasenschwäche tritt bei Personen jedes Alters auf, vermehrt jedoch mit zunehmendem Alter. Dies liegt unter anderem daran, dass sich bei Frauen in den Wechseljahren der Hormonhaushalt verändert. Der weibliche Körper produziert nach der Menopause weniger Östrogen, das für die Elastizität des Gewebes im Körper zuständig ist. Ein schwächeres Gewebe begünstigt Blasenschwäche. Zudem ist die Durchblutung im Genitalbereich schwächer, je weniger Östrogen vorhanden ist: Blasenentzündungen können dadurch leichter auftreten, die wiederum zu Blasenschwäche führen können.

Prostatabeschwerden: Erschweren es, den Harn anzuhalten

Bei Männern hingegen sind häufige Gründe für Blasenschwäche eine vergrößerte Prostata sowie eine Prostataoperation. In der Folge können Schwierigkeiten beim Halten des Urins auftreten. Auch eine Nierenreizung oder Blasenentzündungen können zu plötzlichem starken Harndrang und damit einer Dranginkontinenz führen.

Blasenschwäche ist behandelbar

Es gibt noch weitere Ursachen für einen geschwächten Beckenboden, unter anderem Krankheiten wie Multiple Sklerose. Doch egal, ob eine Erkrankung oder das natürliche Älterwerden den Beschwerden zugrunde liegen: Auch mit einer sensiblen Blase ist ein erfülltes Leben möglich.

In diesem Interview beantwortet die Direktorin der Klinik für Gynäkologie am Isar Klinikum in München häufige Fragen rund um Blasenschwäche und geht auf Behandlungsmaßnahmen ein. Wichtig ist, dass sich Betroffene helfen lassen, die Scham überwinden und zum Arzt gehen. Denn gerade bei leichter Blasenschwäche lässt sich noch einiges unternehmen und der Beckenboden kann trainiert und gestärkt werden.

(vo)