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Berlin: Wenn Stress die Haut zum Streuselkuchen macht

Berlin : Wenn Stress die Haut zum Streuselkuchen macht

Um die Augen: 40. Am Kinn: 15. Diesen Eindruck hat so manch bestürzter Erwachsener, wenn er in den Spiegel blickt. Jenseits der 30 blüht die Haut, Mitesser breiten sich aus. Spätakne nennen Experten das. „Immer mehr Menschen klagen über unreine Haut”, beobachtet Prof. Thomas Dirschka vom Bundesverband der Deutschen Dermatologen.

Elena Helfenbein, Beautyexpertin des VKE-Kosmetikverbandes, bestätigt: „Jede vierte Frau zwischen 25 und 45 hat mit Spätakne zu kämpfen.” Dass vor allem die Damenwelt betroffen ist und auch diejenigen, die als Teenager nie Hautprobleme hatten, hängt laut Dirschka mit der Einnahme der Antibabypille zusammen. Das Verhütungsmittel schirme den Haarfollikel in der Haut vor männlichen Hormonen ab. Diese sorgen oft dafür, dass die Talgdrüsen mehr Talg produzieren und die Poren übermäßig verhornen. Dadurch verstopfen die Poren, Mitesser bilden sich. Durch Bakterien entstehen Entzündungen.

Die Pille verhindert das mit ihrer leicht anti-androgenen Wirkung. Diese ist vorbei, wenn das Medikament abgesetzt wird. „Dann kommt es zu einem Überschuss an männlichen Hormonen, auf die der Haarfollikel sensibel reagiert”, erklärt Dirschka.

Eine solche Überempfindlichkeit der Haarfollikel ist bei der Spätakne typisch. Doch klagen auch Frauen über unreine Haut, die die Pille nie genommen oder nicht abgesetzt haben. Sie sollten sich ihren Lebenswandel genauer ansehen: Durch Stress werden vermehrt männliche Hormone sowie Stresshormone produziert, die die Talgdrüsen anregen. Mehr noch: „Stress bringt das Zusammenspiel bestimmter Neuropeptide, der Zytokine, durcheinander, die für die Regulierung der Talgdrüse zuständig sind”, erklärt Helfenbein.

Doch die Haut ist nicht nur der Spiegel der Seele, sondern des gesamten Innenlebens. „Wenn die Darmflora im Ungleichgewicht ist, etwa durch die Einnahme von Antibiotika oder unausgewogene Ernährung, kann die Haut ebenfalls blühen”, sagt Renate Donath vom Bundesverband Deutscher Kosmetiker/-innen in Bexbach bei Frankfurt am Main. Eine holprige Verdauung zeige sich im Gesicht, denn die Ausscheidung laufe auch über die Haut. „Man sollte die Bakterien im Dickdarm vom Hausarzt mit einer Stuhlprobe untersuchen lassen”, rät Donath. „Auch sehr reichhaltige Nacht- oder Anti-Age-Cremes können eine Ursache sein”, warnt Dirschka.

Frauen benutzen diese Pflegeprodukte, weil die Haut mit zunehmendem Alter anspruchsvoller wird. „Ältere Haut braucht Lipide, wohingegen eine Akne-Haut eher wenige Lipide braucht”, erklärt Helfenbein. Lipide sind hautverwandte Fette. Eine Kosmetikerin sollte die Haut im wahrsten Wortsinn unter die Lupe nehmen. „Sie erkennt die Ursachen und kann die passende Pflege empfehlen.”

Entzündungen gehören allerdings in die Hände eines Hautarztes. Zumal diese auch Symptome einer ganz anderen Hautkrankheit sein können: „Rosazea zeigt sich ebenfalls mit entzündlichen Stellen, Laien können das verwechseln”, erläutert Dirschka.

Bei einer nicht-entzündlichen Akne helfen die regelmäßige Ausreinigung bei der Kosmetikerin sowie die Pflege mit einer sogenannten liposomalen Lotion. Bei einer leichten bis mittelschweren Akne, unter der die meisten Frauen leiden, hat sich Azelainsäure bewährt, die als Creme oder Gel angeboten wird. Bei mittelschwerer Akne setzt der Arzt auch auf Cremes mit dem Vitamin-A-Säure-Abkömmling Retinoid. Es wird oft mit einer Creme kombiniert, die Benzoylperoxid als leichtes Antibiotikum enthält.

Treten Pusteln und Knötchen auf, verordnet der Dermatologe auch ein Antibiotikum zum Einnehmen. „Es ist niedrig dosiert und reduziert den Grad der Entzündung”, erklärt Dirschka. So bekommt man die Akne in den Griff und arbeitet dann mit der Vitamin-A-Säure-Creme weiter. Ihr Vorteil: Sie sorgt für glattere Haut. Ihr Nachteil: „Die Patientin darf nicht schwanger sein, denn sowohl Antibiotika als auch Vitamin-A-Säure-Abkömmlinge sind fruchtschädigend”, warnt Dirschka. Während der Behandlung plus einen Monat danach sollte die Frau nicht schwanger werden.

Doch auch die Betroffenen können einiges tun. „Wichtig ist eine gute Reinigung”, sagt Donath. Sie rät zu Schaum, Gel oder Milch mit Weidenrindenextrakt, der die Poren zusammenzieht. Anschließend sollte die Haut mit einem Gesichtswasser ohne Alkohol geklärt werden. Eine Heilerde-Maske, mit Joghurt oder Sahne angerührt, pflegt aknegeplagte, ältere Haut.

Vor allem mit der Ernährung kann oft eine Besserung erreicht werden. „Es ist erwiesen, dass eine Ernährung mit vielen Milchprodukten und Kohlenhydraten bei Aknepatienten ungünstig ist”, sagt Dirschka. Gemüse und Obst sollten auf dem Speiseplan stehen, hingegen wenig Zucker. Das hilft nicht nur gegen Unreinheiten. Es lässt die Haut gesünder und straffer aussehen.

(dpa)