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Wenn im Schlaf der Atem stockt

Wenn im Schlaf der Atem stockt

Stuttgart/Bonn. Erst kommt das Schnarchen, laut wie eine Säge. Dann ist plötzlich Ruhe, kein Geräusch, keine Regung. Der Atem steht still, einige Sekunden, eine Minute, immer länger, bis der Körper kurz aufwacht, durch Röcheln und Keuchen um Luft ringt und wieder schnarchend weiterschläft.

Immer wieder wird der Schlaf von Schlafapnoe-Patienten auf diese Weise gestört und der Körper unter Stress gesetzt. Etwa 5- bis 100-mal pro Stunde können diese Atempausen auftreten, wobei Aussetzer von mindestens zehn Sekunden Dauer als krankhaft gelten.

„Während des Atemstillstands erhält der Körper keinen Sauerstoff mehr, der Kohlendioxidgehalt im Blut erhöht sich, das Gehirn reagiert auf die Unterversorgung durch steigende Frequenz der Hirnströme und der Körper leitet so eine Weckreaktion ein, um nicht zu ersticken”, beschreibt Joachim Glockner, Schlafmediziner am Stuttgarter Marienhospital, die Symptome.

Meist können sich die Betroffenen an die kurzen Wachphasen am nächsten Morgen nicht mehr erinnern, doch die ständige Unterbrechung der Nachtruhe verhindert den erholsamen Tiefschlaf. Ausgedehnte Tagesschläfrigkeit und Einschlafattacken bei monotonen Tätigkeiten wie etwa beim Autofahren oder Lesen sind die Folge.

Zudem wird die Krankheit häufig begleitet von Bluthochdruck, Konzentrations- und Leistungsschwäche, depressiven Verstimmungen oder auch Potenzverlust. Der ständige Drang einzuschlafen beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität. „Besonders im Straßenverkehr ist dies eine nicht zu unterschätzende Gefahr”, weist Reinhard Müller, Bundessprecher des VdK-Fachverbandes für Schlafapnoe und Chronische Schlafstörungen in Bonn, auf das erhöhte Unfallrisiko von Schlafapnoikern durch Sekundenschlaf hin.

Immerhin leiden etwa drei bis vier Prozent der Bevölkerung am Schlafapnoe-Syndrom. Dabei sind speziell Männer im Alter ab etwa 40 Jahren betroffen, aber auch Frauen nach den Wechseljahren und Kinder können erkranken.

Die häufigste Ursache sind erschlaffte Muskeln im Mund- und Rachenraum, so dass die Zunge nach unten rutscht und den Atemweg verschließt. Das erklärt auch, weshalb vor allem Übergewichtige an Schlafapnoe leiden. „Die Fülle des Körpers drückt sozusagen auch nach innen und Fettablagerungen verengen den Rachenraum zusätzlich”, veranschaulicht Müller.

Übermäßiger Alkoholkonsum und die Einnahme von Schlaf- und Beruhigungstabletten sind weitere Risikofaktoren. „Denn die Muskulatur wird dadurch besonders weich, was einen Kollaps des oberen Schlundes begünstigt”, erläutert der Mediziner Joachim Glockner. In einigen Fällen sind verengte Atemwege aber auch anatomisch bedingt, wie etwa durch einen verkürzten unteren Kiefer.

Ein erstes Anzeichen für die sogenannte obstruktive Schlafapnoe ist unregelmäßiges und lautes Schnarchen, das durch das erschwerte Ein- und Ausatmen entsteht. Eine seltenere Form ist die zentrale Schlafapnoe, bei der die Atempausen ohne Schnarchen auftreten. „Die zentrale Schlafapnoe ist eine Gehirnerkrankung, bei der das Gehirn das Atmen vergisst”, berichtet Glockner.

Eine Schlafapnoe lässt sich mit Hilfe verschiedener Therapien in den Griff bekommen. „Oft hilft bereits eine Lebensumstellung mit Gewichtsabnahme und Alkoholverzicht”, rät Glockner. Bei stark ausgeprägter Apnoe kommt in der Regel die Überdrucktherapie zur Anwendung. Dabei erhält der Patient über eine Atemmaske ständig frische Luft und der so entstehende Überdruck hält die Atemwege offen.

„Diese Methode ist sehr effektiv. Viele haben aber am Anfang Probleme mit der Maske und es braucht eine gewisse Zeit, bis das Gerät individuell auf den Patienten eingestellt ist”, berichtet Müller von seinen Erfahrungen und rät Betroffenen, sich in Selbsthilfegruppen mit anderen auszutauschen.

In einigen Fällen kann auch eine Gebissschiene, ein Gürtel mit einem Keil auf dem Rücken, der das Schlafen in Rückenlage verhindert, oder ein chirurgischer Eingriff helfen. „Chirurgische Korrekturen helfen jedoch meist nur kurzfristig und sind nur in Kombination mit der Überdrucktherapie wirklich erfolgversprechend”, meint Glockner.

Bleibt eine Schlafapnoe unbehandelt, können zahlreiche Folgeerkrankungen auftreten und die Lebenserwartung der Betroffenen sinkt deutlich. So besteht ein enger Zusammenhang zur koronaren Herzerkrankung: „Bei den meist übergewichtigen Schlafapnoe-Patienten besteht ohnehin die Gefahr der Verengung der Herzkranzgefäße durch Cholesterin und Kalkablagerungen”, sagt Glockner. „Die Atemaussetzer erhöhen den Blutdruck und die Herzfrequenz und belasten das Herz zusätzlich.” Auch vergrößert eine Schlafapnoe das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, plötzlichen Herztod und Schlaganfall.

Bei Verdacht auf eine Schlafapnoe sollten sich Betroffene daher unbedingt in ärztliche Behandlung begeben. „Dabei ist eine interdisziplinäre Diagnose und Therapie und eine genaue Hinterfragung der Symptome wichtig”, weist Müller auf die Vielschichtigkeit der Erkrankung hin. Der Experte rät, Schnarchen und Tagesmüdigkeit nicht als lästige Eigenart eines Menschen hinzunehmen, sondern ihnen genau auf den Grund zu gehen. Nur so können Betroffene und ihre Angehörigen wieder erholsamen Schlaf finden.