Berlin/Bad Elster: Wellness pur: Floating entspannt Körper und Geist

Berlin/Bad Elster: Wellness pur: Floating entspannt Körper und Geist

Nichts mehr denken und nichts mehr spüren: So müssen sich Astronauten fühlen, wenn sie sich in der Schwerelosigkeit treiben lassen. Auf diesen himmlischen Eindruck setzen auch immer mehr irdische Wellness-Anbieter.

Floating nennt sich das Ganze dann. Gemeint ist ein Aufenthalt in einem körperwarmen Salzschwebebad, der tief entspannt - frei von äußeren Reizen.

Die „glücklich machende” Wirkung des Floatens beruhe darauf, dass dem Menschen alle Stressmomente genommen werden, heißt es beim Deutschen Medical Wellness Verband (DMWV) in Berlin.

Der Körper sei auf einen Schlag befreit vom Kampf mit der Schwerkraft und der Reaktion auf Dinge wie Lärm, Licht und Temperatur. „Vom Toten Meer ist dieser Effekt schon lange bekannt”, ergänzt Prof. Karl-Ludwig Resch vom Deutschen Institut für Gesundheitsforschung in Bad Elster (Sachsen). Doch Salzwasser sei lange Zeit vor allem medizinisch genutzt worden, zum Beispiel bei Hautkrankheiten, Rheuma oder Kreislaufstörungen. „Wie ein Korken auf dem Wasser zu liegen, war nur ein schöner Nebeneffekt.”

Als ein „Gefühl wie im Mutterleib” beschreibt Christa Roth-Sackenheim die meditative Situation beim Floaten. „Geeignet ist es für alle gesunden Menschen, die eine schnelle Tiefenentspannung wollen, aber keine Zeit haben, sich zum Beispiel Autogenes Training anzueignen”, sagt die Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater in Neuss. Schon innerhalb von fünf bis zehn Minuten könne der Effekt eintreten. In der Regel bleibt der Erholungssuchende um die 30 Minuten im Wasser.

Das Floating wirkt auf das vegetative Nervensystem. Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol werden abgebaut, Blutdruck und Herzfrequenz sinken. „Alles, was gegenläufig zu Flucht-, Aktivitäts- und Reaktionsimpulsen ist, wird aktiviert”, erläutert Roth-Sackenheim. „Schon in Süßwasser verliert der Körper 90 Prozent seines Gewichts”, ergänzt Resch. In Sole sprächen die Sensoren gar nicht mehr an, die dem Hirn melden, dass der Körper gegen die Schwerkraft ausgerichtet werden muss - und so wird auch der Muskeltonus abgesenkt.

Die ersten Floating-Tanks gab es schon in den 50er Jahren in den USA, wo sie ein Neurophysiologe bei der Raumfahrtbehörde NASA für Forschungsprojekte nutzte. Bekannt wurden die etwas mehr als Badewannen-große Geräte mit Deckel dem DMWV zufolge später auch als Samadhi- oder Meditationstanks.

Vermehrt Einzug in deutsche Wellnessbetriebe hielten sie Ende der 90er Jahre, fügt Resch hinzu. Solekurorte wie Bad Reichenhall oder Bad Sulza (Thüringen) entdeckten im Laufe der Zeit auch den Nutzen in großen Becken. Inzwischen wird nicht mehr nur allein durch das Schweben in der Sole entspannt, sondern zusätzlich durch beruhigende Lichteffekte in Blau-Orange und Musik, die nur unter Wasser zu hören ist.

Welches Salz sich im Tank oder Becken befindet, ist laut Resch vor allem eine Preisfrage. „Für den Auftrieb ist es egal.” Drei Solearten kommen dem DMWV zufolge überwiegend zum Einsatz: aus Salzen wie Himalaya- oder Meersalz erzeugte Sole, Sole aus Magnesiumsulfat und in Kurorten flüssige Natursole. In Bad Reichenhall zum Beispiel wird Heilwasser mit 26,5 Prozent Solegehalt aus einer Quelle in 450 Metern Tiefe gefördert und auf bis zu 12 Prozent verdünnt. In Bad Sulza sprudeln Quellen mit 10 beziehungsweise 5,3 Prozent Salzgehalt.

Aber nicht nur Geist und Muskeln haben etwas vom Floaten. „Ab 6 Prozent Solegehalt ist es für die Haut immer schonend und pflegend”, erläutert Resch. Im Gegensatz zum Bad in Süßwasser werde sie glatt und weich statt bleich und schrumpelig. Zusätzliche Pflege bieten rückfettende Cremes nach dem Bad.

Vorsichtig sollte allerdings sein, wer kleine Verletzungen an der Haut hat. Das könne schmerzhaft werden, warnt Resch. Abhilfe schafft Vaseline, die über die Kratzer gestrichen wird. Roth-Sackenheim betont darüber hinaus: „Man sollte frei von Krankheiten sein, die einem zeitweilig das Bewusstsein rauben können”. Dazu zählt zum Beispiel Epilepsie - die Ertrinkungsgefahr wäre zu groß. Menschen mit Ängsten wie Klaustrophobie rät sie davon gänzlich ab, in einen Floating-Tank zu steigen. Sie sind in großen Wellness-Becken besser aufgehoben. Sonst steht der Tiefenentspannung aber nichts im Wege.

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