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Aachen: Wellness hinterm Steuer: Massagesitze entlasten Muskulatur

Aachen : Wellness hinterm Steuer: Massagesitze entlasten Muskulatur

Der Nacken schmerzt, die Wirbelsäule auch. Lange Autofahrten können zu einer Tortur werden. Doch diese akuten Beschwerden sind noch vergleichsweise harmlos. Vielfahrern droht eine Reisevenenthrombose.

Entlastung, so haben Forscher des Automobilherstellers Ford herausgefunden, kann ausgeklügelte Technik bringen: Massagesitze. Pulsierende Polster und variable Massagezonen entlasten den Körper. Ihre stimulierende und lockernde Wirkung wirkt sich positiv auf verspannte Muskulatur aus.

Die Durchblutung wird angeregt. Noch gibt es solche Sessel nur in der automobilen Luxusklasse. Doch beispielsweise Ford-Forscher arbeiten an erschwinglichen Modellen.

Ebenso wie die Muskeln, die den Bewegungsapparat eigentlich aktiv halten sollen, sind Arterien und Venen während einer langen Autofahrt ständig unterfordert und damit zu wenig durchblutet. Das bedeutet, dass die Organe nur in eingeschränktem Maß mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen versorgt werden.

Abgesehen davon, dass solcher Mangel oft zu Konzentrationsmangel und einer Verlangsamung des gesamten Stoffwechsels führt, können sich dadurch an den Wänden der Gefäße Ablagerungen bilden. Lösen sich diese beispielsweise bei einer plötzlichen Bewegung, besteht die Gefahr einer Gefäß-Verstopfung. „Die mittlerweile von Vielfliegern häufig befürchtete Reisevenenthrombose trifft Vielfahrer wesentlich häufiger”, warnt Hans-Joachim Lindner. Der Mediziner untersucht am Ford Forschungszentrum in Aachen, wie man die Sitz-Bedingungen für Autofahrer optimieren kann.

Bereits nach über fünf Stunden in aufrechter Sitzposition bestehe ein Risiko, dass sich ein Gefäß verschließe, warnt Lindner. Gering sei diese Gefahr nur dann, wenn die so genannte Wadenmuskelpumpe - der Fuß wird angezogen und locker gelassen - regelmäßig betätigt werde und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr bestehe. Doch Hand aufs Herz, wer macht das schon auf langen Autofahrten?

Gemeinsam mit dem Institut für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) hat der Kölner Autobauer untersucht, was mit einem Menschen passiert, wenn er mehr als sechs Stunden am Steuer sitzt. Blutdruck, Herzfrequenz, Bewegungsradius der Beine sowie deren Umfang dienten als objektive Parameter. Während die Makrozirkulation, das heißt der Transport des Blutes in den ganzen Körper, keine Veränderung aufwies, stiegen vor allem bei weiblichen Probanden signifikant die Gerinnungsfaktoren. Das begünstigt Thrombosen, lässt das Beinvolumen erheblich anschwellen.

Doch nicht nur die Fahrtdauer, auch der Fahrzeugsitz hat einen wesentlichen Einfluss auf die Ödembildung an den Unterschenkeln. Saßen die Versuchspersonen auf einem speziellen Massagesitz, war eine deutliche Entspannung der Wirbelsäulenmuskulatur zu beobachten. Mehr noch: Der Lymphfluss verbessert sich, die gesamte Durchblutung in der Gesäßregion wird optimiert. Bei Probanden, die die sanfte Massage-Therapie auf einer dreistündigen Testfahrt absolvierten, seien die Parameter im gesundheitszuträglichen Rahmen geblieben, zieht Lindner Bilanz.

Wann der noch in Entwicklung befindliche Sitz auf den Markt kommen wird, kann Lindner noch nicht sagen. Ford habe sich aber zum Ziel gesetzt, dass eine möglichst breite Masse von den Errungenschaften dieser Technik profitieren solle. Deshalb soll der gesunde Sitz auch nicht zu sehr das Budget des Autokäufers belasten. Bisher müssen für vergleichbare Sitze, wie sie etwa BMW, Mercedes, Lexus oder VW für ihre Luxus-Limousinen bereits anbieten, zwischen 1500 und 3500 Euro einkalkuliert werden.