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Düsseldorf/Berlin: Wegweiser im Wellness-Dschungel: Gütesiegel bieten Orientierung

Düsseldorf/Berlin : Wegweiser im Wellness-Dschungel: Gütesiegel bieten Orientierung

Wellness boomt - und obwohl die Wohlfühl-Welle schon seit vielen Jahren rollt, ist kein Ende in Sicht. So schmücken sich immer mehr Produkte mit dem modischen Etikett, und jährlich eröffnen bundesweit Dutzende neuer Wellness-Hotels.

Zertifikate von Verbänden und anderen Anbietern sollen Kunden einen Orientierung im Wellness-Dickicht ermöglichen - aber auch hier gibt es eine große Vielfalt.

Noch immer wird der Begriff „Wellness” oft großzügig auf alles angewandt, das irgendwie mit Freizeit und Entspannung zu tun hat. „Eine hübsche Badelandschaft und ein Kosmetik-Angebot sind deshalb aber noch lange kein Wellness-Hotel”, heißt es beim Deutschen Wellness Verband (DWV) in Düsseldorf.

Oft sei ein selbst ernannter Wellness-Tempel „nur das typische Ferienhotel mit der Kellersauna”, sagt auch Christian Werner, Herausgeber des Wellness-Führers „Relax-Guides”, aus Wien. Auch Angebote wie die Thalasso-Therapie im Binnenland oder Nonsens-Behandlungen wie das „vitaminreiche Zitronenbad” kommen immer wieder vor.

„In Deutschland gibt es etwa 1280 Wellness-Hotels - vielleicht ein Drittel davon gehört zu den empfehlenswerten Häusern”, sagt Christian Werner. Seit neun Jahren testen er und sein Team österreichische Wellness-Hotels, vor sieben Jahren kam der deutsche Markt dazu.

Die Zahl der Häuser mit Wellness-Eigenwerbung hat sich seither mehr als verzehnfacht. Die Redakteure des „Relax Guides” mieten sich für ihre Tests laut Werner anonym in den Hotels ein und prüfen nach dem Motto „Wie schauts aus, wie fühlt sichs an”.

Ihre Kritik verpacken sie in teils deftige Formulierungen: „Mittsiebziger-Flair” oder „Teilverstaubtes Kitschparadies” zählen noch zu den harmloseren. Kann ein Hotel dagegen vor den Augen der Tester bestehen, erhält es als höchste Auszeichnung bis zu vier blaue Lilien.

Für zu oberflächlich hält der Deutsche Wellness Verband solche Tests - hier setzt man stattdessen auf einen detaillierten Kriterienkatalog. Seit 2002 lasse der Verband Hotels, Urlaubsclubs, Thermen und Spas zertifizieren, erläutert DWV-Geschäftsführer Lutz Hertel. Bei den mehrtägigen Tests werden je nach Hoteltyp zwischen 200 und 750 Prüfkriterien getestet.

„Unsere Prüfer sind immer Sachverständige”, erläutert Hertel. Sie müssen fünf Jahre Leitungserfahrung in der Wellness-Branche mitbringen. Getestet werden die sogenannte Hardware - also die Spas, Massageräume oder Pools -, aber auch die Dienstleistungen und die Freundlichkeit der Mitarbeiter.

„Das geht schon los beim ersten Telefonat”, sagt Hertel. Erfüllt ein Haus die festgelegte Mindestzahl der Prüfkriterien, erhält es das Siegel des DWV. Gegenwärtig tragen rund 60 Hotels und rund ein Dutzend weitere Einrichtungen das geschwungene blaue „W” - allerdings gilt das nicht auf ewig, sondern nur für zwei Jahre. Seit 2002 wurden rund 200 Einrichtungen getestet - 20 Prozent fielen laut Hertel durch.

Mit einem bunten Wellnessbaum zeichnet ein weiterer Verband seine Mitglieder aus: Die Wellness Hotels Deutschland in Düsseldorf haben dieses Gütesiegel nach eigenen Angaben bereits 1997 eingeführt.

Seit 2006 prüft außerdem der TÜV Rheinland die inzwischen rund 50 Vier- und Fünf-Sterne-Hotels der Vereinigung. Kriterien sind unter anderem eine „ruhige Lage in besonders schöner Natur”, „gepflegte Spa- und Wellness-Bereiche” sowie eine „Wellness-Vitalküche auf Gourmet-Niveau”.

Noch vergleichsweise neu ist der Deutsche Medical Wellness Verband (DMWV) in Berlin. Er setzt auf „gesundheitswissenschaftlich begleitete Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität” und hat bislang rund 15 Einrichtungen mit einem eigenen Zertifikat ausgezeichnet.

Dabei arbeitet der DMWV ebenfalls mit dem TÜV Rheinland zusammen. Das runde Siegel, das eine blaue Welle und darüber viele Bläschen zeigt, wurde bislang allerdings vor allem an Häuser in Osteuropa vergeben. Voraussetzungen sind unter anderem, dass ein „Medical Spa” unter qualifizierter ärztlicher Begleitung vorhanden ist.

Neben diesen Siegeln gibt es Wellness-Bewertungen von Heilbäderverbänden oder Krankenkassen. Auf rund 20 schätzt Christian Werner die Zahl der Gütezeichen. Was fehlt, ist ein einheitlicher Standard - der Kunde muss also selbst die Seriosität der Verbände beurteilen und sollte sich auf seinen eigenen Augenschein verlassen.

Die Klagen enttäuschter Wellnessnutzer seien in ihrer Praxis vergleichsweise selten, sagt Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin. Das könnte allerdings auch daran liegen, das die Kunden selbst oft nur eine ungenaue Vorstellung davon haben, was Wellness eigentlich ist.

Vor dem Wellness-Aufenthalt zentrale Infos einholen

Bevor sie einen Wellness-Aufenthalt buchen, sollten Erholungssuchende einige Basisinformationen einholen. „Um dem Namen Wellness gerecht zu werden, sollte ein Programm mindestens Angebote zur gesunden Bewegung, Ernährung, Entspannung und Stressbewältigung enthalten”, rät Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin.

Skepsis sei immer angebracht, wenn Angebote in kurzer Zeit gesundheitliche Wunderwirkungen versprechen. Auch raten die Verbraucherzentralen dazu, sich nicht durch unverständliche Bezeichnungen („Bio-Release-Kopfmassage”) beeindrucken zu lassen und sich nach der Ausbildung der Masseure, Referenten und Trainer zu erkundigen.