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Bonn/Wiesbaden: Wasser marsch: Im Sommer kommt es beim Trinken auf die Menge an

Bonn/Wiesbaden : Wasser marsch: Im Sommer kommt es beim Trinken auf die Menge an

Mit der Sommerhitze kommt der große Durst. Wasser löscht ihn am besten, und es hat noch nicht einmal Kalorien. Die Wahl zwischen Wasser aus dem Hahn und kohlensäurehaltigem aus der Flasche ist heute aber nicht mehr die einzige, die Durstige haben.

Da gibt es Edel-Wasser von den Fiji-Inseln, Quellwasser aus Norwegen, Wasser mit Aroma oder zusätzlichen Mineralien, fertige Saftschorle und Wellnessgetränke. Die erste Devise im Sommer lautet aber: Genug trinken!

Denn Wasser ist nicht nur ein schickes Lifestyle-Produkt, sondern vor allem der wichtigste Baustein des Lebens. Gut einen Liter Flüssigkeit nehmen wir pro Tag über die Nahrung auf, zum Beispiel durch wasserhaltiges Obst und Gemüse wie Melonen und Tomaten. In Form von Getränken sollten mindestens weitere 1,5 Liter hinzukommen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. „Und bei Temperaturen von über 35 Grad kann es auch gern das Doppelte sein”, sagt Sprecherin Antje Gahl.

Gerade ältere Menschen sollten nicht warten, bis der Durst kommt. Denn im Alter lasse das Durstempfinden nach, erläutert Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI) in Wiesbaden. Besonders im Sommer ist die Gefahr groß, schlichtweg auszutrocknen. Denn der Körper verliert durch das Schwitzen mehr Flüssigkeit. Wird sie von außen nicht wieder zugeführt, kann das Blut eindicken. Das mindert die Leistungsfähigkeit und kann zu Verwirrtheit, sogar Bewusstlosigkeit oder Nierenversagen führen.

„Die beste Zeit, dem Körper Wasser zuzuführen, ist zwischen den Mahlzeiten”, rät Barbara Hendel aus München, Ganzheitsmedizinerin und Autorin des Buches „Wasser und Salz, Urquell des Lebens”. Etwa 15 Minuten vor dem Essen und ein bis zwei Stunden danach seien ideal. „Natürlich kann auch zum Essen getrunken werden. Allzu viel verdünnt aber die Verdauungssäfte und verzögert oder behindert den Verdauungsvorgang.”

Auch Sportler sollten im Sommer den erhöhten Wasserbedarf beachten. Normalerweise reiche es aus, eine halbe bis Viertelstunde vorher ein Glas Wasser oder Apfelschorle zu trinken, sagt Gahl. Aber schon bei normalen Temperaturen empfiehlt sie, bei allen Aktivitäten, die länger als eine Stunde dauern - Laufen zum Beispiel -, alle 15 Minuten zu trinken - und zwar etwa ein halbes bis ein Glas „in kleinen Schlucken”.

Eine Rolle spielt auch, welche Flüssigkeit dann zu sich genommen wird. Es sei zwar richtig, dass auch Kaffee und Alkohol zu einem großen Teil aus Wasser bestehen, sagt Ganzheitstherapeutin Hendel. „Da sie aber auch andere Stoffe beinhalten, hat das Wasser weniger freie Ankerstellen, um Giftstoffe zu binden und auszuscheiden.” Hochprozentige Spirituosen entziehen dem Körper sogar Wasser.

Wesiack rät zu sogenanntem natürlichem Mineralwasser. Es enthalte Salze, die der Körper beim Schwitzen verliert. Die meisten Deutschen befolgen diesen Rat offenbar: 132 Liter Mineralwasser pro Jahr trinkt jeder Bundesbürger laut dem Verband Deutscher Mineralbrunnen in Bonn. Nach wie vor Spitzenreiter ist kohlensäurehaltiges Wasser, dicht gefolgt von Medium-Sorten. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich auch stille und leicht aromatisierte Wasser. In ihnen sieht Wesiack allerdings keinen medizinischen oder körperlichen Nutzen: Lifestyle-Produkte zum Beispiel mit Erdbeer-Pfeffer-Geschmack seien „medizinisch nicht induziert”, also nicht notwendig.

Ungeeignet sind laut DGE als Durstlöscher Limonaden - wegen ihres hohen Zuckergehalts, der noch mehr Durst verursacht. Besser seien Kräuter- oder Früchtetees, Saftschorlen oder kalorienarme Erfrischungsgetränke. Und wer es einfacher und preiswerter haben will, hält sich an einen weiteren Tipp von Anja Gahl: Leitungswasser tut es in der Regel auch.

Natürliches Mineralwasser stammt aus unterirdischem Wasservorkommen und muss direkt am Quellort in Flaschen abgefüllt werden. Als einziges Lebensmittel braucht es eine staatliche Anerkennung. Es enthält viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

Natürliches Heilwasser enthält eine erhöhte Menge Mineralstoffe. Diese haben eine therapeutische Wirkung, die wissenschaftlich nachgewiesen ist. Heilwasser wird nach dem Arzneimittelrecht zugelassen, ist aber frei verkäuflich.

Quellwasser wird ebenfalls direkt am Quellort abgefüllt. Es unterliegt den Regeln, die für Trinkwasser vorgeschrieben sind.

Tafelwasser ist ein Gemisch aus Trinkwasser und anderen Wässern wie Meerwasser. Es kann überall hergestellt und abgefüllt werden.