Biallos Ratgeber: Von Physiotherapie bis Inkontinenzhilfe, für was muss die Kasse zahlen?

Biallos Ratgeber : Von Physiotherapie bis Inkontinenzhilfe, für was muss die Kasse zahlen?

Krankengymnastik, Brillen oder Inkontinenzhilfen können das Leben erleichtern. Oft gibt es aber Ärger: Ärzte knausern mit Rezepten, Versicherer verweigern Genehmigungen, Produkte sind mangelhaft. So kommen Patienten zu ihrem Recht.

Heilmittel: Zu Heilmitteln zählen Besuche beim Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder Logopäden. Ein Rezept pro Quartal bezahlen die Kassen, je nach Diagnose auch noch zwei weitere. Danach muss der Patient zwölf Wochen warten, bevor er wieder eines erhalten kann. Oft halten Ärzte ihre Patienten kurz mit Verordnungen, sie belasten ihr Budget. Patienten sollten wissen, dass sie einen Anspruch auf die Leistung haben.

Hilfsmittel: Zu Hilfsmitteln zählen Rollstühle, Prothesen, Seh- und Hörhilfen, auch orthopädische Schuhe oder Geh- und Inkontinenzhilfen. Diese muss der Arzt verordnen und die Kasse genehmigen. Klingt simpel, macht aber oft Probleme. „Zuerst sollten Patienten mit dem Arzt beraten, welches Hilfsmittel gut geeignet und zu handhaben ist“, rät Claudia Spiegel, Juristin beim Sozialverband VdK Bayern. Patienten können Produkte im Sanitätshaus testen. „Eine präzise formulierte Verordnung durch den Arzt ist ein entscheidender Schritt zur Genehmigung.“ Lehnt die Kasse das Hilfsmittel ab, hat der Patient einen Monat lang Zeit, schriftlich Widerspruch einzulegen und die Notwendigkeit erneut zu begründen.

Sanitätshaus: Mit der Kassengenehmigung geht der Patient ins Sanitätshaus. Oft stellt er dort fest: Das verordnete Produkt ist von schlechter Qualität. „Gerade bei Inkontinenzhilfen reißen die Beschwerden nicht ab“, sagt Spiegel. Bevor Patienten selbst den Aufpreis für ein besseres Produkt bezahlen, sollten sie sich bei ihrer Kasse beschweren. „Ist ein Produkt nicht geeignet, muss die Kasse für die Mehrkosten aufkommen.“ Seit 2017 sind die Kassen gesetzlich verpflichtet, für gute Qualität zu sorgen.


Brille: Brillen zählen mit zu den meist gefragten Hilfsmitteln. In den letzten Jahren gab es aber nur im Ausnahmefall einen Kassenzuschuss. Seit 2017 gibt es wieder mehr Geld. Patienten mit sechs Dioptrin – oder vier Dioptrin bei Hornhautverkrümmung – erhalten einen Zuschuss zu Brillengläsern, maximal sind es 112 Euro pro Brillenglas.

Zuzahlungen: Für Heilmittel müssen Kassenpatienten zehn Prozent der Kosten, plus zehn Euro pro Verordnung an Zuzahlung leisten. Bei den meisten Hilfsmitteln sind es zehn Prozent vom Abgabepreis, mindestens fünf, maximal zehn Euro. Mehr als zwei Prozent vom Jahresbruttoeinkommen (abzüglich Freibeträge für Angehörige) müssen Kassenpatienten aber nicht im Jahr an Zuzahlungen leisten, chronisch Kranke nur maximal ein Prozent. Dazu gehören auch Zuzahlungen in der Apotheke und im Krankenhaus. Was darüber hinausgeht, erstattet die Kasse zurück.

Tipp: Patienten können Zuzahlungen und andere Ausgaben für die Gesundheit auch als sogenannte außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen. Allerdings gilt auch hier ein Eigenanteil, den der Steuerzahler erst mal tragen muss, bevor die Steuervergünstigung greift.

Privatpatienten: Privatpatienten erhalten umfangreichere Verordnungen, die die Versicherer auch zu 100 Prozent erstatten. Doch gerade bei günstigen Tarifen liegt die Kostenerstattung auch mal nur bei 80 Prozent. „Patienten sollten vor einer Behandlung eine schriftliche Kostenzusage vom Versicherer einholen, rät Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. In neueren Tarifen gilt meist ein offenes Hilfsmittelverzeichnis, damit können grundsätzlich auch alle Hilfsmittel erstattet werden. „Das ist gut. Trotzdem können Einschränkungen gelten, etwa was die Erstattungshöhen angeht“, sagt Weidenbach.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.

(dpa)
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