Testosteronmangel im Alter: Kommen Männer in die Wechseljahre?

Testosteronmangel im Alter : Kommen Männer in die Wechseljahre?

Für Frauen sind Wechseljahre ein bekanntes Problem. Allerdings können auch Männer in diese kommen, denn auch bei ihnen ändert sich der Hormonspiegel. Insbesondere auf das Testosteron hat dieser Umstand starke Auswirkungen.

Aber wie wirken sich die Wechseljahre beim Mann aus und was können die Herren der Schöpfung dagegen tun? Wenn plötzlich alles anders ist - was bezeichnet Wechseljahre beim Mann? Die Wechseljahre beim Mann zeichnen sich insbesondere durch körperliche Veränderungen aus. Die Haarpracht nimmt ab, dafür steigt der Bauchumfang, die Muskeln verschwinden und unterhalb der Gürtellinie stehen die Zeichen häufig auf Sparflamme. Das kann zu depressiven Verstimmungen führen. Startpunkt ist bei Herren oft das sechzigste Lebensjahr.

Warum nur? Die Ursachen für hormonelle Probleme beim Mann

Die Hauptursache lässt sich in der Hormonumstellung finden. Während das Sexualhormon Testosteron abnimmt, steigt das das Hormon bindende Globolin an. Auch die Konzentration der Geschlechtshormone DHEAS, DHEA so wie das Wachstumshormon Sematotropin nimmt ab.

Doch der Testosteronmangel lässt sich letztlich als Hauptschuldiger für die "Wechseljahre" beim Mann ausmachen.

Testosteronmangel kann unangenehme Folgen haben - aber es gibt Abhilfe.

Der Abfall wirkt sich jedoch bei jedem Mann unterschiedlich aus: Die einen klagen über einen verringerten Testosteronwert und entsprechende Symptome, andere haben kaum ein Problem.

Wo sind die Jahre geblieben? Testosteronmangel durch das Alter

Die komplette Bezeichnung »Wechseljahre« ist beim Mann eine Umschreibung für die Verringerung des Testosterons im Alter. Zudem kommen die Veränderungen nur allmählich und wesentlich langsamer als bei Frauen. Allgemein sinkt der Testosteronspiegel mit jedem Lebensjahr ab - und dieser »Verfall« beginnt praktisch schon in wesentlich jüngeren Jahren.

Couch-Potatoes aufgepasst: Inaktivität fördert Testosteronmangel

"Nur die Ruhe in der Bewegung hält die Welt und macht den Mann." - Gottfried Keller

Gottfried Keller meinte damit sicher keine Couch-Potatoes, denn deren Bewegung steht dem Mannsein entgegen. Bewegung hat einen direkten Einfluss auf das Immunsystem, die Leistungsfähigkeit und die Hormonausschüttung. Bewegungsmuffel leiden an allerlei Engpässen im Körper, doch hängt das Testosteron eng mit der vorhandenen Muskelmasse zusammen.

Wird der Körper nie angestrengt, nie an die Grenzen gebracht, dann sinkt der Muskeltonus und der Körper sieht gar keinen Anlass, viel Testosteron in den Umlauf zu bringen. Es ergibt sich eine Spirale, die nach und nach zu einem drastischen Abfall des Spiegels führt und sich in Potenzstörungen, dürren Gliedmaßen oder einem zu hohen Körperfettanteil bemerkbar macht.

Alles gleichzeitig und immer sofort - Stress und Schlafmangel begünstigen Testosteronmangel

Die Wissenschaft weiß noch nicht genau, welche Auswirkungen Stress insgesamt auf den Körper haben kann. Allerdings ist bekannt, dass Stress negative Auswirkungen hat und diese sich mitunter auf den Hormonspiegel auswirken. Dasselbe gilt für zu wenig Schlaf. Dauerhafter Schlafmangel ist ein altersbegünstigender Krankmacher.

Hast du deine Pille genommen, Schatz? Neue Verhütungsmittel für Männer als mögliche Ursache?

Das Thema der Verhütung für den Mann wird ohnehin kontrovers diskutiert, doch gibt es Vermutungen, dass die »männliche Pille« dauerhaft negative Folgen auf den Testosteronhaushalt haben kann. Das lässt sich darauf zurückführen, dass neue Präparate aktiv in den Spiegel eingreifen und ihn soweit verändern, dass er auf dem Stand ist, der bei alten Männern nachgewiesen wird.

Inwieweit sich die Absenkung des Spiegels aufhebt, wenn die Pille abgesetzt wird, ist noch nicht bekannt. Dies könnte jedoch auch dauern, denn erst heute wird aktiv über die Folgen der dauerhaften hormonellen Verhütung bei Frauen geforscht und nachgedacht.

Der Blick in den Spiegel - wie lässt sich Testosteronmangel erkennen?

Wie können Herren erkennen, dass der Testosteronwert massiv gesunken ist? Ein Überblick:

- Körperliche Änderungen - nimmt die Muskelmasse deutlich ab oder lassen sich Muskeln nicht mehr aufbauen, deutet dies auf einen geringeren Hormonspiegel hin. Wichtig: Es können auch Krankheiten im Spiel sein.

- Stimmung/Vitalität - Männer fühlen sich oft bedrückt und depressiv, auch die Freude an Aktivitäten nimmt ab. Ein Teufelskreis: Treten Potenzschwächen durch den Mangel auf, drückt das die Stimmung noch weiter.

- Behaarung - das Haupthaar nimmt ab, auch der Bartwuchs lässt deutlich nach. Wichtig: Haarausfall kann auf genetische Ursachen zurückzuführen sein.

- Gewicht - viele Männer entwickeln einen »Wohlstandsbauch«, wobei allgemein der Fettanteil die sich zurückbildenden Muskeln ersetzt.

Wann spricht man von Testosteronmangel bei Männern?

Die Werte sind pauschal, da die meisten Menschen einen unterschiedlichen Ausgangswert haben und ab dem 30. Lebensjahr jährlich ungefähr ein Prozent des Werts verloren geht. Dennoch gibt es einen Überblick über den nötigen Testosteronspiegel:

Altersgruppe/Benötigter Testosteronspiegel

13 bis 18 Jahre

0,10 - 9,0 µg/l

Erwachsene

3,5 - 9,0 µg/l

Sinkt der Wert also deutlich unter den von 3,5, lässt sich von einem Testosteronmangel ausgehen. Wichtig ist dabei aber zu prüfen, ob klinische Symptome vorhanden sind. Zudem wirken sich Krebserkrankungen wieder auf den Wert aus und können diesen sogar erhöhen.

Gib mir mein Testosteron zurück - wie die Reserven sich auffüllen lassen

Treten Probleme auf, sollten Männer unbedingt zuerst einen Arzt, möglichst den Urologen, aufsuchen und abklären, ob Ursachen abseits des "Alters" vorliegen. Ist dies nicht der Fall, kann schon eine Änderung des Lebenswandels zu einer Verbesserung führen. Für schwere Fälle gibt es durchaus Medikamente und Produkte, die den Mangel wieder in Richtung der Normalität verschieben. Diese sollten aber wiederum mit dem Arzt abgeklärt werden.

Push it to the Limit - Krafttraining für Testosteron

Sport ist das beste Mittel, um das Altern aufzuhalten und den Körper dazu zu animieren, Testosteron zu bilden. Wie bereits erwähnt, hängt das Hormon mit der Muskelmasse des Körpers zusammen. Ein gutes Krafttraining ist also praktisch das Wundermittel gegen den Mangel.

Männer, die bislang kein Krafttraining oder Sport betrieben haben, sollte aber nicht gleich loslegen, sondern sich einen guten Plan fachmännisch erstellen lassen. Denn: Wer einfach drauflos spurtet und Gewichte stemmt, verletzt sich schnell. Verletzungspausen sind Gift für alle Muskeln.

Wenn noch einer muss, aber dann ist Schluss - Alkohol als Testosteronfeind

Ja, das Bier passt zum Steak und Fußball, der Wein zum guten Essen. Allerdings ist Alkohol praktisch der natürliche Fressfeind des Testosterons. Gerade der übermäßige und regelmäßige Konsum senkt den Spiegel ab. Daher: Den Konsum minimieren und, wenn überhaupt, zwischendurch mit Genuss trinken.

Du bist, was du isst

Gesunde, ausgewogene Ernährungsweisen helfen mit dabei, den Körper rundum fit zu halten und ihm die Nährstoffe zu geben, die er zum Funktionieren benötigt. Zudem lässt sich das Gewicht verringern, was sich wiederum positiv auf die Energie auswirkt. Zucker, fette und salzige Speisen sollten gegen Gemüse, Nüsse und mageres Fleisch und Fisch ausgetauscht werden.

Gibt es auch medizinische Behandlungsmöglichkeiten?

Ja, doch werden diese meist nur in sehr schweren Fällen genutzt, da der Testosteronabbau im Körper ein ganz normaler Vorgang ist. Einzig Männer, die schon sehr früh unter Problemen leiden oder deutliche Nebenwirkungen haben, werden in der Regel für Medikamente berücksichtigt.

Fazit - Alterung statt Wechseljahre

Wenngleich umgangssprachlich von den männlichen Wechseljahren gesprochen wird, handelt es sich bei ihnen um einen über Jahrzehnte gehenden Alterungsprozess. Im Zuge dessen verändert sich der Körper über diesen Zeitraum langsam. Das Absinken des Testosteronspiegels ist dabei gängig und sorgt für das Nachlassen der Haarpracht oder auch eine Gewichtszunahme, die sich vor allem auf den Bauch auswirkt. Doch dagegen lässt sich etwas tun: Mit einer Ernährungsumstellung, dem Verzicht auf Alkohol und Krafttraining können Männer den Testosteronspiegel oft wieder ins Lot bringen.

In extremen Fällen auf ärztliche Behandlung setzen

Es gibt auch noch extremere Fälle, bei denen die Männer extrem unter den Folgen leiden. Insbesondere, wenn der Spiegel bereits in jüngeren Jahren einen niedrigen Wert aufweist, kommt es rasch zu Potenzstörungen und gar schweren körperlichen Beeinträchtigungen. In diesem Fall muss unbedingt aktiv eingegriffen und das Hormon mitunter künstlich zugeführt werden.

(vo)
Mehr von Aachener Nachrichten