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Köln: Studie: Contergan-Wirkstoff soll Krebspatienten helfen

Köln : Studie: Contergan-Wirkstoff soll Krebspatienten helfen

Die Universitäts-Klinik Köln beteiligt sich an einer weltweiten Studie mit dem Contergan-Wirkstoff Thalidomid. Die Substanz soll die Leiden von Patienten mit einer bestimmten Krebserkrankung des Knochenmarks lindern helfen, wie eine Kliniksprecherin mitteilt.

Am 1. Oktober 1957 war Thalidomid unter dem Handelsnamen Contergan als vermeintlich sicheres Schlaf- und Beruhigungsmittel auf den Markt gekommen. Tatsächlich führte die Einnahme in der Frühschwangerschaft zu schweren Missbildungen der Embryonen, insbesondere an Armen und Beinen. Allein in Deutschland wurden so 5000 Säuglinge mit Fehlbildungen geboren.

Dennoch ist Thalidomid bis heute nie ganz aus der medizinischen Anwendung verschwunden. So wird es als Medikament gegen Lepra verwendet sowie bei chronischen entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma oder entzündlichen Darmerkrankungen.

Nach Angaben der Uni-Klinik wird Thalidomid auch bei der Behandlung des multiplen Myelom, einer bösartigen Erkrankung des Knochenmarks, eingesetzt. Bei Patienten mit dieser Erkrankung, die bereits mehrfach mit Chemotherapie behandelt worden sind und einen erneuten Rückfall erleiden, können Ärzte mit Thalidomid oft für längere Zeit eine Verlangsamung der Symptomfortschreitung erreichen.

Während Thalidomid in den USA bereits für die Erstbehandlung beim multiplen Myelom freigegeben ist, gibt es in Europa noch keine Zulassung als Medikament. Deshalb muss bei jedem Patienten die Kostenerstattung als Importmedikament beantragt werden.

Um auch in Europa die Zulassung zu erreichen, beteiligt sich auch die Uniklinik Köln an der Studie, an der 496 Patienten mit multiplem Myelom teilnehmen. Ziel ist es, die optimale Dosis von Thalidomid für die Behandlung zu bestimmen. Teilnehmen können Patienten, die vorher mindestens eine andere Therapie erhalten haben und deren Erkrankung erneut aufgetreten oder fortgeschritten ist.