Berlin/Wuppertal: Störende Hautanhängsel: Fibrome und andere Weichteiltumoren der Haut

Berlin/Wuppertal: Störende Hautanhängsel: Fibrome und andere Weichteiltumoren der Haut

Unwillkürlich ziehen sie den Blick auf sich, so dass sich viele Menschen an ihnen stören: Fibrome, im Volksmund auch Stiel- oder Hängewarzen genannt, sind gutartige Hautanhängsel, die oft an Hals oder Kopf entstehen, manchmal aber auch eher im Verborgenen an den äußeren Schleimhäuten heranwachsen.

„Mit fortschreitendem Alter, aber auch bei Übergewicht entstehen sie häufiger”, erklärt der Wuppertaler Dermatologe und Sonderreferent des Berufsverbands Deutscher Dermatologen Thomas Dirschka. Bei diesen höchstens einen Zentimeter großen, hautfarben bis dunkelbraun getönten Hautknoten handele es sich um gutartige Weichteiltumoren, von denen keinerlei Gefahr ausgehe. „Der Begriff Warzen ist irreführend, denn anders als Warzen werden Weichteiltumoren nicht durch Viren verursacht und sind deshalb auch nicht ansteckend.” Zwtl.: Neigung zu Fibromen ist erblich

Als Weichteiltumoren gelten alle überschüssigen Wucherungen, die an Muskulatur, Fett-, Binde- oder Nervengewebe entstehen, erläutert der Hautchirurg. Am häufigsten gebe es Fibrome an Haut- und Bindegewebe sowie sogenannte Lipome, die aus Fettgewebe unter der Haut wachsen. Weshalb sie entstehen, wird noch erforscht. „Allerdings gilt als sicher, dass es auch eine erbliche Neigung dazu gibt.” Darüber hinaus begünstigen kleine Verletzungen der Haut wie Insektenstiche oder Druckstellen ihre Entstehung.

In den allermeisten Fällen sind derartige Gewebeneubildungen harmlos und gutartig, berichtet Jürgen Becker, stellvertretender Sprecher der Arbeitsgemeinschaft dermatologische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft. „Aufmerksam beobachten sollte man sie aber trotzdem”, rät der Professor an der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie Graz, „insbesondere wenn die sich schnell entwickeln oder verändern.”

Bei schnellen Veränderungen zum Arzt

Eine Verdickung, die sich innerhalb weniger Wochen entwickele, sei auf jeden Fall ernster zu nehmen als eine, die sich über Jahre aufgebaut habe. „Meist haben die Betroffenen ein gutes Gespür dafür, ob sich da etwas tut, was nicht in Ordnung ist.” Hautärzte könnten gutartige Weichteiltumoren oft mit einem Blick erkennen, meint auch Dermatologe Dirschka. „Auch lassen diese sich leicht gegen das umgebende Gewebe mit den Fingern verschieben und gut vom umliegenden Gewebe abgrenzen.”

Im Zweifel erbringe eine feingewebliche Untersuchung eine genaue Diagnose. Hierfür muss das Gewebe per Operation entfernt werden. Beschwerden oder gar Schmerzen bereiten Weichteiltumoren nur bei sehr ungünstiger Lage oder bei beträchtlicher Größe, berichtet Dirschka. Deshalb gehöre ihre Entfernung auch nicht zu den Standardleistungen der gesetzlichen Krankenkasse. „Der Grund dafür ist ja meist rein ästhetischer Natur.”

Entfernung ist keine Kassenleistung

Je nachdem, wo sich der Knubbel befindet und wie groß er ist, wird der Eingriff unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose vorgenommen. „Selten braucht es dazu einen großen Schnitt.” Auch eine besondere Weiterbehandlung sei normalerweise nicht nötig. Blutungen, Infektionen, Gefäß- oder Nervenverletzungen träten äußerst selten auf. Neben dem klassischen chirurgischen Eingriff gibt es bei Fibromen noch die Möglichkeit der Vereisung sowie der Entfernung mit einem Haut abtragenden Lasersystem. Die Lasertherapie empfiehlt Dschirka besonders dann, wenn ein erneutes Nachwachsen des Fibroms vermieden werden soll.

Ultraschall und Gewebeuntersuchung bringen Klarheit

Besteht der Verdacht, dass ein Weichteiltumor möglicherweise bösartig (ein „Sarkom”) ist, kann über die körperliche Untersuchung hinaus eine Ultraschalluntersuchung Klarheit bringen, sagt Krebsforscher Jürgen Becker. „Hat das Tumorgewebe die gleiche Dichte wie das darum liegende Haut- und Fettgewebe, ist in der Regel alles in Ordnung. Ist es dichter, weist das auf einen bösartigen Tumor hin.”

Auch eine Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT), eine Gewebeentnahme und vor allem deren feingewebliche Untersuchung (Biopsie) könnten zeigen, ob und welche Art von Weichteilsarkom vorliegt. „Bei der feingeweblichen Untersuchung ist es wichtig, dass das Gewebestück nicht zu knapp herausgeschnitten beziehungsweise - gestanzt wird”, sagt Becker.

Infomaterial rund um das Thema Weichteiltumoren

Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen bietet unter uptoderm.de ebenso wie das Internetportal hautstadt.de ärztliche Informationen rund um die Haut, darunter auch zu Fibromen und anderen Weichteiltumoren. Unter http://www.krebsgesellschaft.de informiert die Deutsche Krebsgesellschaft über die Diagnose und Behandlung bösartiger Weichteiltumoren.

Literatur:

Lüder Jachens: „Hautkrankheiten ganzheitlich Heilen: ein Ratgeber aus anthroposophischer Sicht”, Freies Geistesleben, 2009, 17,90 Euro, ISBN: 978-3772550041.

Gabriele Amann, Marin Dominkus, Martin Breitenseher: „Bildgebende Diagnostik und Therapie der Weichteiltumoren”, Georg Thieme Verlag, 2008, 99,95 Euro, ISBN: 9783131431318.