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Leipzig: Sexualmediziner beklagen „eklatante Versorgungslücken”

Leipzig : Sexualmediziner beklagen „eklatante Versorgungslücken”

Jeder dritte Deutsche leidet laut Sexualmedizinern im Laufe seines Lebens an einer längeren sexuellen Störung.

Meist seien es Sexpausen nach Herzerkrankungen, Erektionsstörungen sowie Wechseljahre bei Frauen und Männern, sagten Fachleute auf der Jahrestagung der Deutschen Akademie für Sexualmedizin am Mittwoch an der Universitätsklinik Leipzig.

Diese Störungen beeinträchtigten die Lebensqualität nachhaltig, betonte der Akademievorsitzende, Klaus M. Beier. Demgegenüber stünden „eklatante Versorgungslücken” bei der Betreuung der Patienten.

Vielfach seien den Fachärzten neue Behandlungsmethoden nicht bekannt, kritisierte Beier. Es gebe eine „Diskrepanz zwischen öffentlichem Bedarf und therapeutischen Angeboten”. Neue, schonendere Behandlungsformen seien nicht Teil „im Standardprogramm der Ausbildung der Gynäkologen”, beklagte auch der Direktor der Leipziger Universitätsfrauenklinik, Michael Höckel. Ärzte müssten stärker die Möglichkeiten nutzen, Organe zu erhalten.

Beim Schamlippenkrebs (Vulvakarzinom) etwa sollten die äußeren Geschlechtsteile der Frau rekonstruiert, statt, wie bei vielen Ärzten üblich, weggeschnitten werden. Bei dieser Krankheit gebe es eine „signifikante Zunahme bei jüngeren Frauen”.

Die 120 Fachleute der Tagung diskutieren bis Samstag auch über Inzest, Herzerkrankungen, Sexlust im Alter und Jugendsexualität. „Sexualität altert nicht, sie bleibt immer jung”, sagte der Gynäkologe Henry Alexander. Und die Befürchtung, Sex sei ein Herzinfarktrisiko, ist nach Worten der Sexualforscherin Carla Thiele nicht gerechtfertigt: „Wenn Sie fit für den Alltag sind, sind sie auch fit für Sex”, sagte sie. Lediglich 0,6 Prozent aller Herzinfarkte passierten beim Sex. „Sex ist so anstrengend wie Laubharken, Staubsaugen oder Einkaufen.”