1. Leben
  2. Gesundheit

Berlin: Schwitzen für Gelenke und Abwehrkraft: Sauna tut Senioren gut

Berlin : Schwitzen für Gelenke und Abwehrkraft: Sauna tut Senioren gut

Der eisige Wind pfeift, Frost kriecht auch unter die wärmste Wollmütze und den dicksten Schal. Kein Wunder, dass viele Menschen sich jetzt nach Wärme sehen: Saunen haben bei diesem Wetter Hochkonjunktur. Auch Senioren wollen in der dunklen Jahreszeit Körper und Geist etwas Gutes tun.

Ob auf einer organisierten Reise oder einfach im Hallenbad nebenan, grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass ältere Menschen bei 80 oder mehr Grad schwitzen. „Saunieren ist auch für ältere Menschen sehr gut”, sagt Internist Thomas Aßmann vom deutschen Hausärzteverband. Gerade in der Erkältungszeit können sie von der trockenen Hitze profitieren, da der Wechsel von Warm und Kalt die Abwehrkräfte stärkt.

Wer im fortgeschrittenen Alter mit dem Saunieren beginnen will, sollte sich aber vorher beim Hausarzt untersuchen lassen, rät Anja Kwetkat. Sie leitet an der Uniklinik in Jena die Abteilung für Geriatrie. Denn auch ältere Menschen, die sich gesund fühlen, können zum Beispiel einen erhöhten Blutdruck haben. „Das spürt man nicht unbedingt”, erklärt die Ärztin. Intensives Schwitzen auf der oberen Saunabank und ein anschließendes Eisbad belasten den Kreislauf maximal - und können für Menschen mit Herz- oder Kreislaufproblemen zum ernsten Gesundheitsrisiko werden.

Außerdem wird Bluthochdruck häufig mit wassertreibenden Medikamenten behandelt. „Das erhöht in Zusammenhang mit starkem Schwitzen das Risiko, auszutrocknen”, erläutert Kwetkat. Neben Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems können auch ausgeprägte Krampfadern ein Grund sein, sich beim Schwitzen zurückzuhalten. Die Expertin warnt: „Durch die Hitze erweitern sich die Gefäße zusätzlich, das Thrombose-Risiko kann steigen.”

Ebenso wie junge Menschen sollten Senioren auf die Sauna verzichten, wenn sie unter einer Bronchitis oder einer Lungenentzündung leiden. „Ein einfacher Schnupfen ist aber noch in Ordnung”, sagt Internist Aßmann. Alkohol ist besser tabu. Auch ein voller Magen belastet den Kreislauf zusätzlich.

Hat der Hausarzt grünes Licht gegeben, gilt Kwetkat zufolge für Senioren ebenso wie für alle Saunagänger: auf das eigene Gefühl verlassen. „Wenn ich mich schlecht fühle, eine innere Unruhe spüre, der Pulsschlag sich erhöht, mir schwindelig wird - dann sollte ich nicht auf die Uhr schauen, sondern rausgehen.” Aßmann empfiehlt, es zunächst langsam angehen zu lassen und vielleicht erstmal die etwas kühlere Bio-Sauna oder die untere Sitzbank zu nutzen. „Wie bei so viele Dingen gilt beim Saunieren: besser in Maßen.”

Während des Saunabades müssen vor allem ältere Menschen aufpassen, dass sie ausreichend trinken, denn mit den Jahren lässt das Durstgefühl nach. Wie auch an heißen Sommertagen ist es in der Sauna wichtig, bewusst über den gefühlten Bedarf hinaus Flüssigkeit aufzunehmen. Außerdem haben ältere Menschen oft trockene Haut. „Das Salben zur Rückfettung ist dann wichtig”, sagt Ärztin Kwetkat.

Wenn Senioren diese Regeln beachten, können sie vom Saunieren in besonderem Maße profitieren. Denn die Wärme tut gut bei degenerativen Erkrankungen der Gelenke, die oft als Verschleiß bezeichnet werden. „In diesem Fall sollte man bei der Abkühlung vorsichtig sein, kneippsche Güsse sind vielleicht besser als ein Eisbad”, sagt Kwetkat.

Wer das Saunieren einmal ausprobieren will, kann in vielen Bädern an speziellen Seniorentagen Schnäppchenpreise oder Kursangebote nutzen. „Bei uns zahlen alle ab 60 montags für drei Stunden, dürfen aber den ganzen Tag bleiben”, erzählt etwa Sandra Wand vom Freizeitbad „Elypso” im niederbayerischen Deggendorf. Es gibt es ein spezielles Seniorenmenü, einen Kaffeegutschein und Aquagymnastik. „Das wird sehr gut angenommen”, sagt Wand. Über günstige Seniorentarife informieren Bäder und Saunen in der Regel auf der Homepage oder am Telefon.

In der Kur gehört eine Sauna fast immer zum Angebot. „Da unsere Therme zu 70 Prozent von Senioren besucht wird, sind alle Saunaangebote auch für diese Zielgruppe geeignet”, sagt Uwe Winter, Geschäftsführer der Bad Bevensen Marketing GmbH. Eine neue Sole- und Salzlandschaft auf Stelzen, die in dem Kurort in der Lüneburger Heide im Sommer eröffnet werden soll, ist zum Beispiel mit dem Aufzug zu erreichen.

Zwischenfälle beim Saunieren gibt es Winter zufolge vor allem, wenn Besucher sich überschätzen und beispielsweise zu viele Saunaaufgüsse in zu kurzer Zeit machen. „Wenn dann noch zu wenig getrunken wird, kann es zu Kreislaufproblemen kommen.” Mitarbeiter kontrollieren in Bad Bevensen deshalb alle 30 Minuten die Saunen und sprechen schlafende Gäste an, um zu prüfen, ob alles in Ordnung ist.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann in manchen Thermalbädern vor dem Saunabesuch an einem Einführungskurs teilnehmen. „Hier erfahren Interessierte, was Saunabaden so gesund macht und wie man richtig sauniert”, erklärt Stefanie Schudlich von der Therme KissSalis im unterfränkischen Bad Kissingen. Dem genussvollen und gesunden Schwitzen sollte dann nichts mehr im Wege stehen.

(dpa)