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Kleve: Schleichende Gefahr: Bluthochdruck wird oft erst spät erkannt

Kleve : Schleichende Gefahr: Bluthochdruck wird oft erst spät erkannt

Zu hoher Blutdruck ist gefährlich - lebensgefährlich. „Das Problem ist, dass er sich mit der Zeit langsam entwickelt”, sagte der Mediziner Ulrich Tholl. „Wir merken nicht, dass wir einen bestimmten Blutdruck haben”, erklärte der Chefarzt für Innere Medizin aus Kleve. Oder besser gesagt: Wenn wir es merken und die Symptome auftreten, ist der Blutdruck schon viel zu hoch.

„Herzklopfen, Kopfschmerzen, Luftnot, Hitzgefühl, pulsierendes Geräusch im Ohr”, zählte Tholl typische Anzeichen auf. Weil sie so spät auftauchen, ist das Warten auf die Symptome die falsche Vorgehensweise.

Ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck haben Menschen, in deren Familie er bereits ein Problem ist. Auch Raucher, Übergewichtige und Diabetiker gehören zur Risikogruppe. Diese Menschen sollten regelmäßig ihren Blutdruck messen. Normal ist ein Wert von 120 zu 80. Wer dauerhaft Werte über 140 zu 90 misst, hat Bluthochdruck (Hypertonie).

Damit das Messen in Eigenregie verlässlich ist, sollte es zu den gleichen Tageszeiten erfolgen, um Schwankungen im Tagesverlauf auszuschließen. „Vor dem Frühstück und vor dem Abendessen, nach einer gewissen Ruhephase”, riet Tholl anlässlich des Weltgesundheitstags am 7. April. Über einen Zeitraum von mindestens einer Woche können Patienten so einen Mittelwert errechnen. Wer schneller ein Ergebnis haben will, kann vom Arzt einen 24-Stunden-Test machen lassen. „Das ist ein ideales Instrument”, so Tholl.

Ist der Blutdruck zu hoch, müssen Betroffene ihren Lebensstil anpassen. Bei der Ernährung empfahl Tholl, auf Kochsalz zu verzichten. Denn es steigere den Blutdruck, erklärt der Arzt. Außerdem ist Bewegung wichtig. Tholl empfiehlt regelmäßiges Ausdauertraining wie Radfahren, Walken, Schwimmen oder Laufen. „Dreimal 20 Minuten in der Woche wären ideal.”

Auch Abnehmen senkt den Blutdruck. „Es ist nicht so, dass man große Sprünge machen muss”, beruhigte Tholl. Fünf Kilo weniger können schon dazu beitragen, den Blutdruck zu reduzieren. Von unrealistischen Gewichtszielen riet Tholl ab, weil sie eher demotivierend wirken.

Nicht zuletzt ist ein Medikamentencheck nötig. Denn manche Arzneien, die teils frei verfügbar sind, können den Blutdruck erhöhen. Ob es ein eingenommenes Mittel ist, das den Druck in den Adern in die Höhe treibt, muss ein Arzt ermitteln. Liegt der hohe Blutdruck nicht an einer unerwünschten Nebenwirkung und sinkt er nicht durch einen geänderten Lebensstil, muss der Betroffene entsprechende Medikamente nehmen.

Wer Bluthochdruck nicht behandelt, riskiert schwere Erkrankungen. „Schlaganfall und Herzinfarkt sind die übelsten Auswirkungen”, sagte Tholl. Auch das Sehvermögen und die Durchblutung in den Beinen können gestört werden. Und es drohen Nierenschäden, die sogar eine Dialyse nötig machen können. „Es sind fast alle Organe, die in Mitleidenschaft gezogen werden”, so der Facharzt.