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Köln: Schlaganfall kann auch angrenzende Hirnregionen schädigen

Köln : Schlaganfall kann auch angrenzende Hirnregionen schädigen

Nach einem Schlaganfall sind auch zunächst nicht betroffene Hirnregionen gefährdet.

Am Rand des abgestorbenen Gewebes entstehen nämlich Wellen elektrischer Erregung, die angrenzende Bereiche überziehen und Nervenzellen schädigen können, wie Forscher der Universitätskliniken in Köln und Heidelberg sowie des Kölner Max-Planck-Instituts für neurologische Forschung nachwiesen. Bisher habe man dieses Phänomen nur am Tiermodell beobachten können, berichtet die Universitätsklinik Köln. Den Wissenschaftlern sei es nun gelungen, diese Entladungswellen auch beim Menschen zu messen.

In Deutschland erleiden den Angaben zufolge jährlich mehr als 150.000 Menschen einen Schlaganfall. Dabei kommt es zu einem Verschluss von Blutgefäßen im Gehirn, so dass einzelne Hirnbereiche nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden. Die Folge: Das Gewebe stirbt ab. Je nach Größe der betroffenen Region können die Menschen Dauerschäden wie Lähmungen davontragen oder sogar sterben. In den Industrieländern ist der Schlaganfall laut Uniklinik die zweithäufigste Todesursache.

„Nach dem Schlaganfall ist das Gewebe rund um das betroffene Hirnareal zunächst schlecht durchblutet, aber noch zu retten”, erläutert Christian Dohmen von der Klinik für Neurologie der Uniklinik Köln. Die jetzt gemessenen elektrischen Entladungswellen beeinträchtigten den Stoffwechsel der geschwächten Nervenzellen zusätzlich: „Je häufiger solche Wellen auftreten, desto länger brauchen die Nervenzellen, um sich wieder zu erholen, bis sie schließlich ganz absterben”, sagt Dohmen. In welchem Ausmaß das Gehirn nach einem Schlaganfall geschädigt werde, hänge also von der Anzahl der Entladungswellen ab.

Dieser bisher nur am Tiermodell untersuchte Zusammenhang zeichne sich nun auch beim Menschen ab, ist das Ergebnis einer von den Kölner und Heidelberger Wissenschaftlern erstellten Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift „Annals of Neurology” veröffentlicht wurde. Die Entladungswellen konnten bei Schlaganfallpatienten auf der Hirnoberfläche gemessen werden.

Im nächsten Forschungsschritt stelle sich die Frage, wie man die Wellen im Gehirn „verhindert oder wenigstens eindämmt”, erläutert Mitautor Oliver Sakowitz von der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Möglicherweise könne Folgeschäden vorgebeugt werden, indem man die Wellen unterdrücke.