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London: Schlafentzug führt zu Erinnerungsproblemen

London : Schlafentzug führt zu Erinnerungsproblemen

Schlafmangel erhöht die Gefahr, dass Menschen Sachverhalte verdrehen und sich falsch erinnern. Dafür ist nicht ein fehlerhaftes Abspeichern von Informationen, sondern das ungenaue Abrufen der Information unter Schlafentzug verantwortlich.

Das haben Forscher um Susanne Diekelmann von der Universität Lübeck herausgefunden.

Können Menschen den Schlaf nämlich nachholen und werden sie in ausgeschlafenem Zustand nach ihren Erinnerungen befragt, sinkt das Risiko falscher Erinnerungen wieder. Eine ähnliche positive Wirkung auf das korrekte Erinnerungsvermögen habe auch eine Tasse Kaffee, berichtet der Onlinedienst des Fachmagazins „Nature” (DOI:10.1038/news.2008.953).

Die Forscher gaben Freiwilligen eine Wortliste zum Lernen, beispielsweise „Weiß”, „Dunkel”, „Katze” und „Nacht”. Die Worte haben eine starke Assoziation zu „Schwarz”, das aber nicht in der Liste stand. Nach einer gut durchgeschlafenen oder aber einer durchgemachten Nacht sollten sich die Probanden erinnern. Die übermüdeten Versuchteilnehmen ordneten dabei weitaus häufiger das Wort „Schwarz” der Liste zu als die ausgeschlafenen.

In einem weiteren Versuchsteil konnten die Forscher zeigen, dass diese falsche Erinnerung nicht durch fehlerhafte Abspeicherprozesse im Gehirn wegen Schlafmangels entsteht, sondern dass im ermüdeten Zustand die Probanden die Informationen nicht korrekt aus dem Gedächtnis abrufen können. Konnten die übermüdeten Versuchsteilnehmer nämlich eine weitere Nacht gut durchschlafen, erinnerten sie sich später in ausgeruhtem Zustand genauso gut an die Wortliste wie Probanden, die keinem Schlafentzug ausgesetzt waren.

Die Forscher fragten sich nun, ob Einflüsse von außen den fehlerhaften Abruf von Gedächtnisinhalten korrigieren könnten - etwa eine Tasse Kaffee. Die übermüdete Gruppe durfte daher in einer weiteren Versuchsreihe eine Stunde vor der Abfrage der Wortliste Kaffee trinken. Die falschen Erinnerungen gingen daraufhin zurück. Die Wiedergabe richtiger oder falscher Erinnerungen hängt demnach auch vom aktuellen Zustand eines Befragten ab. Dies könnte in besonderen Situationen, etwa bei Zeugenbefragungen, eine wichtige Rolle spielen, erläutern die Forscher.