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Hamburg/Berlin: Richtig Rad fahren will gelernt sein

Hamburg/Berlin : Richtig Rad fahren will gelernt sein

Auch wenn die Profis das Image ihres Sports längst an die Wand gefahren haben: Rad fahren ist gesund. Und meistens macht es auch Spaß. Einige Ratschläge von Experten sollten Freizeitbiker jedoch beherzigen, damit regelmäßige Radtouren nicht zu Lasten der Gesundheit gehen.

„Viele Radfahrer fahren mit zu geringer Sattelhöhe. Die sitzen richtig auf dem Rad und bringen das Bein gar nicht mehr zur vollen Streckung, wenn sie die Kurbel unten haben”, sagt Hans-Joachim Wullschläger. Nach Ansicht des Breitensport-Beauftragten des Radsport-Verbandes Hamburg tun diese Radfahrer sich und ihrer Gesundheit damit keinen Gefallen: „Dabei geht sehr viel Kraft verloren. Das ist uneffektiv. Und Sie schädigen Ihre Kniegelenke damit.”

Wullschlägers Rat lautet: Lieber den Sattel etwas zu hoch als etwas zu niedrig stellen. „Wenn ich auf dem Sattel sitze, sollte ich bei heruntergedrückter Kurbel ein fast gestrecktes Bein haben”, nennt er eine Faustregel. Und wenn man neben dem Rad steht, muss sich der Sattel auf der Höhe des Hüftknochens befinden.

Das Anpassen des Rades an den Körper des Fahrer ist das A und O für eine gesunde Zusammenarbeit. Rahmenhöhe, Sattel- und die Lenkereinstellungen müssen den Körpermaßen des Fahrers entsprechend eingestellt werden. Anhand der Faustformeln sollten die Grundeinstellungen vorgenommen und so lange - mitunter in Millimeterschritten - verändert werden, bis man sich auf dem Rad auch nach stundenlanger Tour noch wohlfühlt.

„Auch sind viele der Meinung, dass sie am Rennrad eine extrem tiefe Lenkerhaltung brauchen, um noch etwas schneller zu sein”, sagt Wullschläger. Es stellen sich jedoch eher andere Effekte ein: Rückenschmerzen, verspannte Schulterpartien und Erlahmung der Hände nach längeren Fahrten. Der Lenkerkopf eines Rennrads sollte daher bei Freizeitfahrern auf gleicher Höhe wie die Spitze des Sattels liegen, maximal zwei Zentimeter tiefer.

Sind Mensch und Fahrrad gut aufeinander eingestellt, steht der Fahrt nichts im Wege. Doch gerade an Steigungen kann der Spaß auch schnell wieder aufhören. Am Berg komme es darauf an, vorausschauend zu fahren und vor Beginn der Steigung in einen leichten Gang zu schalten, sagt der Mountainbike-Trainer Kurt Exenberger aus Kirchberg in Tirol. „Ein Fehler ist, dass Neulinge die Berge zu schnell angehen und sich die Kräfte nicht gut einteilen. Wenn der Anstieg lang ist, sollte man anfangs so langsam fahren wie es geht und erst am Ende schneller werden.”

Auch sollte der Radler beim Bergauffahren nach Möglichkeit sitzen bleiben. „Das ist effektiver”, sagt Exenberger. Aufzustehen mache nur Sinn, um den Rücken mal zu entlasten. Zum Glück hört jeder Berg irgendwann auf. Für Freizeitfahrer ist dies eine gute Gelegenheit für eine Gipfelpause - und für einen Trikotwechsel: „Bei Berganstiegen verlieren Sie sehr viel Flüssigkeit über die Haut. Im nassen Trikot fangen Sie bei Abfahrten schnell an zu frieren”, sagt Hans-Joachim Wullschläger.

Die Pause auf dem Berg bereitet auch den Geist auf die kommende schwierige Aufgabe vor: Denn während die strapazierte Oberschenkelmuskulatur sich eine Auszeit gönnen darf, kommt es auf höchste Konzentration an: Augen auf die Straße richten und den Lenker „absolut fest umfassen”, rät Wullschläger.

Bei Tempo 60 - Profis trauen sich auch Tempo 100 zu - könne der kleinste Fahrfehler mit dem Rad fatale Folgen haben. Weitere Tipps für die Haltungsnote: Oberkörper leicht gebeugt, die Knie ans Oberrohr, die Beine geschlossen halten, die Pedale waagerecht.

So verlockend es auch sein mag, das Rad laufen zu lassen: Es sollte nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der sichtbaren Strecke gehalten werden kann, rät Mountainbike-Profi Kurt Exenberger. Die richtige Bremstechnik, hilft, das Rad unter Kontrolle zu halten. Damit die Räder auf Schotter nicht ausbrechen, muss die Bremskraft verteilt werden - das bedeutet: beide Bremsen gleichmäßig verwenden.

Es gibt aber auch Erwachsene, die von Fahrraderlebnissen in der Natur nur träumen: Sie können überhaupt nicht Rad fahren - und decken den Mantel des Schweigens darüber. Nicht Radfahren zu können sei in den Augen vieler in etwa so ein Manko, wie nicht Lesen zu können, erklärt Wolfgang Lukowiak, der in Berlin eine Radfahrschule betreibt.

Seinen Klienten - zu 90 Prozent Frauen der 50-plus-Generation - muss er neben der Scham vor allem die Angst nehmen. Lukowiak lässt seine Schüler zu diesem Zweck nach anfänglichen Gleichgewichtsübungen - auf einem Bein stehen, auf einer Linie balancieren - mit Rollern fahren. Vom kleinen Roller mit geringer Fallhöhe geht es dann auf größere, von Tretrollern auf speziell angefertigte Sitzroller und dann erst aufs Fahrrad.

„Man rollert dann mit dem Fahrrad weiter, bis man den Mut hat, den zweiten Fuß auf die Pedale zu stellen”, erklärt Lukowiak die Methode. Stützräder kommen für ihn nicht in Frage. „Damit lernt man ja nicht, sein Gleichgewicht zu halten.”

Informationen: Bund Deutscher Radfahrer (BDR), Otto-Fleck-Schneise 4, 60528 Frankfurt/Main, Telefon 069/9678000; Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC), Bundesgeschäftsstelle, Postfach 10 77 47, 28077 Bremen, Telefon 0421/346290.