Chicago: Postnatale Depressionen treten bei Männern häufiger auf als angenommen

Chicago: Postnatale Depressionen treten bei Männern häufiger auf als angenommen

Nicht nur Mütter, auch viele Väter leiden an Depressionen während der Schwangerschaft ihrer Partnerin oder nach der Geburt eines Kindes. Das berichten US-Forscher nach der Auswertung von Daten einer großangelegten Studie.

Jeder zehnte Mann weist demnach im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft Symptome einer Depression auf. In den ersten drei bis sechs Monaten nach der Geburt sind die Väter besonders gefährdet.

Ist ein Elternteil betroffen, tritt die depressive Erkrankung beim Partner zudem häufiger auf, schreiben die Wissenschaftler um James Paulson von der Eastern Virginia Medical School im Fachmagazin „JAMA” (Bd. 303, Nr. 19, S. 1961). Unbehandelt können diese als postnatal oder auch postpartal bezeichneten Depressionen schwere Langzeitfolgen sowohl für den Nachwuchs als auch für die ganze Familie haben.

In der Zeit während und nach der Schwangerschaft fühlen sich viele Frauen besonders reizbar, erschöpft und traurig. Zwiespältige Gefühle dem Kind gegenüber treten ebenfalls sehr häufig auf. Einige Tage nach der Entbindung klingen diese Stimmungsschwankungen jedoch meist wieder ab.

Halten sie aber über einen längeren Zeitraum an, besteht die Gefahr einer postpartalen Depression, die professionell behandelt werden muss. Schätzungsweise bis zu 30 Prozent der Mütter erkranken an einer solchen Depression. Obwohl schon länger bekannt ist, dass auch Männer von der Erkrankung betroffen sein könnten, wurde der väterlichen postpartalen Depression bisher wenig Beachtung zuteil.

Die Forscher um Paulson werteten für ihre Arbeit die Daten aus 43 internationalen Studien mit insgesamt 28 004 männlichen Teilnehmern aus, die zwischen 1980 und 2009 durchgeführt wurden. Ergebnis: Durchschnittlich 10,4 Prozent der befragten Väter litten während der Schwangerschaft und des ersten Jahres nach der Geburt unter Depressionen, das sind mehr als doppelt so viele Betroffene wie Bevölkerungsdurchschnitt.

In den ersten drei bis sechs Monaten nach der Geburt ihres Kindes waren die Väter besonders betroffen - 25,6 Prozent von ihnen waren depressiv. Dabei sind offenbar amerikanische Väter gefährdeter als Väter aus anderen Ländern wie den Niederlanden, Spanien oder Australien: 14,1 Prozent von ihnen erkrankten im Vergleich zum Länderschnitt von 8,2 Prozent.

Eine Depression der Eltern kann sich langfristig negativ auf die Entwicklung des Nachwuchses auswirken. Betroffene Kinder zeigen häufig weniger Sozialkompetenz als Kinder nichtdepressiver Eltern und sind oftmals verhaltensauffällig. Außerdem scheinen sie bis ins hohe Erwachsenalter einem erhöhten Risiko für Angststörungen, Depressionen und Substanzmissbrauch ausgesetzt zu sein.

Nach Ansicht der Wissenschaftler gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen einer mütterlichen depressiven Erkrankung und einer väterlichen. Im Rahmen der Vorbeugung und Behandlung sei es daher notwendig, die gesamte Familie in die Behandlung mit einzubeziehen, statt sich auf die Einzelperson zu konzentrieren. Zukünftige Forschungen sollten sich zudem auf die Wechselwirkungen einer Depression innerhalb der Familie und die Auswirkungen auf das Kind konzentrieren.